Libyen Dutzende Tote bei Luftangriff auf IS-Anhänger in Libyen

US-Kampfjet F-22 Raptor HANDOUT - An F-22 Raptor soars through the skies on its way to Joint Base Pearl Harbor Hickam, Hawaii, July 2, 2010. The F-22 Raptor is the U.S. Air Force's most advanced fighter jet. Photo: Gustavo Gonzalez/U.S. Air Force (Nur zur redaktionellen Verwendung bei Urhebernennung) (zu dpa 'USA verstärken im Korea-Konflikt militärische Präsenz' am 02.04.2013) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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  • Bei einem Luftangriff auf ein mutmaßliches IS-Versteck in Libyen sind Dutzende Menschen ums Leben gekommen.
  • Die USA bestätigen, den Angriff durchgeführt zu haben.
  • Westliche Militärmächte bereiten seit Monaten einen Luftkrieg gegen die IS-Miliz in dem Bürgerkriegsland vor.

In Libyen sind bei einem Luftangriff auf mutmaßliche Kämpfer der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) mindestens 30 Menschen getötet worden. Ein Flugzeug habe am Freitagmorgen ein Haus in Sabratha westlich der Hauptstadt Tripolis bombardiert, teilte ein Vertreter der Stadtverwaltung weiter mit. Der Bürgermeister sprach von 41 Toten, von denen die meisten Toten aus Tunesien stammten.

Das US-Verteidigungsministerium hat den Angriff inzwischen bestätigt. Er habe einem IS- Ausbildungslager sowie einem ranghohen tunesischen Extremisten gegolten, der in Anschläge in Tunesien 2015 verwickelt gewesen sei, erklärte das Ministerium. Man gehe davon aus, dass die Zerstörung des Lagers und die Ausschaltung des Extremisten unmittelbar die IS-Aktivitäten in Libyen schwächen werde. Dies gelte etwa für die Rekrutierung neuer Kämpfer und die Planung für Anschläge in der Region.

Im vergangenen Juni hatte im tunesischen Badeort Sousse ein Student 38 Menschen erschossen. Hinter dieser Aktion wie auch hinter einem Anschlag auf das Bardo-Museum in Tunis, bei dem 22 Menschen umkamen, soll der nun Angegriffene stecken. Das ebenfalls bombardierte Terrorcamp im libyschen Sabrata liegt rund 80 Kilometer östlich der tunesischen Grenze.

Westen bereitet Militäreinsatz in Libyen vor

Libyen wird seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Jahr 2011 von zahlreichen bewaffneten Milizen beherrscht. Sie ringen neben zwei rivalisierenden Regierungen und Parlamenten in Tobruk und Tripolis um die Macht. Der IS nutzt die Lage, um sich in dem nordafrikanischen Land auszubreiten.

Deshalb bereiten westliche Militärmächte vorsorglich einen Kampfeinsatz gegen Islamisten auch in Libyen vor. Die Bündnispartner befürchten, dass der IS Ölregionen wie Adschdabija südlich von Bengasi erobert und sein Machtgebiet nach Süden hin über die Landesgrenze ausdehnt.

Wie französische und britische Medien berichten, sind die USA, Frankreich und Großbritannien bereits seit Monaten mit den Vorbereitungen für einen Luftkrieg gegen den libyschen IS-Ableger beschäftigt. Die Aufklärung erfolge bereits mit Satelliten, Drohnen und bemannten Flugzeugen. So sollen im November 2015 Rafale-Jets des französischen Flugzeugträgers "Charles de Gaulle" auf dem Weg zum Syrieneinsatz über Libyen Aufklärungseinsätze geflogen haben.

Als Voraussetzung für einen Kriegseinsatz gilt eine Hilfsanforderung einer anerkannten libyschen Regierung. Die Bemühungen um eine Einheitsregierung des in Machtzonen verfeindeter Milizen zerfallenen Staates scheitern jedoch bisher an Widersachern in beiden konkurrierenden Regierungen und Parlamenten in Tobruk und Tripolis. Unklar ist auch noch, wie man den Erfolg einer Militärkampagne nachhaltig sichern könnte.

Auch Deutschland könnte sich beteiligen

Die Bundesrepublik könnte mit der Ausbildung libyscher Kampftruppen im Nachbarland Tunesien sowie mit Aufklärung beitragen. Der Bundesnachrichtendienst (BND) nutzt bereits die Abhörstation im bayerischen Bad Aibling für die Überwachung des Internetverkehrs aus Libyen. Er gibt Daten auch an den US-Geheimdienst NSA weiter.

Unklar ist, ob auch die Korvette "Ludwigshafen am Rhein" helfen könnte, die bis Ende April vor der libyschen Küste an der Mission "Eunavfor Med" teilnehmen soll. Die Korvette verfügt über Instrumente zum Abhören, Aufklären und Stören feindlicher Kommunikation.