Libanon Tote bei Anschlag auf Hisbollah-Kritiker in Beirut

Schwarze Rauchschwaden über einem Geschäftsviertel in Beirut: Eine schwere Explosion hat die libanesische Hauptstadt erschüttert. Mindestens sechs Menschen kamen ums Leben. Der Anschlag galt offenbar dem Berater eines syrienkritischen Politikers.

Eine schwere Explosion hat die libanesische Hauptstadt Beirut erschüttert. Mindestens sechs Menschen kamen dabei ums Leben. Etwa 70 Menschen wurden nach Angaben von Rettungsdiensten verletzt.

Der Terrorakt galt offenbar dem Berater des früheren libanesischen Premiers Saad Hariri, Mohammed Schattah, der dabei nach libanesischen Medienberichten getötet wurde. Die Bombe explodierte vor einem Haus, in dem sich Politiker, die Hariri nahestehen, zu einer Besprechung getroffen hatten.

Augenzeugen sagten, die Erschütterung sei in der gesamten Stadt zu hören gewesen. Das libanesische Fernsehen zeigte dichten Rauch, der nahe dem libanesischen Regierungssitz aufstieg, sowie Bilder brennender Autos auf einer von Trümmern übersäten Straße. Ein Augenzeuge berichtete, Krankenwagen hätten Menschen aus dem Gebiet abtransportiert.

Der Konflikt im Nachbarland Syrien hat mittlerweile auch den Libanon erfasst. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR leben derzeit etwa 800.000 syrische Flüchtlinge offiziell im Libanon.

Sunniten gegen Schiiten

Libanesische Sunniten unterstützen syrische Rebellen im Kampf gegen Präsident Baschar al-Assad. Manche Rebellengruppen stehen al-Qaida nahe. Assad gehört den Alawiten an, einer schiitischen Bewegung innerhalb des Islam. Dem Anti-Assad-Block steht Hariris Zukunftsbewegung vor.

Hariri war von 2009 bis 2011 Ministerpräsident des Landes. Sein Vater Rafik Hariri, der von 1992 bis 1998 und 2000 bis 2004 an der Spitze der Regierung gestanden hatte, wurde 2005 bei einem Bombenanschlag getötet. In einigen Wochen sollte der Gerichtsprozess gegen die Mörder Hariris beginnen. Die Angeklagten sind fünf Mitglieder der Hisbollah, die abstreitet, für den Tod verantwortlich zu sein.

"Dieser Mordanschlag ist eine klare terroristische Botschaft an alle gemäßigten und freiheitsliebenden Menschen", erklärte Saad Hariri in einer Stellungnahme. "Er zielte darauf ab, den Libanon in unbekannte Gewässer zu manövrieren. Es stecken dieselben Leute dahinter, die Rafik Hariri ermordet haben."

Die schiitische Hisbollah, die auch die libanesische Regierung dominiert, sandte hingegen Truppen nach Syrien, um Assads Regierung zu unterstützen. Im Libanon kommt es zwischen den beiden Lagern immer wieder zu bewaffneten Zusammenstößen. Bei Bombenattentaten wurden seit 2004 zahlreiche anti-syrische Politiker und Journalisten sowie hohe Offiziere des Sicherheitsapparates getötet. Im vergangenen Monat hatte es einen Anschlag auf die iranische Botschaft in Beirut gegeben. Dabei starben mindestens 25 Menschen. Iran unterstützt die Hisbollah.

Auch der getötete Mohammed Schattah thematisierte den Konflikt, unter anderem kurz vor dem Anschlag auf Twitter. Er warf der schiitischen Hisbollah-Bewegung vor, nach der selben politischen und militärischen Vormachtstellung im Libanon zu streben, die Syrien über mehrere Jahrzehnte in dem Land ausgeübt hatte. Auf seinem Blog postete er: "Ein geeintes und friedliches Syrien ist einfach nicht mehr möglich."