Kuba hilft im Kampf gegen Ebola Die Revolution schickt ihre Ärzte

Kuba entsendet weltweit Mediziner in Krisengebiete - nun auch ins Ebola-Gebiet. Das keineswegs wohlhabende Land schickt damit mehr Ärzte nach Westafrika als viele reiche Industriestaaten.

Von Peter Burghardt

Am Wochenende sind die ersten Kubaner im Krisengebiet eingetroffen, Präsident Raúl Castro hatte sie in der Nacht zum Freitag in Havanna verabschiedet. "Wenn die Helden weiße Kittel tragen", schrieb die Zeitung Granma, das Zentralorgan der Kommunistischen Partei. 165 kubanische Ärzte und Krankenpfleger sind nach Freetown in Sierra Leone geflogen, sie sollen dort eine tödliche Plage bekämpfen: Ebola. Es ist das erste Kontingent von der Karibikinsel, weitere 296 Spezialisten aus Kuba sollen folgen. Das keineswegs wohlhabende Land mit seinen elf Millionen Einwohnern schickt mehr Mediziner nach Westafrika als viele reiche Industriestaaten. Präsident Castro, der Olivgrün trug, gab jedem Helfer die Hand, wünschte gute Reise und riet zur Vorsicht.

Früher 6000, heute 77 000 Ärzte

Früher hatte Castros Bruder Fidel bewaffnete "Internacionalistas" in afrikanische Kriege geschickt, um postkoloniale Imperialisten abzuwehren. Der Arzt Che Guevara versuchte sich einst als erfolgloser Rebell im Kongo. Doch längst exportiert das sozialistische Kuba Mediziner statt Soldaten.

Vor der Revolution 1959 gab es auf der Insel kaum 6000 Ärzte, und die Hälfte von ihnen flüchtete nach Castros Machtübernahme. Die Revolutionäre verstaatlichten das Gesundheitssystem genauso wie die Bildung und machten die Ausbildung zur Mission. Heute gibt es offiziell 77 000 Ärzte auf Kuba, dazu 15 000 Zahnärzte und 88 000 Krankenpfleger. Die medizinische Versorgung ist kostenlos, die Lebenserwartung und die Kindersterblichkeit haben trotz aller Engpässe europäisches Niveau. 20 000 junge Leute studieren Medizin auf Kuba, darunter viele Ausländer - und eine Armee von Internisten und Chirurgen leistet vaterländischen Dienst in der Fremde.

Geschäft mit den Ärzten im Auslandseinsatz

Bereits 1960 beorderten die Revolutionäre die ersten Krisenhelfer zum Erdbeben nach Chile. Seither waren mehr als 135 000 Kubaner mit Skalpell und Stethoskop im Auslandseinsatz, zurzeit sollen 50 000 Experten in 66 Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas tätig sein. 30 000 von ihnen kümmern sich um Venezuela und 11 000 um Brasilien - ein Geschäft: Der sozialistische Bruderstaat Venezuela liefert im Gegenzug Öl und ersetzt die verblichene Sowjetunion als Financier, Brasília zahlt mit Devisen. Mehr als 8,2 Milliarden Dollar pro Jahr verdient das klamme Kuba auf diese Weise - mehr als mit Touristen, Überweisungen von Emigranten und der Nickelindustrie. Die Entsandten haben nicht ganz so viel davon, verdienen aber besser als daheim.

Im Rahmen der "Operation Wunder" operieren kubanische Augenärzte Millionen Linsen und Netzhäute in Bolivien, Nicaragua oder Guatemala - für die Patienten umsonst. Kuba erschien mit einem Großaufgebot an medizinischen Helfern nach Tragödien wie dem Hurrikan Mitch 1998 und der Cholera-Epidemie in Haiti, die 2010 begann.

Jetzt geht es also nach Afrika, wo Ebola wütet. Kuba stelle da "mehr Ärzte als Großbritannien und Australien zusammen", schreibt die Londoner Times. Und mehr als die USA, die Kuba seit einem halben Jahrhundert boykottieren. "Das Heer weißer Kittel bekommt einen Ehrenplatz in unserer Geschichte", verspricht in seiner Zeitungskolumne der alte Revolutionär Fidel Castro.