So gnädig Christian Wulff in der Kreditaffäre zu sich selbst ist, so gnadenlos sind die Medien im Umgang mit dem Bundespräsidenten. Dabei wiederholen sich die Kritiker und verbreiten teils blühenden Unsinn. Gefährlich wird es, wenn aus dem Streit eine Machtprobe zwischen Presse und Bundespräsident wird.
Über Christian Wulff muss man nicht mehr viel reden. Über ihn ist sehr viel gesagt, über seine Verfehlungen und Verstrickungen fast schon im Übermaß geschrieben, gesendet, geschimpft und geklagt worden. Die Kritik an seiner notleidenden Moralität und die Kritik an seinen Ausflüchten war und ist berechtigt, die Enttäuschung über ihn auch. Das richtige Maß, das dem Präsidenten fehlt, scheint aber auch die Kritik an ihm zu verlieren.
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Das findet exemplarisch seinen Ausdruck in der Forderung, wie sie etwa aus der Partei Die Linke kommt, den umstrittenen Bundespräsidenten nach Artikel 61 des Grundgesetzes vor dem Bundesverfassungsgericht anzuklagen. Die Linke versucht wohl auf diese Weise, Anschluss an den öffentlichen Furor zu bekommen.
Die Gnädigkeit, die der Präsident sich selbst gegenüber zeigt, erhält ihre Entsprechung in der Gnadenlosigkeit der Kritik an ihm - deren Verbissenheit wohl auch daher rührt, dass er, der nun schon so lange und zu Recht kritisiert wird, einfach nicht zurücktreten will. Deshalb werden auch die schon bekannten und sehr berechtigten Vorwürfe neu aufgewärmt und neu gewürzt, deshalb findet sogar blühender Unsinn Verbreitung wie der, dass Wulff sein Haus ohne notarielle Beurkundung gekauft habe.
Mit ihrer Verbissenheit aber entzieht sich die Kritik ihre eigene Legitimität: Es ist nicht die Aufgabe der Medien, einen Rücktritt zu erzwingen. Ein Rücktritt ist nicht die den Medien zustehende Bestätigung und Belohnung für die Aufdeckung einer Affäre. Und das Ausbleiben des heftig geforderten Rücktritts ist nicht etwa ein Angriff auf die Pressefreiheit.
Man darf sich dann nicht auf den Kopf stellen und mit den Füßen nach Karlsruhe zeigen, als sei das Verfassungsgericht die Instanz, um dem Präsidenten die moralische Eignung abzuerkennen. Wenn der Bundespräsident nicht zurücktritt, mag man das bedauern. Heikel und gefährlich wird es, wenn aus dem kräftigen Bedauern präpotente Rechthaberei, ja eine Art Machtprobe wird zwischen der Presse und dem Präsidenten.
Gewiss: Das deutsche Staatsoberhaupt lebt vom Vertrauen, das die Bürgerinnen und Bürger in es setzen. Bundespräsident Wulff muss sich daher fragen, wovon er in Zukunft leben will. Vertrauen wird dadurch erschöpft, dass es in Anspruch genommen wird - so schreibt Bert Brecht im "Leben des Galilei". Wulff hat das Vertrauen in einer öffentlichen Erklärung und einem Fernsehinterview zu den Vorwürfen gegen ihn erschöpft.
Um als Präsident weiterzumachen, muss sich Christian Wulff daher gewiss sein, Vertrauen wieder gewinnen zu können. Solange diese Gewissheit in erster Linie nur er selber hat, muss er es aber aushalten, dass darüber geredet wird, wer ihm im Fall des Falles - und mit mehr Aussicht auf Glaubwürdigkeit - im Amt des Bundespräsidenten nachfolgen kann.
Joachim Gauck weiß, dass seine Israel-Reise eine Prüfung ist, persönlich und politisch. Der Bundespräsident besteht auch noch eine kleine Mutprobe. Seite Drei Jetzt lesen ...
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(SZ vom 09.01.2012/mikö/gba)
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Christian Wulff: Warum der Bundespräsident wirklich zum Abschuss freigegeben wurde.
Es ist schon merkwürdig. Nun sind sich alle wieder einig: Christian Wulff ist als Bundespräsident untragbar geworden. Immer mehr Politiker äußern sich eindeutig, einzelne fordern jetzt den Rücktritt der »Witzfigur«. Und die Medien? Sie schäumen!
Nach dem Bekanntwerden mehrerer Versuche Wulffs, Veröffentlichungen über sein Privatleben zu verhindern, steht in Sachen Pressefreiheit kein Stein mehr auf dem anderen. Zu Recht. Das ist keine Frage. Politiker und Bundespräsidenten haben nichts zu suchen in den Entscheidungsetagen großer Zeitungs- und Fernsehredaktionen. Doch was steckt wirklich hinter der seit Wochen dauernden Aktion gegen Angela Merkels Kronprinzen aus Schloss Bellevue, dessen »Hannover Connections« und Privatangelegenheiten sowohl bei den Boulevardmedien als auch bei einigen Politikerkollegen bei seinem Amtsantritt doch schon weitgehend bekannt gewesen sein dürften?
http://www.zeit.de/2011/27/Interview-Wulff
http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wulff-und-merkel-warnen-vor-neuer-krise/4010478.html?p4010478=all
http://www.bundesregierung.de/nn_1514/Content/DE/Bulletin/2011/04/37-1-bpr-bankentag.html
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/merkels-maerchenstunde-so-beluegt-die-bundesregierung-die-bevoelkerung.html
dass dies "Dabei wiederholen sich die Kritiker und verbreiten teils blühenden Unsinn. " zum -erzwungenen- Rücktritt des so Kritisierten führen darf/kann?! Kann das in einem demokratischen System gewollt sein, dass eine Gruppe von scheinbar grenzenlosen Medienmachern damit im Grunde bestimmen, wer welche Positionen innehaben darf?
Die Medienvertreter wähnen sich inzwischen als Staat im Staate. Sie sind die eigentlichen Strippenzieher in unserem System? Das wäre fatal. Das wäre die Diktatur der Medien. Politiker leben immer in der Angst, bei Meinungsmachern schlecht weg zu kommen. Das macht sie beinflussbar, zu Marionetten, zu Duckmäusern vor den Medien. Bei einer solchen Konstellation können wir ja gleich die mafiösen Strukturen in anderen, dafür bekannten Ländern auch gleich anerkennen.
Schlimm genug, dass sich Medienvertreter, vornehmlich im TV, längst ungehindert anmaßen, bei Wahlen in unserer Demokratie mit ihren suggestiven Wahlprognosen auf einen demokratischen Prozess Einfluss zu nehmen, auch wenn das auf den ersten Blick für die offenbar meisten der Bürger nicht so aussieht, als wolle jemand ihre Wahlentscheidung beeinflussen. So ist es aber, wenn man bedenkt, wie viele der Bürger sich von Trends leiten lassen. Schließlich haben nicht alle eine eigene, feste Meinung, die sie ggf. auch vertreten.
Macht endlich Schluss mit dieser unmöglichen Debatte. Herr Wulff muss bleiben, soll bleiben, kann bleiben - ist derzeit durch keinen anderen zu ersetzen. - Oder kennt Ihr, die Ihr alle im Glashaus sitzt und mit Steinen werft, jemanden, der eine blütenreine Weste hat?
Klaus R.
Das ist diese Schmierenaffäre ja von Anfang an, Herr Prantl! Reporter (Journalisten o.s.ä.) sind längst einem gewissen Größenwahn verfallen. Mir scheint hier, dass lediglich ein frustrierter Vertreter der Reporter-Zunft, der offenbar auch noch seine Bodenhaftung verloren zu haben scheint oder eine ganz bestimmte, miese, fiese, privat angesiedelte Absicht verfolgt, sich all zu wichtig nimmt und die "Haut den Lukas" - Nummer abspult. Volksdümmlicher Rummel also. Zudem stellt sich mir die Frage, ob der betreffende Reporter und seine Hornbläser überhaupt die moralische Kompetenz haben, sich über vermeintliche Verfehlungen anderer derart aufzublasen.
Als Bürger unseres Landes fühle ich mich sogar schon selber von solchen Dilettanten in meiner Ehre angegriffen, wenn die „denken“, ich hätte ein Interesse daran mitzukriegen, mit welchen persönlichen Komplexen sich Reporter herumschlagen oder welcher Art privater Kredite sich andere meiner Spezies aufhalsen. Ist doch deren ureigenes Problem, solange keine Verstöße gegen das Strafrecht oder die Menschenrechte damit verbunden sind. Alles andere ist doch äußerst spekulativ und eine bloße Auslegungssache. Für mich steht jedenfalls fest, dass dieser Reporter Deutschland in einem noch nicht ganz zu erfassenden Maße zwar geschadet, dieser jedoch nichts davon begriffen hat. Macht diese Person doch tatsächlich aus einem lausigen Telefonanruf eine Staatsaffäre. Man traut sich ja nicht mehrt ins Ausland, ohne befürchten zu müssen, dass die Menschen dort mit dem Finger auf einen zeigen. Pressefreiheit darf nicht in Narrenfreiheit ausarten. Nicht alles, was aus dem Mund, aus der Feder eines Reporters kommt, ist über jeden Zweifel erhaben.
Klaus R.
wäre glaubwürdiger, wenn er den Artikel mit dem blühenden Unsinn vom Hauskauf ohne notarielle Beurkundung wenigsten im eigenen Blatt richtigstellen ließe
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