Korruptionsskandal in der Türkei Ankara bestätigt Millionenspende an Erdoğans Sohn

Bislang hat sich der türkische Ministerpräsident Erdoğan massiv gegen jeden Schmiergeldverdacht gewehrt. Jetzt gibt seine Regierung zu, dass die Stiftung von Erdoğans Sohn Millionen Dollar aus dem Ausland erhalten hat. Die Opposition wittert Korruption.

Seit Dezember vergangenen Jahres werden immer wieder neue Korruptionsvorwürfe gegen den türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdoğan laut. Bisher hat der alle Schuld von sich gewiesen - sogar Twitter und Youtube ließ der Politiker vorübergehend sperren, um weitere Enthüllungen zu vermeiden.

Nun aber hat die türkische Regierung den Eingang einer Spende von fast 100 Millionen US-Dollar (etwa 72 Millionen Euro) für die Stiftung eines Sohnes Erdoğans bestätigt. Dies teilte Vizepremier Bülent Arınç in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Oppositionspartei CHP mit. Das Geld sei aus dem Ausland überwiesen worden, wie die türkische Presse meldete. Von wem das Geld stammte, ist bisher nicht bekannt.

Die Antwort Arınçs wurde auf der Internetseite des türkischen Parlaments veröffentlicht. Demnach erhielt die Bildungsstiftung Türgev aus dem Ausland eine Summe von 99.999.990 Dollar. Erdoğans Sohn Bilal ist in der Leitung der Stiftung tätig. Die CHP sieht die Millionenspende als Hinweis auf Korruption, der Partei zufolge stammte die Spende aus dem Nahen Osten. Die Oppositionspartei warf die Frage auf, ob die Geldsumme als Schmiergeld gewertet werden könne und welche Gegenleistung damit bezahlt werden sollte.

Im Februar war im Internet der Mitschnitt eines angeblichen Telefonats zwischen Erdoğan und Bilal aufgetaucht, in dem sich die beiden anscheinend darüber unterhielten, wie größere Geldsummen am besten vor der Justiz zu verstecken seien. Die ältere Stimme sagte: "Bringe alles weg, was in deinem Haus ist." Erdoğan wies den Mitschnitt als Manipulation zurück, als gezielten Angriff auf seine Person.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft hatte im Dezember mehrere Verdächtige aus dem Umfeld der Regierung unter Korruptionsverdacht festnehmen lassen. Erdoğan bezeichnet die Korruptionsvorwürfe als Komplott von Anhängern des islamischen Predigers Fethullah Gülen, der die Regierung stürzen wolle.