Konflikt mit den USA Nordkorea versetzt Raketen in Bereitschaft

Nordkorea verschärft die Kriegsrhetorik: Nach der Entsendung von zwei US-Tarnkappenbombern nach Südkorea hat Pjöngjang nach eigenen Angaben seine Raketen für mögliche Angriffe in Bereitschaft versetzt. Diese sollen angeblich Ziele auf dem US-Festland treffen können. Russland ist in Sorge und warnt vor "militärischen Muskelspielen" auf der Halbinsel.

Nach der Entsendung von zwei US-Tarnkappenbombern nach Südkorea hat Nordkorea nach eigenen Angaben seine Raketen für mögliche Angriffe in Bereitschaft versetzt. Den Befehl dafür habe Machthaber Kim Jong Un nach einem nächtlichen Dringlichkeitstreffen mit Spitzen der Armee gegeben, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag. Pentagon-Chef Chuck Hagel sagte dazu, Washington nehme die "Provokationen sehr ernst".

Im Falle einer "rücksichtslosen" Provokation seitens der USA müssten Nordkoreas Streitkräfte "erbarmungslos das US-Festland und Militärstützpunkte auf den Pazifik-Inseln Guam und Hawaii sowie deren Stützpunkte in Südkorea angreifen", zitierte KCNA den nordkoreanischen Machthaber. Bislang ist allerdings noch nicht bewiesen, dass Nordkoreas Raketenkapazitäten ausreichen könnten, um US-Festland zu erreichen.

Russland warnte vor "militärischen Muskelspielen" auf der Halbinsel. Die Lage könne außer Kontrolle geraten, sagte Außenminister Sergej Lawrow. Mit Sorge sehe Russland die militärischen Handlungen in der Region. "Das führt zu einem Teufelkreis", sagte Lawrow. Die Spannungen dürften nicht dazu genutzt werden, geopolitische Fragen in der Region mit Kriegsmitteln zu lösen.

Kim bezog sich mit seiner Drohung auf die Entsendung zweier atomwaffenfähiger Tarnkappenbomber vom Typ B-2 nach Südkorea durch die USA am Donnerstag. Dieser Schritt sei keine bloße Machtdemonstration mehr, sondern weise darauf hin, dass die USA einen "Atomkrieg um jeden Preis" entfachten.

Bereits am Dienstag hatte Pjöngjang mit Angriffen gedroht und angeblich die Sondereinheiten seiner gesamten Streitkräfte in Alarmbereitschaft versetzt. Ein südkoreanischer Militärvertreter sagte der Nachrichtenagentur Yonhap, an den Raketenstützpunkten des nördlichen Nachbarn sei eine deutlich erhöhte Aktivität von Personal und Fahrzeugen festzustellen.

"Wir werden darauf reagieren"

Südkorea und Nordkorea befinden sich praktisch noch immer im Kriegszustand. Die Spannungen in der Region hatten zuletzt auch wieder deutlich zugenommen, nachdem Pjöngjang als Reaktion auf die Verschärfung von UN-Sanktionen nach einem unterirdischen Atomtest den Nichtangriffspakt mit dem Süden aufgekündigt hatte. Zuvor hatte Nordkorea den USA bereits mit einem atomaren Erstschlag gedroht.

Die USA und Südkorea vereinbarten jüngst eine verstärkte militärische Zusammenarbeit. Die US-Regierung verpflichtete sich, Südkorea selbst bei kleineren Provokationen militärisch beizustehen. US-Verteidigungsminister Hagel bekräftigte am Donnerstag dieses Versprechen. Washington werde und müsse auf "jede Eventualität" vorbereitet sein, sagte Hagel vor Journalisten im Pentagon. "Wir nehmen diese Provokationen des Nordens sehr ernst und wir werden darauf reagieren."

Unterdessen sagte ein Nordkorea-Experte von der Dongguk Universität, die Drohungen aus Pjöngjang dürften nicht so gedeutet werden, dass ein Krieg "unmittelbar bevorsteht". Es handle sich um eine "erwartete" Reaktion des Nordens auf die Entsendung der B-2-Bomber durch die USA, sagte Kim Yong Hyun.