Köln Frau ohne Partei

Der Wähler schätzt Parteilose - das könnte Henriette Reker helfen.

(Foto: dpa)

CDU, FDP und Grüne wollen gemeinsam Henriette Reker zur Oberbürgermeisterin machen.

Von Bernd Dörries

KölnDer Harry-Blum-Platz in Köln ist nach dem ehemaligen Oberbürgermeister der Stadt benannt. Der CDU-Mann Blum starb 2000 nach einem halben Jahr im Amt, an ihn erinnert man sich in Köln vor allem deshalb, weil er der erste hauptamtliche OB der Stadt nach dem Krieg war, zuvor hatten sich die Stadtoberhäupter die Macht mit den Oberstadtdirektoren teilen müssen. Blum hatte es außerdem geschafft, nach 43 Jahren die Macht der SPD zu brechen.

Am Donnerstag steht Armin Laschet auf dem Harry-Blum-Platz in Köln und klebt Plakate. Bei den OB-Wahlen ist es üblich geworden, dass die Kandidaten die Logos ihrer Parteien klein halten oder gleich ganz weglassen; in einer Partei zu sein gilt offenbar mittlerweile als geschäftsschädigend. Dass auf den Plakaten, die CDU-Landeschef Armin Laschet zeigen, kein CDU-Logo zu sehen ist, hat in diesem Jahr aber einen anderen Grund: Die Partei hat erstmals seit der Zeit von Konrad Adenauer keinen eigenen Kandidaten gefunden für die viertgrößte deutsche Stadt.

Neben Laschet stehen Christian Lindner und Sylvia Löhrmann. Lindner ist derzeit der Hauptbestandteil der FDP, Löhrmann die stellvertretende Ministerpräsidentin der Grünen. Im Düsseldorfer Landtag haben die drei sich gegenseitig alles mögliche vorgeworfen, in Köln zeigen sie jetzt zusammen Plakate: Auf denen ist Henriette Reker abgebildet, die gemeinsame Kandidatin von CDU, FDP und Grünen. Reker qualifiziert sich für diese überparteiliche Bewerbung zuerst einmal durch ihre Parteilosigkeit. Zudem gibt es zumindest zur CDU gewisse Anknüpfungspunkte: Die Christdemokraten holten sie einst nach Gelsenkirchen. Die Grünen lotsten sie dann nach Köln, als Beigeordnete für Soziales, Integration und Umwelt. Reker hätte in diesen Tagen eigentlich genug zu tun, sie ist in der Stadt dafür zuständig, ausreichend Wohnraum für Flüchtlinge zu organisieren. Nun aber startet sie mit dem gemeinschaftlichen Plakatekleben die heiße Phase des OB-Wahlkampfes.

Um Flüchtlinge wird es dabei höchstens am Rande gehen. Rekers Strategie gegen SPD-Spitzenkandidat Jochen Ott besteht in dem Kunststück, auf der einen Seite schon lange in der Verwaltung zu sein, gleichzeitig aber so zu tun, als sei sie eine frische Kandidatin von außen. Ein richtiges Thema gab es sonst erst einmal nicht. Das hat sich seit der vergangenen Woche geändert, da hat die von vielen Kölnern kritisch beäugte Verwaltung mal wieder eine Leistungsschau ihres Könnens abgefeuert. Die lange geplante Eröffnung von Schauspiel und Oper für November wurde abgeblasen, es gibt Verzögerungen bei der mehrere hundert Millionen Euro teuren Renovierung. So etwas passiert auch anderswo. Nur haben andere Städte für solche Fälle einen Notfallplan. In Köln steht die Oper nun ohne Quartier da.

Direkte Verantwortung für dieses Schlamassel trägt Reker nicht. Aber derzeit Teil der Verwaltung zu sein ist auch kein Wettbewerbsvorteil. Reker und Ott haben ein ähnliches Programm, beide wollen der Stadt eine stärkere Führung bieten. Am Desaster der Oper sehe man, sagt Reker, dass Köln ein professionelles Management brauche, "und keines, was Fertigstellungstermine an Realitäten vorbei politisch entscheidet". Ott sagt, "in der Verwaltung fehlt die gemeinsame Richtung. Wir müssen aber jetzt klare Entscheidungen treffen". Beide Äußerungen lassen sich auch in Richtung des amtierenden SPD-Oberbürgermeisters Jürgen Roters deuten, der für viele Bürger ein Unbekannter geblieben ist, sich im Klein-Klein der Verwaltung verheddert hat und meistens abtaucht, wenn es brenzlig wird. Das Drama um die Oper verfolgt er aus sicherer Distanz im Urlaub.

"Wir wollen der SPD eine längere Entwöhnungskur gönnen", sagt Reker. "Die Entwöhnung von der jahrzehntelang eingeführten Überzeugung, diese Stadt gehöre den Sozialdemokraten." Früher kamen solche Sprüche von der CDU. Die steht aber nur herum und klebt Plakate für die anderen - in der Heimatstadt Konrad Adenauers.