Die Verfechter von Mindestlöhnen haben es derzeit leicht, denn ihre Argumente wärmen die Herzen. Es ist zwar gut, dass in Deutschland wieder über Wirtschaftspolitik geredet wird - schade nur, dass mit den alten Debatten auch die alten Vorurteile zurückkehren.
Das Gute an der neu entbrannten Diskussion um den Mindestlohn ist, dass in Deutschland endlich wieder über Wirtschaftspolitik geredet wird. Denn alle Bemühungen um den Euro verdecken ja nur, dass es in der Wirtschaftspolitik weiterhin auch anderes zu entscheiden gilt. Die alten Debatten, zu denen auch Arbeitszeit, Bürokratie, Steuern zählen, haben sich ja nicht erledigt, sie werden nur nicht wahrgenommen inmitten all der historischen Zäsuren.
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Über das Thema Mindestlohn wird wieder debattiert - nur leider verknüpft mit den alten Vorurteilen. (© ddp)
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Nun kommen die Themen wieder, das ist die gute Nachricht, aber auch verknüpft mit den alten Vorurteilen - das ist schade. Bei den Mindestlöhnen haben es deren Anhänger leicht: Ihre Argumente wärmen schon auf den ersten Blick die Herzen.
In der Sache kann man trefflich streiten, aber diese Diskussion lassen die Sozialpolitiker aller Parteien, auf deren Seite sich in einem beherzten Schwenk nun auch die CDU-Parteistrategen schlagen, gar nicht erst zu.
Falsche Unterstellungen
Sie unterstellen der schrumpfenden Zahl von Gegnern allgemeiner Mindestlöhne vor allem zwei Absichten.
Erstens wittern sie soziale Kälte. Dabei sind viele Kritiker zu Recht der Meinung, ein schlecht bezahlter Job sei besser als keiner, weil er die Chance bietet, sich im Arbeitsleben zu halten und dort hoffentlich sogar voranzukommen - das ist das Gegenteil von kalt.
Zweitens schwingt bei Gewerkschaftern, Sozis und richtigen Linken häufig die Überzeugung mit, Arbeitgeber seien von Natur aus böse und würden jede Gelegenheit nutzen, Löhne zu drücken. Auch das ist falsch. Die allermeisten Arbeitgeber sind so nicht. Sie wollen gerne gut zahlen - auch weil sie dann gute Leistung bekommen. Sie können es häufig nur nicht, wenn sie die Belegschaft nicht dezimieren wollen.
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(SZ vom 31.10.2011/fran)
ICE-Strecke
Doch sicher, das höchst unterschiedliche Lohnniveau ist selbstverständlich bekannt, weswegen habe ich auch die Politik aufgefordert, ihre Hausaufgaben zu machen.
Erst lesen und versuchen zu verstehen, dann herumbölken.
Freundlichst, xpeten
... mit einem Unbedingten Grundeinkommen:
Wer arbeitet, darf sein Zuverdienst behalten. Arbeit würde sich wieder lohnen, Sklavenjobs aber nicht. Aber keiner will es: Die Arbeitgeber nicht, da sie keine MacJobs mehr besetzt bekämen; die Gewerkschaften nicht, da sie viele Argumente verlören (und ihre Klientel nicht die Arbeitslosen sondern die Arbeitenden sind). Die Regierung sowieso nicht, da man dann auf Milliarden Lobbygelder verzichten müsste und keine Bürger mehr vor lauter Zukunftsangst die Politiker weiter dilettieren lassen würde.
Und die Totschlagargumente dagegen sind (obwohl wissenschaftlich nicht haltbar) fest zementiert: Unbezahlbar, ungerecht, unsozial usw.
Aber egal, zugrunde gehen wir so oder so. So halt noch schneller und depperter.
Die Argumente, die Herr Beise anführt, sind ja nicht neu. Nur basieren sie leider nicht auf wissenschaftliche Studien, zumindest kenne ich keine und auch Herr Beise bleibt die Beweise schuldig. Natürlich leuchtet es erstmals ein, dass viele deutschen Arbeiter im Konkurrenz zu den ausländischen Arbeiter stehen mögen, aber das gilt nicht für alle. Außer vielleicht an den Grenzgebieten fährt ja wohl keiner 40 km zu einem billigeren Frisör. Zum anderen gibt es ja auch Hinweise, dass viele Unternehmer den fehlenden Mindestlohn dazu benutzen ihre Kosten zu senken, ohne finanzieller Not, wie der bekannte Fall einer Supermarktkette dies deutlich macht und das hat auch nichts mit böse Manager zu tun. In einer Marktwirtschaft sind die Akteure dazu gehalten (und viele ihren Aktionären verpflichtet) möglichst viel Gewinn zu machen, zumal sie in starken Konkurrenz zu anderen Firmen stehen, selbst wenn dies auf Kosten der Arbeitnehmer geht. Und es gibt meines Wissens seit kurzem Studien der Bundesregierung die zeigen, dass Mindestlöhne keine negative Auswirkung auf die Arbeitsplätze gehabt haben. Deshalb meine Bitte an dem Autor, wenn Sie argumentieren, sollten sie diese auch belegen können, sonst bleibt ihr Beitrag nur eine Meinung ohne besonderes Gewicht.
Ohne jetzt die wirklich gierigen Unternehmer, die ihrer sozialen Verantwortung garantiert nicht gerecht werden, in Schutz nehmen zu wollen:
Die von Ihnen genannte "Generation Praktikum" muss man doch etwas differenzierter betrachten, handelt es sich bei den Unternehmern, die solche "Praktika" anbieten, doch oft selbst um prekäre Erwerbsbiographien, deren quasi Möchte-Gern- oder Scheinselbstständigenstatus kaum ein Leben am Existenzminimum ermöglicht.
Aber natürlich haben Sie auch recht, auch große und bekannte Werbeagenturen machen mit diesen "Praktika" richtigen Reibach.
Die Arbeitgeber sind wirklich nicht böse!
Was diese interessiert ist, die Ware Arbeitskraft möglichst günstig und wenn es möglich wäre, für null zu beschäftigen.
Das erhöht aus betriebswirtschaftlicher Sicht, sich gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil zu verschaffen.
Warum grasen sie denn sonst alle Billiglohnländer ab. Löhne wie in Bangladesch, das wünschen sie sich und würden es auch bei uns so gerne verwirklicht sehen.
Leider hat der Mindestlohn auch diesen Pferdefuss.
In Frankreich gibt es diesen ja schon lange und er liegt derzeit auf dem Niveau von 1.000 Euro netto . Bei den hohen Lebenshaltungskosten bescheiden wenig.
Aber das Problem liegt woanders: Nämlich dort, wo alle Arbeitnehmer auf dieses Niveau herabgedrückt werden, egal ob Ingenieur oder Maurer oder Verkäufe/rin.
Der Mindestlohn bietet die Chance für alle Unternehmen, das Lohnniveau herabzusenken.
Es gibt auch Unternehmen, die diesen Lohn nicht bezahlen wollen und Schwarzarbeit anbieten. Weil Arbeitnehmer ja essen muss, lassen sich viele darauf ein.
Und dann: Trotz des Mindestlohns gibt es viele Bereiche, in denen trotzdem weniger bezahlt wird, ganz inoffiziell.
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