Katholiken Mondlandung der Bischöfe

Die Kirche lässt wiederverheiratete Geschiedene zur Kommunion zu. Das ist ein großer Schritt.

Von Heribert Prantl

Ein kleiner Schritt für einen Menschen, ein riesiger Sprung für die Menschheit." Der Astronaut Neil Armstrong sagte das, als er 1969 als erster Mensch den Mond betrat. In der katholischen Kirche passiert soeben Ähnliches: Ihre deutschen Bischöfe, angeleitet von Papst Franziskus, erlauben wiederverheirateten Geschiedenen den Empfang der Kommunion. Das ist für den Katholizismus eine Sensation, eine katholische Mondlandung. Gläubige anderer Religionen, Atheisten erst recht, mögen das abtun als skurrile Marginalie, als kleinen Schritt, den die Amtskirche da im Abseits ihrer Weltfremdheit tut. Für die katholische Christenheit ist es ein großer Schritt.

Es ist dies die Abkehr vom kirchlichen Machtanspruch, pauschal und generell zu entscheiden, wer ein Sakrament verdient und wer nicht. Diese Kirche hat die Zuteilung und Verweigerung des Sakraments bisher als Belohnung und Strafe betrachtet. Mit Seelsorge hatte das wenig zu tun, viel aber mit unbarmherziger Verteidigung von Dogma und Moral unabhängig von persönlichen Schicksalen. Kirchenrechtlich war es seit jeher kaum zu halten, ein nach dem Glauben stärkendes Sakrament ausgerechnet denen vorzuenthalten, die in ihrer schwierigen Lebenssituation dieser Stärkung bedürftig waren.

Die Entscheidung der Bischöfe ist keine Abkehr von der Unauflöslichkeit der Ehe; sie ist eine Hinwendung zu den Realitäten des Lebens.