Katholiken Bischöfe gegen die Basis

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, hat die Forderung nach einer Segnung homosexueller Paare scharf kritisiert. Die Forderungen seien "mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar".

Von Matthias Drobinski

Sollen schwule und lesbische Paare in der katholischen Kirche gesegnet werden - und Geschiedene, die wieder heiraten? Ein entsprechender Vorschlag des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) provoziert heftigen Streit in der katholischen Kirche. Der Bischofskonferenzvorsitzende Kardinal Reinhard Marx erteilte der Idee des ZdK am Freitag eine Absage. "Die Forderung nach einer Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und einer zweiten kirchlich nicht anerkannten Ehe ist mit Lehre und Tradition der Kirche nicht vereinbar", erklärte er. Auch dass die Kirche das Zusammenleben in festen gleichgeschlechtlichen Partnerschaften vorbehaltlos akzeptieren solle, widerspreche ihrer Lehre und Tradition.

Am vergangenen Wochenende hatte das ZdK, in dem sich die katholischen Verbände und Diözesanräte zusammengeschlossen haben, sich einstimmig dafür ausgesprochen, dass die katholische Kirche liturgische Formen für Segensfeiern für homosexuelle Paare entwickelt sowie für Geschiedene, die wieder heiraten. Auch sollte sie das Verbot der künstlichen Verhütung überdenken, hier klafften die Lehre und die Lebenspraxis der Gläubigen weit auseinander. Die ZdK-Erklärung betonte zugleich den Wert der Ehe. Man wolle junge Paare "zum Eheversprechen und zur Gründung einer Familie" ermutigen.

Konservative Katholiken hatten diese Erklärung im Internet und in zahlreichen Schreiben an Bischöfe scharf kritisiert. Am Montag schloss sich der Passauer Bischof Stefan Oster der Kritik an. Das ZdK lasse "wesentliche Aspekte des biblischen Menschenbildes" hinter sich. Auf die Forderungen einzugehen würde einen "dramatischen Kurswechsel" bedeuten. Es gebe "keine einzige öffentliche Äußerung des Papstes oder des bisherigen Lehramtes" in dieser Richtung - dies werde auch die Bischofssynode im Oktober in Rom zum Thema Ehe und Familie zeigen.

ZdK-Generalsekretär Stefan Vesper verteidigte die Erklärung. Sie enthalte ein "eindeutigen Bekenntnis" zur "sakramentalen Ehe". Allerdings erkenne das ZdK an, dass viele der Werte der Ehe heute auch "in anderen Partnerschafts- und Familienformen gelebt werden".