Silvio Berlusconi wird es nicht gelingen, sich vor laufenden und drohenden Klagen in Sicherheit zu bringen - und muss wütend erkennen: Er kann nicht schalten und walten, wie er will.
Die Schreierei soll bis weit in den Flur zu hören gewesen sein im Palazzo Montecitorio zu Rom. Für Premierminister Silvio Berlusconi ging es um viel, als er mit Parlamentspräsident Gianfranco Fini darüber diskutierte, das Prozessrecht zu ändern.
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Silvio Berlusconi muss wütend erkennen, dass er nicht schalten und walten kann, wie es ihm beliebt. (© Foto: dpa)
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Der Premier wollte sich endlich vor laufenden und drohenden Anklagen in Sicherheit bringen. Das ist ihm nur teilweise gelungen. Denn was nun auf den Weg gebracht wird, ist ein Gesetz zur Verjährung von Prozessen, aber nicht zur schnelleren Verjährung zahlreicher Delikte.
Damit schwebt das Schwert der ihm unsäglich verhassten Justiz weiter über Berlusconi, wenn auch etwas höher.
Dass viele Prozesse in Italien viel zu lange dauern und ein Zeitlimit sinnvoll wäre, das sagt auch die Opposition. Aber die Umstände und der von Berlusconi gewünschte Umfang einer Neuregelung haben allzu offenkundig gemacht, dass es dem Premier um ein Gesetz ad personam ging.
Berlusconi nahm keine Rücksicht darauf, dass dann auch mindestens 200.000 andere Prozesse hätten beendet werden müssen, Justizarbeit von Jahren vergebens gewesen wäre, ungezählte Kläger nie Gerechtigkeit erfahren hätten. Da machte Fini nicht mit.
Der hatte dabei auch das Argument auf seiner Seite, dass der Staatspräsident Berlusconis Entwurf sowieso nicht billigen werde und er damit dem Premier nur eine Blamage ersparen würde.
Ganz selbstlos tat Parteifreund Fini das nicht. Es geht nicht nur um Gerechtigkeit, sondern auch um die Macht in der Regierungspartei. Berlusconi musste jedenfalls wütend erkennen, dass er nicht schalten und walten kann, wie es ihm beliebt.
Für den Premier kein gutes Ergebnis, aber kein schlechtes für den Rechtsstaat Italien.
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(SZ vom 12.11.2009/segi/odg)
Stockender Kita-Ausbau
kann man wohl nur aus einer deutschen Perspektive heraus schreiben. Heute wurde bereits ein Gesetzesdekret im Senat präsentiert (hier geht schon seit langer Zeit alles nur noch über Verordnungen) wonach eine große Anzahl von Prozessen mit Strafen von unter 10 Jahren, bei denen das Hauptverfahren seit über 2 Jahren eröffnet wurde, einfach verjähren.
Ausgenommen sind Straftaten von Migranten, eingeschlossen die ausstehenden Thyssen-, Parmalat- und Cirioprozesse.
Und die EU wird wahrscheinlich wieder einmal schweigen.....
Ich finde, das was hier in Italien seit Jahren, ganz besonders aber jetzt passiert gehört auf die Titelseiten der europäischen Presse. Hier ist der "schleichende" Putsch schon sehr weit vorangeschritten.
Hier sind Dinge ganz normal, die man sich im Rest der westlichen Welt kaum vorstellen kann; ein beliebiges Beispiel: Ein Politiker (Cosentini), gegen den die Staatsanwaltschaft wegen jahrelanger Unterstützung der MAFIA (Camorra) die Inhaftierung beantragt, wird von der Regierung verteidigt und weiterhin für das Amt der Regionspräsidenten (entspricht in etwa dem Ministerpräsidenten eines Bundeslandes) von Kampanien (Neapel) gehandelt. Kein Wunder: Einer der engsten Mitarbeiter Berlusconis Marcello Dell Utri wurde in erster INstanz wegen Zusammenarbeit mit der Mafia zu 9 Jahren Haft verurteilt, was aber keinen stört, er ist natürlich frei, arbeitet weiter mit Berlusconi zusammen und hat wahrscheinlich auch noch seinen Senatorensitz inne (müsste ich mal nachsehen, ist aber wahrscheinlich so) . In dem Prozessurteil wird Dell Utri als Mittelsmann zwischen der Mafia und Berlusconi bezeichnet, der der Mafia ein paar Gefälligkeiten schuldet. (Man kanns im Inernet nachlesen, das Urteil, 1762 Seiten)
WIe bereits gesagt, wer Italienisch kann und wissen möchte, was hier wirklich vorgeht, sollte im Internet die Zeitung "Il fatto quotidiano" lesen. Und bitte bitte: Weitergeben, bekannt machen, nicht nur als Kommentar für Spezialisten. Das worüber alle Medien bberichtet haben, Berlusconis Weibergeschichten, lenkt nur vom Wesentlichen ab.
Leider muss der Artikel als bei Weitem zu optimistisch bezeichnet werden.
Als Wahlitaliener, mit ständig wiederkehrenden und immer stärkeren Auswanderungstendenzen wegen systematischer krimineller Durchsetzung der sowieso schon maroden italienischen Institutionen, schöpft man immer wieder mal Hoffnung, der totalitäre Spuk gehe jetzt dann zu Ende... und dann kommt es noch schlimmer. Immunitätsgesetz abgeschafft - und schon werden neue, schlimmere Gesetzte geschmiedet, und immer wieder unglaublicherweise auch verabschiedet. Diesmal ist es ein Gesetz (wird demnächst mit Gianfranco Finis Segen verabschiedet), das außer Berlusconis Prozesse endgültig zu beenden als Kollateralschaden auch noch 200.000 weitere Prozessse beendet. Das System ist folgendes: Prozesse für nicht Vorbestrafte dauern höchsten 6 Jahre (Berlusconi ist nicht vorbestraft, da es ihm gelang durch Verzögerungstaktiken und Verkürzung der Verjährungsfrist für die ihn jeweils betreffenden Verbrechen 6 Freisprüche wegen Verjährung zu bekommen). De facto werden die Prozesse noch stärker behindert (Gesetz in Vorbereitung, das den Richter zwingt JEDEN von der Verteidigung benannte Zeugen anzuhören, auch wenn es der Goldhamster des Angeklagten ist), nach 6 Jahren ist der Prozess zwar zu keinem Ende gekommen, wird aber zwangebeendet, der Beklagte ist wieder nicht vorbestraft und kann so weiter machen. Ganz konkret sind bereits 2 von Berlusconis anstehenden Prozessen damit entschieden, zu seinen Gunsten, und alle anderen folglich auch. Wer die italienische Lage in ihrer ganzen Härte kennenlernen möchte und Italienisch kann sollte http://antefatto.ilcannocchiale.it/glamware/blogs/blog.aspx?id_blog=96578 lesen, den website einer neuen italienischen unabhängigen Zeitung, die von dem in Deutschland bekannten und prämierten Journalisten Marco Travaglio mitgegründet wurde.
Und noch etwas: Bite, Bitte bringt den totalitären Spuk in Italien auf die TITELSEITEN der Zeitungen, es handelt sich um einen Europäischen Skandal und eine echte Gefahr für emokratie, Rechtsstaat usw
Auch die SZ ist (wie die meisten italienischen Zeitungen) dem medialen Irrsinn des Berlusconi verfallen, der tatsaechlich die Idee durchbringen moechte, dass, um die (wirklich sehr langen) Prozesszeiten zu verkuerzen, die Verjaehrungsfrist verkuerzt werden muss.
Das sind zwei paar Stiefel und die Folge ist nur, dass es noch mehr Prozesse geben wird, an denen Richter und Staatsanwaelte jahrelang arbeiten, und die dann ploetzlich - ohne ueberhaupt auf die beanklagten Taten einzugehen - eingestellt werden muessen.
Was verkuerzt werden muss, ist genau diese Untersuchungs- und Prozesszeit. Und das geht nur, wenn die Justiz insgesamt besser organisiert und v.a. finanziert wird.
Das ist natuerlich das letzte, an dem ein Herr Berlusconi Interesse haben kann, aber die FREIE PRESSE sollte es wenigstens klar und deutlich fordern.
Oder?
demokratische Diktatur vielleicht? Mit Berlusconi hat sich vieles verändert, aber nicht zum Guten für Italien. Komischerweise wurde er zum dritten mal gewählt, dann werden die Italiener schon wissen was sie tun. Dieses Italien hätte heute keine Chance in die EU aufgenommen zu werden.
Paging