Italiens Premier Silvio Berlusconi hat sich viele Skandale geleistet - und in seiner Partei herrscht kurz vor den Regionalwahlen Chaos: Nun verlieren die Bürger das Vertrauen.
Silvio Berlusconi und seine Regierung liegen weniger als drei Wochen vor den Regionalwahlen in Italien im Umfragetief. Nach Zahlen, die die Zeitung La Repubblica veröffentlichte, hat der Premier seit 18. Januar vier Prozentpunkte eingebüßt. Die Frage, ob sie viel oder ausreichend Vertrauen in den Regierungschef haben, bejahten 44 Prozent der Beteiligten. 54 Prozent gaben "wenig oder keines" an. Die Regierung insgesamt verlor seit Januar zwei Prozentpunkte und liegt bei 38 Prozent. Wenig oder kein Vertrauen in sie zu haben, gaben 58 Prozent an. Befragt wurde eine repräsentative Auswahl von 1000 Personen.
Verliert Rückhalt: Silvio Berlusconi (© Foto: Reuters)
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Allein seit Februar hat Berlusconi zwei Prozentpunkte in Umfragen verloren. In diese Zeit fallen Enthüllungen einer Korruptionsaffäre. Sie betrifft unter anderen den von Berlusconi geförderten Chef des Zivilschutzes, Guido Bertolaso. Außerdem gibt es Verbindungen zur Familie von Berlusconis Kabinettschef Gianni Letta. Chaos herrscht zudem in Berlusconis Partei Popolo della Libertà (PDL), die in der Stadt Rom und in der Provinz Rom von den Regionalwahlen ausgeschlossen wurde.
Innerhalb knapp eines Jahres hat Berlusconi zwölf Prozentpunkte verloren. Im April 2009, ein Jahr nach der letzten Parlamentswahl, lag der entsprechende Wert bei 56 Prozent. Diese Zahl wurde wenige Tage nach dem Erdbeben in den Abruzzen erhoben. Der Premier fand damals viel Anerkennung für seine Präsenz in der verwüsteten Region. Seither sind seine Vertrauenswerte gesunken.
Einbrüche in den Umfragen passierten im vergangenen Sommer, als diverse Affären Berlusconis enthüllt wurden. Es ging unter anderem um Fotos von ausschweifenden Festen in seinem Anwesen auf Sardinien und um Callgirls bei Abendeinladungen in Rom. Bei den sinkenden Werten gab es 2009 nur eine Ausnahme: Nachdem der Premier im Dezember in Mailand von einem psychisch Kranken verletzt worden war, legte er vorübergehend in Umfragen zu.
Seiner Partei PDL vertrauten jetzt 43 Prozent, drei Prozentpunkte weniger als im Januar und Februar. Im vorigen April lag der Wert noch bei 50 Prozent. Von den anderen Parteien hat laut Umfrage seit damals nennenswert nur die Links-Mitte-Partei Partito Democratico (PD) Vertrauen dazugewonnen. Der Wert stieg von 31 auf 40 Prozent.
Berlusconi drückt umstrittenes Gesetz durch
In den Umfragen spiegelt sich die Wirtschaftskrise. Das Bruttoinlandsprodukt ist 2009 um fünf Prozent gesunken. Die Arbeitslosigkeit liegt bei etwa zehn Prozent, und es wird erwartet, dass weitere Jobs verlorengehen. Die Sozialleistungen sind gering. Zugleich erleben die Bürger eine Regierung, die seit Monaten einen Großteil ihrer Kräfte dafür aufwendet, immer neue Justizgesetze zu entwerfen. Es handelt sich um Regelungen, von denen der Premier persönlich profitieren würde bei Prozessen, die aus seiner Unternehmertätigkeit gegen ihn anhängen. So brachte er am Mittwoch ein Gesetz durchs Parlament, mit dem die Prozesse gegen ihn um bis zu 18 Monate verzögert werden könnten. Die Regelung räumt ihm die Möglichkeit ein, laufende Gerichtsverfahren für mindestens ein halbes Jahr auszusetzen.
Berlusconi präsentierte unterdessen seine Version der Umstände, die zum Ausschluss der PDL in Rom und der Provinz Rom von der Regionalwahl am 28. und 29. März geführt haben. Die PDL hatte die nötigen Unterlagen am 27. Februar nicht innerhalb der Frist bei Gericht abgeliefert. Laut Berlusconi waren die Vertreter der PDL rechtzeitig anwesend. Angehörige der Radikalen Partei sowie Justizmitarbeiter hätten sie aber daran gehindert, die Dokumente rechtzeitig und vollständig zu übergeben.
Nach dem Ausschluss der PDL von der Wahl in Stadt und Provinz Rom wollte die Regierung mit einem Dekret die Teilnahme der PDL noch ermöglichen. Jedoch hat ein Verwaltungsgericht das Dekret in der Region Latium für nicht anwendbar erklärt. Berlusconi hat nun seine Anhänger für den 20. März zum Protest in Rom aufgerufen.
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(SZ vom 11.3.2010/plin)
Pfeiffen im Wald. Berlusconi wird schon wieder. Die Italiener würden sich ohne ihren Politclown doch langweilen.
"Nun verlieren die Bürger das Vertrauen."
Das hat aber verdammt lange gedauert!
Berlusoni hat den Italienern wenigstens einen Dienst erwiesen. Er hat die Arroganz und Beschränktheit sich brüstender Amtsträger so richtig plastisch werden lassen. Noch ein Nachschlag gefällig?
...haben sie sich gewünscht und dreimal direkt, einmal indirekt demokratisch gewählt. Sie können ihn auch wieder demokratisch abwählen.
Sie haben nicht unrecht! Wenn Merkel derartige Szenen liefern würde... 1:1... das kann man sich schlichtweg nicht vorstellen.
Aber Italien funktioniert anders. Die wirklichen Fäden ziehen andere und nicht die Regierung. Während in den meisten Ländern Europas, Politik und Wirtschaft eng (meist zu eng) mit einander verwoben sind, ist diese in Italien vollkommen getrennt.
Der Italienische Staat ist über die Ohren hinaus verschuldet, hingegen hat der Italiener quasi keine Schulden (im Gegensatz zur Kultur des Lebens auf Pump in Deutschland, der Schweiz, USA, Frankreich, etc.).
Sagen wir das mal so, dass der Staat für die Italiener ein "notwendiges Übel ist" mit dem man leben muss, aber den es nicht wirklich braucht. Und wer da am Ruder sitzt und was er tut, ist Nebensache, solange man selbst nicht tangiert wird (wie etwa eine Steuererhöhung).
Im Übrigen ist es falsch, Berlusconi derart kriminelle Machenschaften nachzusagen. Er ist ein guten und gewitzter Geschäftsmann und Geldverdienen hat nichts mit kriminellen Handlungen oder Mafia zu tun. Dass man ohne gute Beziehungen dabei nicht auskommt ist klar. Aber es ist so, dass die Linken das Volk plündern um Reich zu werden (die Kommunismus, Sozialismus) und der Bürgerliche benutzt die gesellschaftlichen Kontakte. Bislang war letztere erfolgreicher.
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