Islamkonferenz: Innenminister Friedrich Ein Mann für Law and Order

Nach seiner Berufung sorgte Bundesinnenminister Friedrich mit einem Satz für Aufsehen: "Der Islam ist nicht Teil der deutschen Leitkultur und wird es auch in Zukunft nicht sein." Mit der SZ spricht der CSU-Politiker über sein Selbstverständnis und die Kontroverse um die Islamkonferenz. Der SPD wirft er vor, "die Muslime spalten zu wollen".

Interview: H. Prantl und R. Preuß

SZ: Haben Sie schon einmal im Koran gelesen oder geblättert?

Hans-Peter Friedrich: Nein. Ich habe bisher nur etwas über den Koran gelesen, als ich mich vor einigen Jahren mit den unterschiedlichen Glaubensrichtungen im Islam beschäftigt habe.

SZ: Was ist der Dschihad für Sie?

Friedrich: Die einen definieren ihn als Kampf gegen die eigenen Fehler und Schwächen. Das vertreten vor allem diejenigen, für die der Islam eine friedfertige Religion ist. Das ist die positive Interpretation. Dann gibt es aber auch das Verständnis des Dschihad als Kampf gegen die Ungläubigen.

SZ: Ist der Islam für Sie eine böse Religion?

Friedrich: Deutschland ist ein religionsfreundliches Land, das schließt selbstverständlich auch den Islam mit ein. Jede Religion, auch der Islam, kann jedoch leider politisch missbraucht werden. Diesem Missbrauch von Religion ist entschieden entgegenzuwirken.

SZ: Ist der Islam die derzeit missbrauchteste Religion?

Friedrich: Mit Blick auf den Islamismus muss man sagen: Er ist zumindest stark missbraucht. Den Superlativ will ich da nicht gebrauchen. Der weitaus überwiegende Teil der Muslime in Deutschland vereinbart Religiosität mit Demokratie.

SZ: Es wird viel über einen deutschen Islam geredet als eine besondere Ausprägung des Islams. Sollte man versuchen, diesen fördernd zu schaffen?

Friedrich: Es ist nicht Aufgabe des Staates, sich in Inhalte von Religionen einzumischen. Unsere Aufgabe ist nur, einen rechtlichen Rahmen zu schaffen, in dem jeder seinen Glauben, seine Religion leben kann.

SZ: Sollte in den Moscheen deutsch gepredigt werden?

Friedrich: Eines Tages wird dort hoffentlich überall Deutsch gesprochen werden. Das ist allerdings nichts, was ein deutscher Innenminister oder überhaupt die Politik fordern oder verordnen kann. Aber verfügen können beispielsweise die Kultusminister über den Religionsunterricht an Schulen.

SZ: Im Gesetz steht, die Gerichtssprache ist Deutsch. Was halten Sie davon, die deutsche Sprache in Kirchen, Moscheen, Versammlungen, auf Schulhöfen und bei Demonstrationen ebenfalls vorzuschreiben?

Friedrich: Das geht mit Sicherheit nicht. Es würde die Freiheit unzulässig einschränken. Wenn jemand seinen Glauben in Italienisch, Englisch, Lateinisch oder einer anderen Fremdsprache ausüben will, so muss ihm dies erlaubt bleiben. Das ist nichts, was die Politik fordern sollte.

SZ: Wenn nun aber Ihr CSU-Parteichef Seehofer Deutsch als Pflichtsprache in die bayerische Verfassung schreiben will . . .

Friedrich: ... dann ist damit gemeint, dass zur Integration schon die Forderung gehört, Deutsch zu lernen, sich als Sprache anzueignen, damit man an der Gesellschaft voll und ganz teilhaben kann.

SZ: Reizthemen wie Zwangsheirat, Extremismus und auch Arbeitslosigkeit werden meist mit Muslimen in Verbindung gebracht.

Friedrich: Sicher, diese Probleme gibt es. Die müssen wir auch klar benennen und trotzdem auch differenzieren. Das leistet zum Beispiel die Deutsche Islamkonferenz, wo wir genau diese Themen offen und kontrovers diskutieren. Es sind übrigens nicht Probleme von Muslimen insgesamt oder auf diese beschränkt, sondern bei einigen Muslimen. Auch müssen wir Integrationsanstrengungen stärker honorieren. Ich war vergangene Woche zum Beispiel bei den Aleviten in Köln. Die sind bei ihren Integrationsleistungen insgesamt schon sehr weit.

SZ: Sie haben als Innenminister sofort einen umstrittenen Satz geprägt: ,Der Islam ist nicht Teil der deutschen Leitkultur und wird es auch in Zukunft nicht sein.' Haben Sie das schon bereut?

Friedrich: Sie müssen das ganze Zitat sehen: Ich habe gesagt, dass die Muslime selbstverständlich Teil dieser Gesellschaft sind, aber eben auch, dass es keinen historischen Beleg dafür gibt, dass der Islam zu Deutschland gehört. Dass es vier Millionen Muslime bei uns gibt, nehme ich nicht nur zur Kenntnis, sondern wir treten mit ihnen ganz konkret in den Dialog wie etwa bei der Deutschen Islamkonferenz.

SZ: Das klingt reserviert und distanziert.

Friedrich: Im Gegenteil, jeder, der mich kennt, weiß, dass ich zusammenführen will. Aber ich habe auch klare Anforderungen. Jeder, der einen Beitrag leisten kann und will für eine gute Zukunft dieses Landes, ist willkommen. Aber wir erwarten diesen Beitrag auch. Und dazu gehört auch, dass ich eben klar sage, dass dieses Land christlich-abendländisch geprägt ist, mit allen Entwicklungen der vergangenen Jahrhunderte, dies kann man doch gar nicht bestreiten.