Islamkonferenz in der Kritik Zwischen Männerschwimmen und islamistischem Terror

Es ist die letzte Islamkonferenz vor der Bundestagswahl. Und wie immer gibt im Vorfeld Stress mit einigen islamischen Verbänden. Sie kritisieren: Es gehe zu sehr um Terrorismus und Sicherheit.

Von Thorsten Denkler, Berlin

Die Kameras stehen bereit vor dem Eingang zum Humboldt Carré in der Behrensstraße in Berlin Mitte. Nach und nach trudeln die Teilnehmer der letzten Islamkonferenz vor der Bundestagswahl ein. Und wie immer sparen einige Vertreter nicht mit kritischen Tönen an dem Konstrukt, das einst Wolfgang Schäuble ins Leben gerufen hat.

Da ist zum Beispiel Bekir Alboga, der stellvertretende Generalsekretär des DITIB in Deutschland. Er vertritt den staatlichen Islam der Türkei in Deutschland. Seine Kritik ist nicht neu, hat aber neuen Schwung bekommen durch den Prozess um das rechtsradikale Terrortrio NSU, der am Montag in München begonnen hat. Alboga erinnert an das massive Behördenversagen im Umgang mit Spuren, die zur NSU hatten führen können. Viel Blut hätte niemals fließen müssen, wenn Polizei und Verfassungsschutz besser zusammengearbeitet hätten.

Innenminister Friedrich verteidigt sein Konzept

Und nun soll es, so stellt es Alboga dar, auf der letzten Islamkonferenz erneut um die Frage gehen, wie Muslime eine Radikalisierung ihrer Glaubensbrüder verhindern können, um die Sicherheit zu erhöhen.

Innenminister Hans-Peter Friedrich verteidigt sich, als er gegen Mittag vor die Presse tritt: Die Tagesordnung und die Arbeitsaufträge seien bereits 2010 von allen Teilnehmern verabschiedet worden. Daran habe sich nichts geändert. Islamistischer Terrorismus oder Sicherheitsfragen seien in der Islamkonferenz überhaupt nie behandelt worden und würden es auch diesmal nicht. Darum sei die Forderung "völlig unsinnig", Sicherheitsaspekte herauszunehmen.

Der DITIB-Lobbyist Aloboga aber sieht das anders: Es sei in der Vergangenheit zu sehr um Sicherheit und zu wenig um Partnerschaft gegangen. "Wir Muslime wollen als Partner in dieser Gesellschaft anerkannt werden", sagt er. Darum müsse neu über die Weiterführung der Islamkonferenz verhandelt werden. Mit dem Bundesinnenministerium aber sei das nicht möglich. "Wenn sie mit Herrn Friedrich darüber sprechen, dann wird der Eindruck erweckt, es ginge allein um Sicherheit."

Alboga würde deshalb am liebsten direkt mit Kanzlerin Angela Merkel oder dem Bundeskanzleramt reden. Das sieht Kenan Kolat, Vorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), ganz ähnlich. Beide begrüßen sich vor Beginn der Islamkonferenz wie Kumpel. Arm in Arm gehen sie in das Gebäude, nachdem sie alle wartenden Journalisten mit Zitaten versorgt haben. In der Pause fordert Kolat dann ein eigenes Ministerium für Teilhabe und gibt der Islamkonferenz insgesamt die eher maue Note Drei Minus.