IS-Prozess in Stuttgart Auftritt eines Hasspredigers

Der salafistische Prediger Sven Lau vor dem Oberlandesgericht in Stuttgart.

(Foto: dpa)
  • In Stuttgart soll der Hassprediger Sven Lau im Prozess gegen drei mutmaßliche IS-Unterstützer aussagen. Lau hat Behauptungen stets bestritten, er rekrutiere Kämpfer für die Terrormiliz.
  • Weil in Düsseldorf ein Verfahren gegen ihn selbst läuft, darf Lau die Aussage in Stuttgart verweigern. Nur einmal antwortet er auf eine Frage.
Von Josef Kelnberger, Stuttgart

Rauschebart, blauer V-Pullover über weißem Hemd, Pluderhosen. So erschien Sven Lau als Zeuge vor dem Oberlandesgericht Stuttgart, federnd sein Schritt. Als Alter gab er 34 an, als Beruf Brandmeister, zurzeit arbeitslos, als Wohnort Düsseldorf. Die Straße musste er dem Gericht nicht nennen. Um zu verstehen, warum, genügte ein Blick in den Zuhörerraum. Ein Dutzend überaus grimmig blickender junger Männer mit kurdischen Wurzeln verfolgten den Auftritt des Salafisten, von dem es immer wieder heißt, er führe der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Nachwuchs zu.

Angeklagt sind in Stuttgart drei Männer wegen des Verdachts der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung beziehungsweise deren Unterstützung. Sven Lau, nach seinem Mentor Pierre Vogel einer der bekanntesten "Hassprediger", sollte erklären, welche Kenntnis er von der Geschichte dieser drei Männer hat und welche Rolle er darin spielte.

Lau durfte die Aussage verweigern

Tage zuvor hatte Lau dem Gericht angekündigt, Antworten auf einzelne Fragen zu geben. Am Mittwoch nahm er aber doch ein umfassendes Aussageverweigerungsrecht in Anspruch. Ursprünglich sollte auch er in dem Fall angeklagt werden, der Staatsanwalt gab die Akten jedoch nach Düsseldorf ab, wo ein Ermittlungsverfahren wegen Terrorverdachts gegen ihn läuft. Um sich nicht möglicherweise selbst zu belasten, durfte Lau nun die Aussage verweigern.

Der Stuttgarter Ismail I., der Hauptangeklagte, hatte behauptet, Sven Lau habe ihn für eine angeblich humanitäre Mission nach Syrien gewonnen. Dort sei er aber, gegen seinen Willen, in einem Militärcamp gelandet. Lau sei dort einmal sogar persönlich aufgetaucht. Ismail I. konnte im Oktober 2013 nach Deutschland zurückkehren. Obwohl er angeblich vom Kriegshandwerk angewidert war, brach er wenig später wieder Richtung Syrien auf, mit militärischer Ausrüstung und begleitet von seinem Bekannten Sobhan A. aus Mönchengladbach, der ebenfalls mit Lau gut vertraut ist. Ismail I. und Sobhan A. wurden an einer Autobahnraststätte festgenommen. Als Dritter angeklagt ist der Bruder von Ismail I. Er soll geholfen haben, die Ausrüstung zu finanzieren.

Wildeste Spekulationen um Lau

Im bisherigen Prozessverlauf hat sich erneut gezeigt, wie anfällig junge Männer, die mit ihrem Leben nicht klarkommen, für Islamisten und ihre Predigten sind. Ismail I. berief sich in seiner Aussage auf Drogenkonsum und allgemeine Orientierungslosigkeit, Sobhan A. auf die Trennung von seiner Familie, die ihn aus der Bahn geworfen habe. Die beiden freundeten sich bei einer Pilgerfahrt nach Mekka an und trafen dort auch Sven Lau.

Um die Rolle von Lau, der aus einem katholischen Elternhaus stammt und sich als Konvertit Abu Adam nennt, ranken sich seit Langem die wildesten Spekulationen. Er bestreitet, Kämpfer für den IS zu rekrutieren, weigert sich aber beharrlich, sich von dessen Gräueltaten zu distanzieren. Im Stuttgarter Prozess wurde diese Woche ein Foto gezeigt, das ihn mit einer IS-Mütze auf dem Kopf zeigt. Die Verteidigung befeuerte die Spekulationen um Sven Lau, indem sie insinuierte, er arbeite für den Verfassungsschutz. Die entsprechende Frage war die einzige, die Lau in Stuttgart beantwortete: Nein.