Ein Sprengsatz reißt den Atomwissenschaftler Mohammadi in den Tod - für das iranische Regime Anlass, schwere Vorwürfe gegen Israel und Amerika zu erheben.
Ein ranghoher iranischer Atomwissenschaftler ist am Dienstag in Teheran durch einen Sprengstoffanschlag getötet worden. Der 50-jährige Professor Massud Ali Mohammadi, der an der Universität der Hauptstadt Neutronen-Physik lehrte, kam nach offiziellen Meldungen ums Leben, als er um 7.30 Uhr sein Auto besteigen wollte und eine Bombe in einem daneben geparkten Motorrad durch Fernzündung explodierte.
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Bei einem Sprengstoffanschlag ist der Atomwissenschaftler Mohammadi getötet worden. (© Foto: Reuters)
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Der Forscher wohnte in Kaitarijeh im Norden Teherans - jenem Viertel, in dem einst auch der Revolutionsführer Ayatollah Chomeini lebte.
Noch bevor die Ermittlungen angelaufen waren, beschuldigten staatliche Medien ausländische Geheimdienste oder die oppositionellen Volks-Mudschaheddin, hinter dem Anschlag zu stehen. Das staatliche Fernsehen zitierte Sicherheitsleute, die verwendete Technik deute auf den israelischen Geheimdienst Mossad hin. Der Teheraner Staatsanwalt Abbas Dschaafari Doulatabadi gab bekannt, bisher sei kein Verdächtiger verhaftet worden. Auch hat sich keine Seite zu dem Anschlag bekannt.
"Revolutionärer Wissenschaftler"
Später erklärte das Außenministerium in Teheran, die ersten Ermittlungen hätten gezeigt, dass die USA, Israel und deren Söldner "in diesen terroristischen Akt verwickelt sind". Die USA wiesen die Anschuldigung als "absurd" zurück.
Der Ermordete wird in den offiziellen Veröffentlichungen als "überzeugter Anhänger der Islamischen Republik" oder als "revolutionärer Wissenschaftler" bezeichnet. Ob Mohammadi direkt mit dem iranischen Atomprogramm zu tun hatte, ist nicht bekannt. Auf der Internetseite der Teheraner Universität wird er nicht aufgeführt, obwohl der Staatsanwalt von seiner dortigen Tätigkeit als Kernphysiker sprach.
Irans Atomwissenschaftler stehen unter strikter Überwachung. Ihr Kontakt mit der Außenwelt wird kontrolliert, und sie dürfen nur selten ins Ausland reisen. Umgekehrt beschwert sich Teheran über die Verfolgung seiner Experten durch ausländische Agenten. Sie wird in eine Reihe mit der Androhung von Militärschlägen gegen iranische Atomanlagen gestellt. Immer wieder gab es auch Gerüchte über mysteriöse Todesfälle. Ein Wissenschaftler soll von unbekannten Tätern erwürgt worden sein. Von zwei anderen heißt es, sie seien bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen.
Erst im Dezember hatte Außenminister Manutscher Mottaki Saudi-Arabien beschuldigt, den auf einer Pilgerreise nach Mekka und Medina verschwundenen iranischen Atomwissenschaftler Schahram Amiri zusammen mit den Amerikanern entführt und an diese ausgeliefert zu haben. Danach soll Amiri laut französischen Geheimdienstquellen eine Expertengruppe der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA beraten haben, bevor diese zur Inspektion der im Bau befindlichen Atomanlagen nach Ghom reiste.
Das Geheimtreffen fand zuvor angeblich auf dem Frankfurter Flughafen statt. Derzeit soll sich Amiri unter dem Schutz eines Geheimdienstes in Europa aufhalten. Erste Kontakte der CIA zu Amiri, der angeblich selber in der Anlage bei Ghom gearbeitet hat, sollen 2008 durch einen deutschen Geschäftsmann vermittelt worden sein. Als Amiri den iranischen Delegierten zu einer Sitzung der IAEA nach Wien begleitete, wurden die Beziehungen offenbar enger. Die Saudis verhörten ihn bei seiner Einreise als Pilger vorigen Sommer intensiv.
Seit 2007 verschollen
Es ist bekannt, dass die CIA seit 2005 ein Programm mit dem Decknamen "Brain Drain" zur Verhinderung des iranischen Atomprogramms durch Abwerbung von Fachleuten betreibt. Ihr größter Erfolg war der Absprung des früheren Vize-Verteidigungsministers Ali Resa Asghari, eines Generals der Revolutionsgarden. Er verschwand auf einer Privatreise 2007 in die Türkei. Über das Verschwinden wichtiger iranischer Fachleute beschwerte sich Mottaki im Herbst in einem vertraulichen Gespräch bei UN-Generalsekretär Ban Ki Moon.
Auf einer Liste, die Mottaki übergab, stand neben Amiri und Asghari ein Mann namens Ardebili, angeblich Geschäftsmann, tatsächlich ebenfalls Atomwissenschaftler, der in Georgien festgehalten und an die USA übergeben worden sein soll.
Der entführte oder übergelaufene Amiri war an der Teheraner Malek-Aschtar-Universität für Technik tätig. Nach Angaben seiner Frau war er mit der medizinischen Nutzung atomarer Technik befasst. Rektor dieser Universität war - oder ist immer noch - der General der Revolutionsgarden Mahdi Nadschad Nuri.
Er wird in der UN-Resolution 1737 als einer der Verantwortlichen für das Atomprogramm genannt und soll bei Reisen im Ausland beobachtet werden. An der Malek-Aschtar-Universität arbeitete zeitweise auch der damals 44 Jahre alte Ardeschir Hassanpur, der im Januar 2007 auf ungeklärte Weise in Isfahan an einer Vergiftung starb. Er war ein glänzender Wissenschaftler und hatte 2003 einen Preis als "erfolgreichster Forscher auf dem Gebiet der Verteidigung" erhalten. Ob sein Tod die Folge einer radioaktiven Verstrahlung oder die Folge eines banalen Unfalls war, blieb ungeklärt.
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(SZ vom 13.01.2010/bica/ehr)
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@ Diego666
"Was brachte es den Nordkoreanern ein, was den Pakistanis, den ISraelis, den Indern, dem Westen, oder Russland, China. "
All diese Länder wurden nicht durch einen anderen Staat angegriffen.
Andere Beispiele sind Irak, Irak 2, Afghanistan, Syrien, Panama, Vietnam, Korea "ohne" Bombe, Kuba, usw.
@ |337@
"Dennoch sehe ich das iranische Atomprogramm mit großer Sorge weil es als Druckmittel in diplomatischen Verhandlungen misbraucht wird und ich nichts von Atomstrom halte - zumal wenn man so ein Sonnenpotiential wie der Iran hat..."
Wenn man sich die Rede Bushs anhört ... " Achse des Bösen ", gemeint waren Irak, ( Syrien?) Iran und Nordkorea, und man sah was mit dem Irak passiert, glaube ich eher, dass das Atomprogramm kein Druck-, sondern eine "Gegen"druckmittel ist. Oder erkläre mir mal, wo der Iran damit Druck ausübt? Wer fühlt sich den so sehr unter Druck gesetzt, dass man den Anweisungen des Iran folgt?
Schaue dir mal diesen Link an und sagt mir wer wohl unter Druck steht.
http://www.lesmanantsduroi.com/Images11/bases_US.jpg
mfg
"Ich glaube nicht an die iranische Atombombe, zum einen weil es dem Iran nichts ausser ne Menge ärger bringen würde zum anderen weil das iranische Volk wohl kaum hinter einem "Irren mit der Bombe" stehen würde."
Deine Gutgläubigkeit schlägt schon etwas in Naivität um.
Was brachte es den Nordkoreanern ein, was den Pakistanis, den ISraelis, den Indern, dem Westen, oder Russland, China.
Es gibt immer Gründe, sich eine Bombe anzuschaffen, gerade, wenn man Feinde mit der Bombe hat.
Und Anhänger, die fanatisch genug sind, hat die iranischer Führung zuhauf.
Bitte interpretiere nichts in meine Beiträge was ich nicht explizit schreibe - wenn ich schreibe Atomprogramm schreibe ich nicht(!) Atombombenprogramm, oder? Wenn ich schreibe Verschwörungstheoretiker schließe ich die Bushregierung davon nicht explizit aus, oder?
Ich glaube nicht an die iranische Atombombe, zum einen weil es dem Iran nichts ausser ne Menge ärger bringen würde zum anderen weil das iranische Volk wohl kaum hinter einem "Irren mit der Bombe" stehen würde. Dennoch sehe ich das iranische Atomprogramm mit großer Sorge weil es als Druckmittel in diplomatischen Verhandlungen misbraucht wird und ich nichts von Atomstrom halte - zumal wenn man so ein Sonnenpotiential wie der Iran hat...
Die Bushregierung möchte ich genau so in die VT-Ecke stecken wie die ganzen Wahnsinnigen hier die hinter jedem Pups gleich die zionistische Weltverschwörung sehen (A.H. lässt grüßen) und die Welt genau so wie Bush und Co. fein säuberlich in Schwarz und Weiss teilen. Wie sagt Volker Pispers so schön: "Ein klares Welt(Feind-)bild gibt dem Tag Struktur! Wir sind die Guten!"
In diesem Sinne
1337
Ach Gottchen da will der Gnom mit seinem dauerdefekten Ironiedetektor mir wieder was sagen.
An eulenspiegel:@, Was fuer ein Glueck fuer uns alle,dass wir dich als Lohnschreiber bei der Sueddeutschen Zeitung haben. Ohne dich und deine hochwertigen Kommentare wuessten wir gar nicht was auf der Welt vor sich geht. Nachtrag: Niemand kann im Momend sagen was in und um Teheran los ist und wer gegen wen was macht. Desshalb bin ich froh etwas von dir zu hoeren. Danke,mein Freund.
Paging