Hungerstreik in Guantánamo Pentagon dementiert Koranschändungen

Nach einer Ausweitung des Hungerstreiks im Gefangenenlager Guantánamo wehrt sich das Pentagon gegen Vorwürfe, dass mit Koran-Ausgaben der Häftlinge unangemessen umgegangen worden sei. Das Verteidigungsministerium sieht die Ursache eher in der Haltung Obamas.

Angesichts des Hungerstreiks von Häftlingen im umstrittenen US-Gefangenenlager Guantánamo hat das US-Verteidigungsministerium einen respektlosen Umgang der Wärter mit Koran-Exemplaren dementiert. "Es hat absolut keinen schlechten Umgang mit Koran-Ausgaben gegeben", erklärte der Kommandeur der US-Truppen in Lateinamerika (Southcom), Marine-Corps-General John F. Kelly, der für das US-Gefangenenlager auf Kuba zuständig ist.

Nach der Definition der US-Streitkräfte, wonach bei einem Hungerstreik mindestens neun Mahlzeiten in Folge verweigert wurden, befinden sich in Guantánamo derzeit 24 Häftlinge im Hungerstreik. Acht von ihnen würden künstlich ernährt, sagte der für die Kommunikation verantwortliche US-Navy-Offizier Captain Robert Durand. Vor gut einer Woche hatten in dem Gefängnis seinen Angaben zufolge 15 Insassen begonnen, die Nahrung zu verweigern. Als "schlicht unwahr" bezeichnete Durand Berichte, wonach die Mehrheit der Guantánamo-Häftlinge im Hungerstreik sein soll.

Durchsuchungsaktionen Grund für Nahrungsverweigerung

Eine Gruppe von etwa 50 Anwälten, die den Großteil der insgesamt 166 Guantánamo-Häftlinge vertreten, hatte dies zuvor erklärt. Angaben der Organisation Center for Constitutional Rights (CCR) zufolge, die mehrere der Guantánamo-Insassen vertritt, hätten Häftlinge bereits mehrere Kilogramm Gewicht verloren. Den Behörden warf die Organisation vor, das Ausmaß des Protestes zu verschleiern. Grund für die Nahrungsverweigerung sei die Durchsuchung persönlicher Dinge. Dabei sollen Wärter auch unangemessen mit Koran-Ausgaben umgegangen sein.

General Kelly betonte hingegen: "Kein Koran wurde entweiht oder in irgendeiner Form unrechtmäßig behandelt." Entsprechende Behauptungen seien "Unsinn", fügte der hochrangige Pentagon-Vertreter hinzu.

Kelly führte aus, nach Informationen des Pentagon hätten einige Häftlinge und ihre Anwälte große Hoffnungen darauf gesetzt, dass Guantánamo geschlossen werde, seien aber dadurch entmutigt worden, dass US-Präsident Barack Obama sein ursprüngliches Vorhaben in seiner Antrittsrede zu Beginn seiner zweiten Amtszeit im Januar nicht bekräftigt habe. Das habe sie "frustriert". Mit dem Hungerstreik wollten sich einige Häftlinge nun eine größere mediale Aufmerksamkeit verschaffen.