HoGeSa-Demonstration in Hannover Drei Polizisten auf einen Hool

Klares Übergewicht: Polizisten begleiten Anti-Salafisten zur Demonstration.

(Foto: dpa)

Radikale Anti-Islamisten versammeln sich in Hannover zur Kundgebung, die Polizei reagiert mit massiver Präsenz. "Wir werden immer mehr", krakeelt ein Rechtspopulist - doch es kommen weit weniger Hooligans und Rechtsextreme als erwartet.

Von Carsten Eberts, Hannover

Wie viele Polizisten passen in eine Innenstadt? Es ist kein Aufgebot an diesem Samstag in Hannover, es sind eher Truppen, die versuchen, den Hannoveraner Hauptbahnhof zu sichern. Vor drei Wochen in Köln hatte sich die Polizei von der großen Anzahl Hooligans überraschen lassen, die sich dem Aufruf der Gruppierung "HoGeSa" (Hooligans gegen Salafisten) angeschlossen hatten. Das soll in Hannover nicht passieren.

Tausende Beamte mit Westen, Helmen und Schlagstöcken sind unterwegs. Lange Ketten an Polizeiwagen und Wasserwerfern stehen rund um den Zentralen Omnibus-Bahnhof (ZOB), wo die Kundgebung stattfand. Am Raschplatz, wo sich zwischen zwei Kinos sonst die Leute tummeln: Sperrgebiet, kein Normalbürger darf herein. Eine gespenstische Atmosphäre.

Abschreckende Polizeipräsenz

Die Polizei hätte die Veranstaltung gerne verboten, doch das Verwaltungsgericht widersprach im Sinne der Versammlungsfreiheit. Nun reagiert sie auf ihre Weise: mit massiver Präsenz. Einen größeren Polizeieinsatz hat es in der jüngeren Hannoveraner Vergangenheit nicht gegeben. Auf ein Mitglied der Hooligan-Demonstration kommen schätzungsweise drei Polizisten. Die sonst so friedlich-trubelige Innenstadt nördlich des Bahnhofs: lahmgelegt.

"Hooligans gegen Salafisten" in Hannover Dutzende Protestierende haben Demo bereits verlassen

Mit einem Großaufgebot will die Polizei Gewaltausbrüche bei der Anti-Islamismus-Demo in Hannover verhindern. Bislang offenbar mit Erfolg. Etwa hundert Hooligans haben die Kundgebung schon verlassen. Es hieß, ihnen sei langweilig.

Die Hooligans reagieren auf ihre Weise. Es war ja ohnehin die Frage, ob die Vielzahl der Auflagen ihnen nicht von vornherein den Spaß vermiesen würde. Die Anzahl der vom Gericht erlassenen Einschränkungen war beträchtlich: Allgemeines Alkoholverbot, auch in Regionalbahnen während der Anreise. Genaue Auswahl der Ordner. Verbot von Auftritten rechtsnationaler Bands. Vor allem aber: Nur eine räumlich eng begrenzte Versammlung. Einen Demonstrationszug wie in Köln sollte es nicht geben.

Es dauert bis 13 Uhr, ehe die Versammlung beginnen kann. Vielen Hooligans wird die Anreise erschwert, oder sie machen kehrt, von der Polizeipräsenz abgeschreckt. Die Parolen, die sie rufen, sind indes dieselben wie in Köln: "Deutschland, Deutschland, hoch die Faust, Isis-Schweine raus." Isis, das ist die Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), gegen die die "HoGeSa" demonstriert - das vermeintlich einzige Ziel der Gruppierung.

Scheinbar einfache Bürger sind unter den Demonstranten, einer trägt einen Deutschland-Hut, als käme er gerade vom Fußball. Andere tragen White-Power-Abzeichen, die in Deutschland verboten sind. Eine bunte Gruppe national denkender Menschen, die bei Weitem nicht so harmlos ist, wie die Köpfe der "HoGeSa" es glauben machen wollen.