Hoffnung auf Wiedervereinigung Nordzypern wählt die Versöhnung

  • Bei der Präsidentenwahl in der international nicht anerkannten Türkischen Republik Nordzypern hat der Herausforderer Mustafa Akıncı überraschend gegen den konservativen Amtsinhaber Derviş Eroğlu gewonnen.
  • Akıncı befürwortet eine Wiedervereinigung mit dem griechisch-zyprischen Süden. Schon in der Nacht kam es zu einem ersten Gespräch mit dessen Präsidenten Nicos Anastasiades.
  • Seit mehr als 40 Jahren sind Nord- und Südteil der Mittelmeerinsel geteilt. Die Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt.

Überraschender Sieg für den Herausforderer

Der Liberale Mustafa Akıncı wird neuer Präsident der international isolierten Türkischen Republik Nordzypern. Der als dialogbereit und gemäßigt geltende Ex-Bürgermeister des türkischen Teils Nikosias (Lefkoşa) gewann am Sonntag mit 60,5 Prozent der Stimmen eine Stichwahl gegen den konservativen Amtsinhaber Derviş Eroğlu, wie die Wahlkommission mitteilte. Der 67-jährige Akıncı befürwortet Gespräche mit dem griechisch-zyprischen Süden der Mittelmeerinsel.

Eroğlu hatte zunächst als Favorit gegolten. Im ersten Durchgang war der 77-jährige Amtsinhaber auf 28,2 Prozent der Stimmen gekommen. Herausforderer Akıncı, der im Wahlkampf vor allem ein resolutes Vorgehen gegen die Korruption versprochen hatte, war mit 26,9 Prozent auf dem zweiten Platz gelandet. Der sozialdemokratische Ministerpräsident Özkan Yorgancıoğlu hatte jedoch die Kandidatur Akıncıs unterstützt.

An der Stichwahl am Sonntag beteiligten sich nach offiziellen Angaben gut 64 Prozent der etwa 176 000 Stimmberechtigten - 2010 hatte die Beteiligung bei 75 Prozent gelegen.

Jubelfeier in Lefkoşa

Auf Akıncı wartet nun die Herausforderung, den türkischen Norden nach mehr als 40 Jahren durch einen Friedensschluss mit dem griechischen Süden aus der Isolation zu führen. Als Präsident darf er den Chefunterhändler für die UN-Verhandlungen über eine Wiedervereinigung bestimmen, die seit Oktober wegen eines Streits um Gasvorkommen ausgesetzt sind.

Bereits als Bürgermeister des türkischen Nordteils der Hauptstadt Nikosia hatte Akıncı mit Vertretern aus dem griechisch-zyprischen Süden kooperiert. "Wenn die Zeit für den Wandel gekommen ist, kann niemand ihn aufhalten", erklärte Akıncı nach Bekanntgabe seines Wahlsiegs. Auf einem Platz in Nordzyperns Hauptstadt Lefkoşa feierten Hunderte Menschen seinen Sieg.

Akıncı-Anhänger feiern in Lefkoşa (Nikosia) ausgelassen dessen Sieg.

(Foto: AFP)

Der erfahrene Politiker Akıncı war 1975 erstmals ins Parlament gewählt worden und von 1976 bis 1990 Bürgermeister von Lefkoşa. 1993 zog er erneut ins Parlament ein, außerdem hatte er mehrere Regierungsämter inne.

Hoffnung auf baldige Verhandlungen über Wiedervereinigung

Der Präsident der griechischsprachigen Republik Zypern, Nicos Anastasiades, begrüßte Akıncıs Wahlerfolg beim Kurznachrichtendienst Twitter als "vielversprechend für die Entwicklung unseres gemeinsamen Vaterlandes".

Beide Politiker telefonierten noch am Sonntagabend miteinander und bekundeten laut einer weiteren Twitter-Mitteilung von Anastasiades ihren "Wunsch nach einer echten Wiedervereinigung" Zyperns. Akıncı und Anastasiades wollen sich bald zur Vorbereitung von Friedensgesprächen treffen, die voraussichtlich im Mai beginnen.

Der UN-Sondergesandte für Zypern, Espen Barth Eide, telefonierte ebenfalls mit Akıncı und lobte seine "Zusage, sobald wie möglich Verhandlungen aufzunehmen".

Geteilt seit mehr als 40 Jahren

Zypern ist seit einem von Athen gestützten griechisch-zyprischen Putsch und einer anschließenden türkischen Militärintervention 1974 geteilt. Die 1983 ausgerufene Türkische Republik Nordzypern wird nur von Ankara anerkannt, das auch 30 Prozent des Haushalts beisteuert und einen Großteil der Infrastruktur finanziert.

Einen UN-Plan zur Wiedervereinigung hatten die griechischen Zyprer im April 2004 mehrheitlich abgelehnt, während ihre türkischen Nachbarn dafür stimmten. So überwachen auch elf Jahre später weiterhin etwa tausend UN-Blauhelme die Waffenstillstandslinie, die durch Europas letzte geteilte Hauptstadt Nikosia verläuft.

Im Nordteil der Insel sind weiter Zehntausende türkische Soldaten stationiert. Die Republik Zypern trat 2004 der EU und dem Euro bei. Völkerrechtlich ist die ganze Mittelmeerinsel Mitglied der Europäischen Union.