Helmut Linssen CDU-Schatzmeister versteckte Geld in Panama

CDU-Schatzmeister Helmut Linssen: in Steueroasen Geld gebunkert

Als Finanzminister in NRW kaufte er eine Steuer-CD. Später fanden Fahnder Helmut Linssen selbst auf einer anderen CD. Er soll mehr als 800.000 Mark in eine Briefkastenfirma verschoben haben.

Von Bernd Dörries, Düsseldorf, und Frederik Obermaier

Der Bundesschatzmeister der CDU, Helmut Linssen, hat jahrelang Geld in Briefkastenfirmen in mittelamerikanischen Steueroasen versteckt. Laut Recherchen des Stern schob der Politiker Ende der Neunzigerjahre mit Hilfe einer Luxemburger Bank mehr als 800.000 Mark in eine Briefkastenfirma namens Longdown Properties Corp. auf den Bahamas. 2001 wurde die Firma aufgelöst - und in Panama neu eröffnet. Die Firma war so angelegt, dass für Außenstehende, etwa die deutschen Behörden, nicht erkennbar war, wem sie gehörte.

Linssen teilte am Dienstag mit: "Ich habe keine Steuern hinterzogen." Dies hätten sowohl die Finanzverwaltung als auch die Staatsanwaltschaft bestätigt. Bei dem Geld handele sich um privates Vermögen seiner verstorbenen Eltern. Der mittelamerikanische Kleinstaat Panama gilt seit Jahrzehnten als Paradies für all jene, die etwas verbergen wollen. Im panamaischen Unternehmensregister sind viele prominente Namen aus Deutschland zu finden: der Verleger Hubert Burda etwa, die Familien Porsche und Piëch oder die Quandts.

Der 71-jährige CDU-Politiker wählte bei der Firma Longdown Properties Corp. ein auf Geheimhaltung angelegtes Konstrukt: Linssen selbst tauchte in den offiziellen Unterlagen in Panama nicht auf, stattdessen unter anderem eine Strohfrau namens Antonia Gonzalez Perez, die bei 1754 weiteren Unternehmen als Scheindirektorin auftritt. Es ist ein gängiges Verfahren, um die wahren Eigentümer von Firmen in Steueroasen zu verschleiern. Laut Unternehmensregister wurde die Firma Longdown Properties Corp. Anfang 2005 aufgelöst.

Linssen kaufte als Minister selbst eine Steuer-CD

Kurz darauf wurde Linssen Finanzminister in Nordrhein-Westfalen. Im Frühjahr 2010 ließ er für 2,5 Millionen Euro eine CD mit Schweizer Daten über deutsche Steuersünder ankaufen. Zu diesem Zeitpunkt wusste Linssen nach SZ-Informationen offenbar bereits, dass es eine weitere CD gibt, auf der seine eigenen Finanztransfers belegt seien könnten. Die Daten stammten von der Bank HSBC - und eine HSBC-Tochter hatte Linssen 1997 offenbar geholfen, seine Briefkastenfirma in Mittelamerika zu gründen. Linssen bestreitet das: "Mir wurden keine Details von der Steuer-CD genannt", sagte er der Süddeutschen Zeitung.

Die Datensätze wurden schließlich 2011 von seinem Nachfolger Norbert Walter-Borjans (SPD) erworben. Gegen Linssen wurde ein Strafverfahren eingeleitet, aber auch wieder eingestellt.

Erst am Wochenende hatte die Feministin Alice Schwarzer eingeräumt, jahrelang ein geheimes Konto in der Schweiz unterhalten zu haben. Berlins Kulturstaatssekretär André Schmitz kündigte wegen Steuerhinterziehung seinen Rücktritt an. Die Deutsche Steuer-Gewerkschaft fordert von der Bundesregierung, härter gegen Steuerhinterzieher vorzugehen. Ihr Vorsitzender Thomas Eigenthaler sagte: "In kleinen Fällen ist die Selbstanzeige in Ordnung, aber bei Fällen schwerer Steuerhinterziehung, da kann es doch keine Selbstanzeige mehr geben."

Auf Seite 3 der Süddeutschen Zeitung lesen Sie am Mittwoch eine Reportage über den Fall.