Ist die Hartz-IV-Reform noch zu retten? SPD und Union rufen den Vermittlungsausschuss an. Um eine Erhöhung des Regelsatzes um mehr als fünf Euro soll es dann offenbar nicht mehr gehen.
Union und SPD suchen nach einem Ausweg aus dem Hartz-IV-Streit - und sind zu Kompromissen bereit. Die Sozialdemokraten geben offenbar ihre Forderung auf, den Regelsatz für Erwachsene um mehr als die von der Union veranschlagten fünf Euro anzuheben. Die Union ist im Gegenzug bereit, darüber zu verhandeln, ob für "spezifische Sonderbedarfe" von Hartz-IV-Empfängern künftig mehr Geld ausgegeben wird.
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Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck signalisiert Gesprächsbereitschaft der SPD in den Verhandlungen um die Hartz-IV-Reform. Der Vermittlungsausschuss soll erneut zusammenkommen. (© dapd)
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Nachdem der Bundestag das bisherige Vermittlungsergebnis mit den Stimmen von Union und FDP erwartungsgemäß gebilligt hatte, rief der Bundesrat erneut den Vermittlungsausschuss an. Eine Einigung darauf hatte sich am Freitagmorgen abgezeichnet.
Der Vorschlag dazu kam von beiden Seiten. Um 9:54 Uhr reichten sich der rheinland-pfälzische SPD-Ministerpräsident Kurt Beck und der bayerische CSU-Landesvater Horst Seehofer im Bundesrat die Hand - kurz darauf wurde bekannt, mit welcher Begründung der Vermittlungsausschuss erneut zusammentreten soll.
In dem Antrag von SPD und Union, der sueddeutsche.de vorliegt, heißt es, der Ausschuss solle angerufen werden mit dem Ziel "der Überarbeitung des Gesetzes", um die "in den Beratungen des Deutschen Bundestages und Bundesrates deutlich gewordenen unterschiedlichen Positionen zu überbrücken".
Offenbar haben sich SPD und Union darauf geeinigt, den Themenkorridor für die neuen Verhandlungen eng zu begrenzen. Es geht vor allem um Gebrauchsgüter sowie Mobilitätskosten von Hartz-IV-Empfängern, denen "über den Regelbedarf nicht ausreichend Rechnung getragen wird", heißt es in der Begründung.
Entlastung der Kommunen
Eine Erhöhung des Regelsatzes soll keine Rolle mehr spielen, das Angebotspaket der Union mit Mindestlöhnen in drei Branchen und einer milliardenschweren Entlastung der Kommunen bleibt bestehen.
Kurt Beck deutete an, dass die SPD-Seite bereit sei, das bisher strittige Thema Equal Pay (gleicher Lohn für gleiche Arbeit in der Zeitarbeit) nicht mehr weiter verhandeln zu wollen. Das war bisher eines der Kernthemen in den Verhandlungen mit der Unions-Seite gewesen. Beck sagte: "Equal Pay bleibt für die SPD unverzichtbar, die Frage ist aber, ob man dies im Rahmen der Verhandlungen durchsetzen muss."
Ob die gesamte SPD diese Meinung Kurt Becks teilt, ist allerdings unklar. Die stellvertretende Parteivorsitzende Manuela Schwesig sagte, es gebe keinen begrenzten Themenkorridor für die Verhandlungen. Sie antwortete ausweichend auf die Frage, ob eine Erhöhung des Regelsatzes um mehr als fünf Euro und Equal Pay unbedingt zur Verhandlungsmasse gehören sollten.
"Es geht um Menschen, nicht um Taktik"
Am Freitagmorgen hatten beide Seiten demonstrativ Gesprächsbereitschaft signalisiert. "Ich will es nicht vor die Wand fahren lassen. Es geht um Menschen, nicht um Taktik", hatte Beck vor Beginn der Sitzung der Länderkammer gesagt. Auch das SPD-geführte Nordrhein-Westfalen und das von einer großen Koalition regierte Sachsen-Anhalt wollten eine neue Vermittlungsrunde, sagte Beck. Es gehe darum, konstruktiv zu verhandeln und "nicht zurückzufallen in alte Kampfmuster", mahnte Beck.
Auch Seehofer gab sich kooperativ: Bayern werde alles tun, um zu einem Kompromiss zu kommen. "Wir unterstützen alles, was die Sache nach vorne bringt", sagte der CSU-Politiker. Es dürfe aber nicht finanziell Unerfüllbares am Ende herauskommen.
Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) hatte sich am Morgen für eine Verschiebung der für den Freitagvormittag geplanten Abstimmung über die Hartz-IV-Reform ausgesprochen: "Ich sehe noch eine Chance, miteinander zu sprechen und sich auf einen gemeinsamen Nenner zu einigen", sagte Böhmer, der eine Koalition mit der SPD anführt, die das schwarz-gelbe Hartz-IV-Paket ablehnt.
Die Verhandlungen von Koalition und Opposition über Ursula von der Leyens Reformgesetz waren diese Woche gescheitert. Die Koalition legte die Ergebnisse dennoch Bundestag und Bundesrat vor. Im Bundestag galt die Zustimmung der schwarz-gelben Koalition als Formsache. Im Bundesrat fehlt Union und FDP jedoch eine Stimme.
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(sueddeutsche.de/AFP/dapd/kler/mikö/mati)
Stockender Kita-Ausbau
Die Parteien streiten um Gerechtigkeit im Einzelfall, aber die Ungerechtigkeit ist längst Teil des Systems. Der moderne Kapitalismus entzieht dem Sozialstaat die Geschäftsgrundlage : der Sozialstaat steht unter Finanzierungsvorbehalt !
Angela Merkel herrscht in der Dreifaltigkeit des modernen Kapitalismus: Einem Drittel von uns geht es gut, ein Drittel fühlt sich bedroht - und ein Drittel wird abgeschrieben. Wer länger als ein Jahr arbeitslos ist, stürzt in die wachsende Masse derer, die die Ökonomen "Surplus-Bevölkerung" nennen: die Überflüssigen.
Unsere ElPostes haben für die Hartzer ein schlagendes Argument : Immer nach unten schauen : Im Vergleich mit Milliarden Menschen geht es euch gold !
Aber die Elpostes haben ja auch im Kopf nur Stroh und in der Brust ihr Bankdepot .
Aber die ElPostes haben ja auch im Kopf nur Stroh und in der Brust ihr Bankdepot .
Es ist doch klar gewesen das die Erfinder von HARTZ-IV (SPD, Grüne) nur so getan haben als wenn sie daran etwas ändern möchten.
Die Grenze wurde bei 907€ für Singles gesetzt laut den mir bzw. Google vorliegenden Daten.
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Laut Referenten/Gesetzesentwurf gibts keine Grenze,man hat NUR die rausgenommen, die NUR Hartz4 beziehen (bzw Grundsicherung im Alter) Laut Referenten/Gesetzesentwurf wäre ein Plausibilitätstest (weniger als Hartz4?) zu aufwendig gewesen.
Also wurde auch nicht auf 907€ geprüft.
v.d.L. hat den Versuch unternommen, zu berechnen, welche Dinge im Monat nötig sind zum Überleben und wieviel die Kosten...
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Die Idee ist die richtige, aber man kann nicht sagen, ein Hartz4ler kommt mit 359€+100€ Freibetrag aus, gibt monatlich 46cent die Schuhreparaturen aus, also braucht man nicht mehr.
Oder ein Bafög-Empfänger kommt mit weniger als Hartz4 aus, also kann man die 46cent dementsprechend runterrechnen.
Die sind nämlich in derReferenzgruppe.
Mann kann auch nicht sagen, 111 !! Haushalte geben Geld für Tabak aus, also kann man auch den anderen den Tabakkonsum anrechnen und kürzen (die haben vielleicht dafür ein Pfund Kaffee mehr gehabt.)
Um zu sehen, was man zum Leben braucht, braucht man zuallererst eine genügend große Vergleichsgruppe, die mehr hat ein ein Hartzler, nicht gleichviel oder weniger. Zirkelschluß.
Und das ist bei dem Gesetzentwurf nicht gegeben. Schon gar nicht ist nachzuvollziehen !, wie die Größe der Referenzgruppe entstanden ist. Die Zahlen passen nicht zusammen.
@Ankur
Alles Richtig, in der Theorie.
Aber VdL erklärt: Ich hab 100 Haushalte genommen, 10 Hartzis rausgerechnet, bleiben 50 Haushalte.
Und das wird einfach hingenommen.
"Das perfide ist doch eigentlich, daß eine fiktive Referenzgruppe genommen wird ("die unteren 15 Prozent") und diesbezüglich behauptet (nicht nachgewiesen!) wird, daß dies das sozioökonomische Existenzminimum ist."
Nennt sich Gestaltungspielraum, zudem können Sie den von Ihnen geforderten Beweis nicht erbringen. Ist das "sozioökonomische Existenzminimum" dann erreicht, wenn keiner mehr meckert?
Sollten Sie 50% statt 15% als Grenze ansetzen haben Sie den sozialistischen Einheitslohn über den Umweg "Aufstockung" und Kompensation der Kosten per Steuererhöhung wieder eingeführt. Das kanns auch nicht sein.
Paging