Hamburg Verfahren gegen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher wegen Demenz eingestellt

Ein heute 93-Jähriger soll 1944 an der Ermordung Hunderter Zivilisten in der Toskana beteiligt gewesen sein. Ihm drohte eine Anklage wegen Mordes in 342 Fällen. Doch zu einem Prozess wird es nicht kommen.

Die Generalstaatsanwaltschaft Hamburg hat ein Ermittlungsverfahren gegen einen mutmaßlichen NS-Kriegsverbrecher eingestellt, der 1944 an einem Massaker in der Toskana beteiligt gewesen sein soll. Der Beschuldigte sei demenzkrank und dauerhaft verhandlungsunfähig, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Der heute 93-Jährige soll am 12. August 1944 als Kompaniechef an der Tötung von mehreren Hundert Zivilisten in der italienischen Ortschaft Sant' Anna di Stazzema in der Provinz Lucca beteiligt gewesen sein. In Italien war er bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft wegen vielfachen Mordes verurteilt worden.

Die Auswertung des Aktenmaterials habe zu dem Ergebnis geführt, dass der Beschuldigte - wäre er verhandlungsfähig gewesen - mit hoher Wahrscheinlichkeit "wegen grausamen und aus niedrigen Beweggründen begangenen Mordes in 342 Fällen anzuklagen wäre", hieß es in der Erklärung der Staatsanwaltschaft.

Warten auf Gerechtigkeit

Vor 70 Jahren metzelten SS-Truppen in Sant'Anna di Stazzema Hunderte nieder. Das deutsche Verbrechen in der Toskana wurde niemals gesühnt. Jetzt hoffen die Überlebenden, dass es zu einem Prozess kommt. Von Andrea Bachstein mehr ... Reportage