Guttenberg heuert in Brüssel an Fortsetzung einer bizarren Politsatire

Karl-Theodor zu Guttenberg lässt sich von der EU-Kommission engagieren. Tut er Brüssel und sich selbst damit einen Gefallen? Die Antwort lautet: nein. Ausgerechnet der Ex-Minister, der das Internet für seine Texträuberei missbraucht und der von Onlineaktivisten widerlegt wurde, soll nun die Freiheitskämpfer im Netz beflügeln.

Ein Kommentar von Roland Preuß

Karl-Theodor zu Guttenberg irrt in diesen Wochen umher als Gespenst der deutschen Politik: Erst spukt er auf einer kanadischen Sicherheitskonferenz, verschreckt wenig später die eigene Partei durch ein Interviewbuch, jetzt taucht er in Brüssel als EU-Berater für Internet-Freiheit auf. Da drängt es jemanden gewaltig auf die politische Bühne zurück.

Sicher: Guttenberg unterliegt seit seinem Rücktritt Anfang März keinem politischen Betätigungsverbot. Rein rechtlich darf er die EU-Kommissarin Neelie Kroes in Fragen der Freiheit des Internets unterstützen.

Doch die entscheidende Frage ist: Tut er der EU und sich selbst damit einen Gefallen?

In beiden Fällen lautet die Antwort: nein. Guttenbergs neuer Auftrag wirkt wie die Fortsetzung einer Politsatire, die immer bizarrer wird. Ausgerechnet der Ex-Minister, der das Internet für seine Texträuberei missbraucht, der von Onlineaktivisten widerlegt und verspottet wurde, soll nun die Freiheitskämpfer im Netz beflügeln.

Das ist unsensibel und grotesk. Schon die Pressekonferenz mit Guttenberg zeigte: Das ehrenvolle Ziel der Freiheit im Internet wird überlagert durch die Zweifel an Guttenbergs Glaubwürdigkeit. Seine Person wird fortan im Mittelpunkt stehen, nicht der Freiheitskampf in Nordafrika oder China.

Auch der Ex-Minister selbst schadet sich mit diesem Schritt. Internet-Freiheit ist nicht nur das falsche Thema für ihn, der Freiherr kommt auch voreilig zurück. Die Erinnerung an den Skandal um seine Plagiate sind noch zu frisch. Daran ändert auch seine Behauptung nichts, dies sei kein politisches Comeback. Wer mag das glauben von jemandem, der plötzlich wieder so die Öffentlichkeit sucht? Von jemandem, der derart um die Turbo-Resozialisierung kämpft?

Doch dazu verweigert Guttenberg immer noch den entscheidenden Schritt: echte Reue ohne Vorbehalte und eine glaubwürdige Erklärung für seine Texträuberei und die Lügen in der Plagiatsaffäre. Erst so könnte er den Skandal einigermaßen abschließen - und auf die Bühne zurückkehren, ohne sofort Protest hervorzurufen.