Sie haben genug von Sexskandalen, genug von Korruptionsaffären: Zehntausende Italiener folgen einem Aufruf oppositioneller Blogger und demonstrieren gegen Berlusconi.
Sexskandale und zwei Korruptionsverfahren - den Italienern scheint ihr Ministerpräsident gewaltig zu stinken: "Berlusconi, tritt zurück und akzeptiere, verurteilt zu werden", heißt es auf einem großen Transparent, das die Menschen auf einer Demonstration gegen den Regierungschef durch die Straßen Roms tragen. Es ist ein strahlend-blauer Samstagnachmittag in der italienischen Hauptstadt, die Menschen gehen aber nicht nur zum Shoppen auf die Straßen. Sie marschieren gegen die Politik. Die Italiener sind damit nicht alleine: Auch in Berlin, Paris, London und Sydney gehen zahlreiche Menschen gegen Berlusconi auf die Straße.
Bild vergrößern
Die Menge trägt Lila - die einzige Farbe, die Italiens traditionelle Parteien noch übriggelassen haben. So sehen es die Veranstalter der Massendemonstration gegen Politik und Person des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. (© Foto: AFP)
Anzeige
Bei den Protesten gegen seine rechtsgerichtete Regierung in Rom sind nach Angaben der Veranstalter mehr als 350.000 Menschen unterwegs gewesen. Laut Polizei waren es nur 90.000 Protestierende. 700 Busse und vier Sonderzüge sollen Demonstranten aus ganz Italien in die Hauptstadt gerbacht haben. Sie folgten dem Aufruf einer Gruppe regierungskritischer Blogger auf der Internet-Plattform Facebook, die seit zwei Monaten zu einem "No Berlusconi Day" mobilisierten. Es handelte sich um die erste fast ausschließlich über das Internet organisierte Protestkundgebung in Italien.
Die Opposition marschiert mit
Die Menge trug - in Form von Schals, T-Shirts oder Pullovern - überwiegend lila, nach Aussage der Blogger "die einzige von den traditionellen Parteien übrig gelassene Farbe". Gewerkschaften, linke Organisationen und die oppositionelle Partei "Italien der Werte" des früheren Anti-Korruptionsermittlers und Ministers Antonio Di Pietro unterstützten den Protestmarsch.
Unter den Demonstranten waren neben zahlreichen Mitgliedern der Demokratischen Partei auch deren frühere Ministerin Rosy Bindi. Die Führung dieser größten Oppositionspartei hatte allerdings offiziell nicht zu dem Protest aufgerufen. Di Pietro wandte sich in einer Rede gegen den "großen Medien-, Wahl-, Politik- und Justizschwindel der Regierung Berlusconi".
Kritisiert wurde vor allem, dass mehr über Berlusconis Skandale gesprochen werde als über seine Politik. Dies sei durchaus in der Absicht des Regierungschefs. Unbeachtet unterminiere der Premier so die Verfassung und die Demokratie, sagte der Sprecher der Veranstalter, Massimo Malerbo aus Catania.
Viele Spruchbänder und Plakate der Demonstranten bezogen sich auf Berlusconis Auseinandersetzungen mit der Justiz. Der Regierungschef muss sich derzeit in zwei Korruptionsverfahren vor Gericht verantworten. In dem einen geht es um Zeugenbestechung, im anderen um Steuerbetrug. Erst vor einem Monat scheiterte sein Versuch, durch ein umstrittenes Immunitätsgesetz gleich mehreren Prozessen zu entgehen. Das oberste italienische Gericht erklärte die Norm für nicht verfassungskonform.
- Italien Berlusconi will Anti-Mafia-Autoren "erwürgen" 29.11.2009
- Italien: Sex-Affäre Berlusconi Ein Callgirl inszeniert sich 25.11.2009
- Italien Berlusconi will Justizreform - um Silvio zu helfen 12.11.2009
- Italien: Silvio Berlusconi Macht und Gerechtigkeit 12.11.2009
- Leoluca Orlando im Interview "Berlusconi pervertiert sein Amt" 06.11.2009
(AFP/dpa/AP/abis/jab)
Lohnzettel auf Facebook
Parteispender 2010
Putin, der "Alpha-Rüde"
Politiker und ihre Pannen
Ich vermisse mehr Informationen zu den Protesten in Italien und in anderen Städten weltweit.
Zitat: "Sie folgten dem Aufruf einer Gruppe regierungskritischer Blogger auf der Internet-Plattform Facebook, die seit zwei Monaten zu einem "No Berlusconi Day" mobilisierten. Es handelte sich um die erste fast ausschließlich über das Internet organisierte Protestkundgebung in Italien."
Das ist doch ungeheuer interessant und ich wünsche mir mehr Hintergrundsinformationen.
Wie kann man in so kurzer Zeit eine parteiunabhängige Protestbewegung erreichen?
Waren Menschen ohne Internet und Twitter ausgeschlossen?
Wie haben die Mainstream Media berichtet?
Ist das alles nicht so interessant, weil in Europa und z.B. nicht Iran (mit allen auch unterschiedlichen Aspekten?)
Vielleicht sollen die Protestbewegungen aus Spass einfach mal die Farben tauschen (Italien grün und Iran lila); ...ist ein Witz...aber die Presse würde das sicher auf der 1.Seite bringen:
INTERNATIONALER AUSTAUSCH DER BLOGGER PROTESTE
FARBEN TAUSCH ÜBER LÄNDERGRENZEN HINWEG FÜR DEMOKRATIE UND MITGESTALTUNGSWILLE DER BÜRGER IN WEST UND OST
Klar. Wenn irgendwo in Europa zehntausende, vielleicht sogar hunderttausende, Menschen gegen eine "demokratisch gewählte Regierung" protestieren, dann findet man das gaaaanz weit hinten in diesem Irrsinn der Meinungs-Industrie.
Über Berlusconis Machenschaften wurde hier (SZ) in den letzten Wochen ausführlich berichtet.
Aber wenn das Volk auf die Strasse geht?
Verstecken wir die Meldung einfach.
It's that simple - the Meinungsmache ...
I'm living in an age whose name I don't know