Griechisches Parlament stimmt Sparpaket zu Und jetzt bitte eine Revolution

Griechenlands Premier Papandreou hat es geschafft: Das Parlament billigt seinen Sparkurs, die Staatspleite ist vorerst abgewendet. Von Athen über Brüssel bis Washington sind die Politiker erleichtert. Doch die Zukunft des Landes lässt sich mit Sparappellen nicht sichern. Nötig ist eine kleine Revolution - mit neuen Politikern, verantwortungsvollen Eliten und einem entscheidenden Beitrag der europäischen Staaten.

Ein Kommentar von Christiane Schlötzer

Patriotismus ist ein großes Wort. Griechenlands Premierminister Giorgos Papandreou hat es jetzt benutzt, um sich und sein Land zu retten. Patriotismus, Vaterlandsliebe, da klingt im Griechenland stets die Erinnerung an Epochen voller Dunkelheit durch: die deutsche Besatzung und der Widerstand dagegen, der sich anschließende Bürgerkrieg, die Diktatur der Obristen.

Das 20. Jahrhundert war für Griechenland eine Abfolge von Existenzkrisen. Erst gegen Ende wurde es heller, da rückte das Land am Rand des Kontinents in eine neue Rolle: als fester, und wie es schien, unveräußerlicher Bestandteil der Europäischen Union.

Griechenland erlebte damit, was andere Armenhäuser des europäischen Südens auch erfuhren: endlich stabile politische Verhältnisse und einen atemberaubenden wirtschaftlichen Aufschwung. Da wurde nachgeholt, was man glaubte, versäumt zu haben.

Aber erst mit dem Euro wurde aus der Aufholjagd eine große Party auf Pump. Plötzlich verlangten Banken für Kredite nur noch sechs Prozent Zinsen statt der satten 16 Prozent in den Drachmen-Jahren. Das Land gewöhnte sich daran, über seine Verhältnisse zu leben. Und fast alle machten mit. Vorneweg die Eliten, aber auch all jene, für die der Staat, also die zwei großen Parteien, in Ämtern und Behörden auf großzügige Weise sorgten. Damit sicherten sie sich auch ihre Wähler.

Ein Verbandskasten reicht nicht

Nun ist das ganze System kollabiert. Daran ändert auch das mit Ach und Krach am Mittwoch im griechischen Parlament von Papandreou durchgedrückte Spar- und Privatisierungsprogramm erst einmal gar nichts. Dieses Reformpaket gleicht einem Verbandskasten, der einem tödlich verwundeten Patienten mit ein paar Rollen Pflaster und einigen Energiespritzen wieder auf die Beine helfen soll.

Tatsächlich bräuchte das Land eine Radikalkur, aber die wäre so schmerzhaft, dass sie in absehbarer Zeit wohl nicht gelingen kann. Hellas hätte neue Politiker nötig, die sich von den alten Klüngeln verabschieden; verantwortungsvolle Eliten, die ihr Geld im Land lassen, statt es auf deutsche oder Schweizer Konten zu legen; eine Justiz, auf deren Urteile man nicht Jahrzehnte warten muss; Bürger, die ihre Stimmen nicht für einen Job im Staatsdienst verkaufen; Universitäten, die auf den globalen Wettbewerb vorbereiten statt auf die Arbeitslosigkeit.

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