Gipfel in Korea Kim Jong-un und Moon Jae-in wollen abrüsten und einen Baum pflanzen

  • Das Programm für den innerkoreanischen Gipfel in der Nacht zum Freitag steht nun fest.
  • Nord- und Südkorea wollen dabei einen Friedensvertrag und die nukleare Abrüstung der Halbinsel vorbereiten.
  • Kim Jong-un und Moon Jae-in sollen außerdem gemeinsam spazieren gehen, einen Baum pflanzen und bei einem Bankett feiern.
Von Christoph Neidhart, Ilsan

Wenn der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un am Freitag um 9.30 Uhr im Waffenstillstandsdorf Panmunjom die militärische Grenzlinie übertritt, zelebrieren die beiden Koreas dies als Neuanfang. Ihrem dritten innerkoreanischen Gipfel nach 2000 und 2007 haben sie das Motto "Friede, ein neuer Start" gegeben. Das Treffen des südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in mit Kim soll die Denuklearisierung der Koreanischen Halbinsel einleiten, den Abschluss eines Friedensvertrags mit einer Friedenserklärung vorbereiten und die Basis für engere innerkoreanische Beziehungen legen. Die Choreografie des Gipfels, dessen Zeremonien in beiden Koreas vom Fernsehen live übertragen wird, soll den Koreanern in beiden Ländern demonstrieren: Von nun an wird alles anders.

Nach der Begrüßung auf der Grenze werden Moon und Kim von einer traditionellen koreanischen Ehrenwache auf den Platz vor dem "Friedenshaus" geführt, dem Tagungsort. Dort werden sie eine südkoreanische Ehrenformation abschreiten. Dass Nordkoreas junger Diktator eine südkoreanische Ehrenwache inspiziert, war vor einem halben Jahr noch undenkbar. Und auch, dass südkoreanische Journalisten vor Kims Grenzübertritt auf die Nordseite gelassen werden, um ihn zu begleiten.

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Nach der Gesprächsrunde am Vormittag werden die beiden Seiten getrennt essen, anschließend pflanzen Moon und Kim eine Kiefer zur Erinnerung an den Gipfel. Nach einem kurzen gemeinsamen Spaziergang führen Kim und Moon eine zweite Gesprächsrunde, danach werden sie eine Erklärung unterzeichnen. Schließlich feiern die beiden Delegationen ihren Neuanfang mit einem Bankett. Moon will Kim für die Zukunft regelmäßige Gipfel vorschlagen, eine direkte Telefonlinie zwischen den beiden Staatschefs wurde bereits in Betrieb genommen. Ob sich die Ehefrauen von Moon und Kim und womöglich auch Kims Schwester Yo-jong dazugesellen, war auch am Donnerstag nicht zu erfahren.

Stolpersteine gibt es genug

In Korea ist Symbolik immer wichtig, bei diesem Gipfel aber besonders. Einerseits hat Nordkorea bisher nicht auf Atomwaffen gesetzt, weil es sich nicht vom Süden bedroht fühlt, sondern von den USA. Die von Washington geforderte "komplette, verifizierbare irreversible Denuklearisierung" muss Nordkorea deshalb mit Trump aushandeln. Kim will dafür von den USA eine "komplette, verifizierbare irreversible Sicherheitsgarantie". Das würde eine Regime-Garantie einschließen. Diese dürfte ohne Friedensvertrag nicht möglich sein - doch dafür braucht Trump die Zustimmung des US-Kongresses. Stolpersteine gibt es also genug.

Südkorea blickt optimistisch auf den innerkoreanischen Gipfel; und mit vielleicht etwas weniger Überzeugung auch auf das Treffen Kims mit Trump. Nordkorea sei nicht das Nordkorea von vor einigen Jahren, heißt es in diplomatischen Kreisen in Seoul. Während Kims Vater Kim Jong-il sich auf seine Songun (das Militär zuerst) genannte Politik stützte, propagierte Kim Jong-un bald nach seinem Amtsantritt Byungjin, das Wort steht für eine parallele Entwicklung von Atomwaffen und Wirtschaft. In November hat er Byungjin für vollzogen erklärt, die Abschreckung sei garantiert. Er könne sich nun auf die Entwicklung der Wirtschaft konzentrieren.

Kim Jong-uns oberstes Ziel, wichtiger als die Erhaltung seines Landes, ist der garantierte Fortbestand seines Regimes. Seinem Vater gelang das noch mit bloßer Repression. Aber zur Legitimation seiner Herrschaft genügen Kim selbst die Atomwaffen nicht mehr, mit denen er seine Macht besonders nach innen markiert. Nordkoreas Wirtschaft verwandelt sich langsam in eine Marktwirtschaft; und zwar von unten nach oben. Damit ihm die Herrschaft nicht entgleitet, braucht Kim eine neue Legitimation: Er muss sich an die Spitze einer Wirtschaftsentwicklung stellen, die eigentlich ohne ihn angefangen hat. Im Idealfall gelingt es ihm, die Wirtschaft zu öffnen und zu liberalisieren, ohne seine Herrschaft einzubüßen. Deshalb möchte er atomar abrüsten, wie Experten in Seoul vermuten.

In Seoul wird auch diskutiert, warum jetzt? Die Raketentests vom Vorjahr, die keine Tests sondern Drohgebärden waren, hatten ihren Zweck erreicht. Im Herbst habe Pjöngjang erkannt, dass es mit seinen Provokationen zu weit gegangen sei und Washington tatsächlich einen Militärschlag erwäge, sagt Andrei Lankow von der Kookmin-Universität in Seoul. Die UN-Sanktionen hätten noch nicht so viel Wirkung gezeigt, dass sie Kim zu Verhandlungen zwingen würden. In Pjöngjang verstehe man jedoch, dass sie sich in Zukunft auswirken würden.

Außerdem sind die Testtunnels auf dem Atomgelände Nordkoreas eingestürzt, sie sind nicht mehr zu gebrauchen. Dann kamen die Olympischen Winterspiele, die Kim den Anlass zur Avance gaben. Zudem hatte man in Pjöngjang verstanden, dass die vorige südkoreanische Präsidentin Park Geun-hye kein Interesse an einem innerkoreanischen Ausgleich hatte. Für Präsident Moon dagegen ist er eine Priorität.

Moon, Kim und Trump suchen den Erfolg. Südkorea wählt am 13. Juni seine Lokalparlamente. Moons Demokraten bietet sich die Chance, die Konservativen der geschassten Präsidentin Park Geun-hye in vielen Regionen zu besiegen. Nordkorea begeht am 9. September den 70. Jahrestag seiner Gründung. Bis dahin, davon sind die meisten Experten überzeugt, werde Pjöngjang sicher nicht provozieren. Und bis dann sei hoffentlich ein Friedensprozess aufgegleist, der sich nicht leicht rückgängig machen lasse. Außerdem dürften alle drei Staatschefs noch länger im Amt bleiben. Denn dieser Gipfel ist nur ein Anfang.

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