Washington weist die Versprechen des syrischen Herrschers brüsk zurück: Es verhöhne die Revolution, wenn Baschar al-Assad jetzt eine Volksabstimmung und Reformen ankündige. Die Tage seines Regimes seien gezählt. Eine Resolution gegen das gewaltsame Vorgehen der Assad-Truppen rückt näher - Russland ist mit einem Versuch abgeblitzt, den Text aufzuweichen.
Von einem "weiteren Schachzug" des syrischen Regimes sprach Bundesaußenminister Guido Westerwelle. Und auch die US-Regierung mag der Ankündigung des Despoten Baschar al-Assad, mit einer Volksabstimmung einen Wandel hin zu mehr Demokratie einzuleiten, keinen Glauben schenken.
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Obamas Sprecher Jay Carney: Assads Ankündigung "verhöhnt die syrische Revolution". (© AP)
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"Lächerlich" sei das angekündigte Referendum, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney, und fügte hinzu: "Es verhöhnt die syrische Revolution". Die US-Regierung von Präsident Barack Obama sei der Auffassung, dass auf Assads Reformversprechen "bisher gewöhnlich eine Zunahme der Brutalität" gefolgt sei. Die Tage des Despoten seien gezählt - das werde schon durch die Absetzbewegung in der Führung in Damaskus deutlich.
"Mitglieder des Regimes, die militärische und zivile Führung, demonstrieren ihr mangelndes Vertrauen in die Zukunft Assads, indem sie ihren Besitz außer Landes schaffen und sich darauf vorbereiten, ihre Familien aus dem Land zu schicken", sagte Carney. Syriens Zukunft finde ohne Assad statt, sagte der Präsidentensprecher. "Es geht nicht ums Ob, es geht ums Wann."
Assad hatte am Mittwoch für den 26. Februar eine Volksabstimmung über eine neue Verfassung angekündigt, in der unter anderem die Monopolstellung seiner Baath-Partei aufgehoben wird.
Die Gewalt gegen die Opposition geht derweil weiter: Gepanzerte Verbände sollen am Donnerstag die Stadt Deraa ins Visier genommen haben, in der vor etwa einem Jahr der Aufstand gegen Assad begonnen hatte. Augenzeugen berichten, im Feuer der Regierungstruppen längen vor allem die Stadtteile, die von der opositionellen sogenannten Freien Syrischen Armee kontrolliert würden.
Die internationale Gemeinschaft reagiert mit erhöhtem diplomatischen Druck auf Syrien. Am Donnerstag will die Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York in einer Resolution den sofortigen Stopp der Kämpfe und den bedingungslosen Rückzug der Armee aus den Wohngebieten fordern. Auch die Entsendung eines Sondergesandten durch UN-Generalsekretär Ban Ki Moon wird vorbereitet.
So steht es zumindest in dem Entwurf der Resolution, der von Saudi-Arabien verfasst und von Ägypten eingebracht wurde. Russland, das vor kurzem eine Syrien-Resolution im Weltsicherheitsrat blockiert hatte, hat jedoch Bedenken angemeldet - und ist abgeblitzt. Wie mehrere Vertreter westlicher Länder berichteten, lehnten arabische Staaten von Moskau geforderte Änderungen ab.
Russland habe unter anderem darauf bestanden, dass die syrische Opposition im gleichen Maße wie die Regierung von Präsident Baschar al-Assad für die Gewalt verantwortlich gemacht werden müsse. Zudem hätte eine Passage hinzugefügt werden sollen, die einen Rückzug der Armee aus den Städten nur dann vorgesehen hätte, wenn vorher die Opposition ihre Angriffe eingestellt habe.
Die Abstimmung in der UN-Generalversammlung ist für Donnerstag um 21 Uhr Mitteleuropäischer Zeit angesetzt. In dem Gremium gibt es keine Veto-Möglichkeiten, eine Resolution wäre aber völkerrechtlich nicht bindend. Nur der Weltsicherheitsrat kann Sanktionen verhängen.
Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, Deutschland unterstütze die Resolution. Er hoffe auf eine große Mehrheit und damit ein klares Signal der Staatengemeinschaft für die Menschen in Syrien und gegen die Gewalt des Assad-Regimes. "Ich appelliere an diejenigen, die bisher abseits stehen, die Lösungsbemühungen der Arabischen Liga konstruktiv zu unterstützen", fügte er hinzu. Syrien brauche ein Ende der Gewalt und einen politischen Neuanfang.
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(Süddeutsche.de/rtr/dpa/mikö)
Nach Massaker in Haula
Lächerlich und beschämend finde ich das Verhalten der US in dieser sache.
Die sind doch sonst nicht besonnen wenn's darum geht in ländern "aufzuräumen".
Das Assad es am meisten in der Hand hat, das Blutvergießen zu beenden, glaube ich auch. Und das Referendum sehe ich als Schritt in dieser Richtung. Allerdings bedarf es auch der Bereitschaft der Gegenseite dies anzunehmen. Es ist ein Bürgerkrieg, ein Kampf auf Leben und Tod. Wenn Assad die Armee abzieht und ihre Waffen niederlegen lässt, dann werden er und seine Anhänger getötet. Deswegen muss die Gegenseite auch zu einer friedlichen Demokratisierung bereit sein. Wenn sich das Referendum als Lüge herausstellt und er bei den dann nötigerweise folgenden Wahlen keine Oppositionsparteien zulässt oder die Wahlergebnisse masiv fälscht, ist das eine andere Geschichte. Doch momentan zeigt er die Bereitschaft zur Demokratisierung und es ist kontraproduktiv, wenn die USA und Saudi Arabien alles tun, um eine friedliche Lösung zu verhindern und stattdesen den Konflikt noch anheizen.
Natürlich betreiben - auch - die USA Interessenpolitik und handeln nicht aus reiner Nächstenliebe. Was ist daran besonderes ?
Unterstützen etwa die Mullahs des Iran Hisbollah und Hamas aus Liebe zum palästinensischen Volk ?
Ich glaube nur, dass es immer noch Assad am ehesten in der Hand hätte, das Blutvergießen in seinem Land zu beenden - auch jetzt noch, wo aus einem anfangs friedlichen Aufstand fast schon ein Bürgerkrieg geworden ist.
(Zumal er damit angefangen hat, friedliche Demonstranten niederschießen zu lassen).
Ich gehe schon davon aus, dass sowohl wichtige Teile der syrischen Opposition als auch Assad zu Verhandlungen bereit sind. Und mit dem Referendum erfüllt Assad auch eine Forderung der Opposition, die da er es jetzt abhält, aber wohl nicht mehr viel davon wissen möchte. Ich will auch Assad nicht in Schutz nehmen. Syrische Sicherheitskräfte sind auch gegen friedliche Demonstranten brutal vorgegangen und der syrische Geheimdienst scheint vor nichts zurückzuschrecken. Jedoch spielen meiner Ansicht nach Saudi Arabien und die USA ein falsches Spiel. Ich nehme Saudi Arabien und den USA einfach nicht ab, dass es ihnen um Demokratie und Menschenrechte geht. Schon allein deswegen weil Saudi Arabien Menschenrechte noch weniger berücksichtigt als Syrien und weil ich glaube, dass die USA nur einen Verbündeten des Iran ausschalten wollen und ihnen die Menschenrechtslage z.B. in Saudi Arabien völlig egal ist. Und ich denke auch, dass der Konflikt in Syrien von diesen Staaten angeheizt wird, um eine friedliche Lösung unmöglich zu machen. Und wenn in Homs salafistische Freischärler zu den Waffen greifen, dann hat dies meiner Meinung nach nichts mit der demokratischen Opposition in Syrien zu tun, wohl aber mit dem Export des fundamentalistischen Islams von Saudi Arabien nach Syrien.
Für die scharfe Reaktion der USA und ihrer Vasallen gibt es gute Gründe, denn die Durchführung einer Volksabstimmung, zumal wenn es um wirklich relevante Entscheidungen geht (wie EU-Vertrag, Deutsche Einheit, Billionen-Rettungsschirme), sind mit einer marktkonformen Demokratie unvereinbar. Diese Volksabstimmung, bei der über die Monopolstellung der Baath-Partei abgestimmt werden soll, ist ein Affront gegen alle demokratisch gewählten Regierungen westlicher Prägung. So etwas darf nicht schule machen (man stelle sich einmal vor, in Bayern würde über die Stellung der CDU abgestimmt weden). Für Diktaturen hingegen, sind Volkbstimmungen geradezu kennzeichnend. Wenn man z.B. an Venezuela denkt, wo sich Hugo Chaves alle Änderungen der Verfassung über Volksabstimmungen hat genehmigen lassen, muss einem treuen Anhänger der repräsentativen Demokratie schwindlig werden . In einer funktionierenden Demokratie, wie der unseren und der der USA, entscheiden die Volksvertreter immer zum Wohl ihrer Bürger, da wären Volksabstimmungen nur "lächerliches", populistisches Gedöns.
Hier eine Reportage von Jürgen Todenhöfer aus Syrien
www.youtube.com/watch?v=A4f2MKtAM8k
und ein Interview in der Welt
www.welt.de/politik/ausland/article13829324/Auslaendische-Kraefte-unterstuetzen-den-Aufstand.html
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