Gewalt in Syrien Oppositionelle berichten von neuem Massaker

Das Töten in Syrien geht offenbar weiter: Nach Angaben von Oppositionellen sind bei einem Angriff der syrischen Armee in der Provinz Homs mehr als 90 Menschen ums Leben gekommen. Menschenrechtler werfen den Vereinten Nationen Untätigkeit vor - UN-Beobachter hätten nicht auf die Gewalt reagiert.

Ungeachtet der Präsenz von UN-Blauhelmen geht das Blutvergießen in Syrien offenbar weiter: Bei Angriffen auf die Stadt Hula sind nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte mehr als 90 Menschen getötet worden.

Protest gegen Assads Regime: Trotz der offiziellen Wafferuhe dauert die Gewalt in Syrien an.

(Foto: REUTERS)

Der Chef der in London ansässigen Nichtregierungsorganisation, Rami Abdel Rahman, sprach am Samstag erneut von einem Massaker. Der Beschuss Hulas in der Provins Homs habe am Freitag bis in die späte Nacht angedauert. Viele Menschen seien auf der Flucht. Den im benachbarten Homs stationierten UN-Beobachtern warf er Untätigkeit vor. Die Angriffe der Armee hielten seit dem Mittag an und die UN-Beobachter hätten nicht darauf reagiert, erklärte er.

Zudem hätten bei anderen Gewalttaten mindestens 21 Menschen ihr Leben verloren. In der Provinz Hama etwa starben 14 Menschen durch Gewalt von Regierungstruppen, berichten Gegner des Regimes von Präsident Baschar al-Assad.

Auch in der nördlichen Großstadt Aleppo schossen syrische Truppen am Freitag mit scharfer Munition auf friedliche Demonstranten. Mindestens ein Kundgebungsteilnehmer starb, zahlreiche weitere wurden verletzt, wie die Beobachtungsstelle mitteilte. In Aleppo sollen Zehntausende auf die Straße gegangen sein.

Eine Bestätigung der Zahl der Todesopfer war zunächst nicht möglich. Die syrische Führung hat die meisten ausländischen Journalisten ausgewiesen.

Ban Ki Moon berichtet von inakzeptabler Gewalt

Die Kämpfer der syrischen Opposition kontrollieren nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon inzwischen erhebliche Teile syrischer Städte. Die betroffenen Stadtteile stünden unter einer "De-Facto-Kontrolle" durch Mitglieder der Opposition, erklärte Ban in einem neuen Bericht an den UN-Sicherheitsrat, der der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag.

Dem Bericht zufolge herrscht in dem arabischen Land insgesamt "eine Atmosphäre der Anspannung, des Misstrauens und der Angst". Die Bemühungen der Uno um ein Ende des Konflikts hätten bislang nur "kleine Fortschritte" gezeigt. Die anhaltende Krise sei von "Gewalt, sich verschlechternden humanitären Bedingungen, Menschenrechtsverletzungen und anhaltender politischer Konfrontation" geprägt. Regierungstruppen begingen weiterhin "massive" Menschenrechtsverstöße und auch die Oppositionellen verschärften ihre Einsätze, erklärte Ban.

Viele fürchteten eine weitere Militarisierung des Konflikts und hätten gleichzeitig kaum noch Hoffnungen, dass eine friedliche Beilegung gelingen könne, schrieb Ban weiter. Zwar habe die Anwesenheit von mittlerweile 275 unbewaffneten UN-Beobachtern im Land einen "beruhigenden Effekt" auf die Lage gehabt, insgesamt bleibe das Level der Gewalt im Land aber weiterhin hoch. Beobachter hätten von erheblichen Zerstörungen in zahlreichen Städten berichtet.

Andere Oppositionelle berichteten ebenfalls von brutalen Gewaltakten. Mehr als 110 Menschen seien in Hula bei schweren Angriffen und Massakern an ganzen Familien durch syrische Truppen getötet worden, erklärte Bassma Kosmani vom Nationalrat am Samstag. Die Hälfte der Opfer seien Kinder. Der Rat fordere daher das UN-Gremium mit Nachdruck auf, die Lage in Hula zu debattieren und die Verantwortlichkeiten der Uno festzulegen.

Sondervermittler Kofi Annan werde nach Angaben der Vereinten Nationen "demnächst" wieder nach Syrien aufbrechen. Der Beauftragte von UN und Arabischer Liga wolle direkte Gespräche mit den Behörden des Regimes führen. Annan werde auch mit der Opposition reden. Zudem wolle der frühere UN-Generalsekretär mit den Anrainerstaaten über die Krise sprechen. Wann Annan aufbricht und welche Länder er bereist, wurde aus Sicherheitsgründen nicht genannt.

Laut eines Medienberichts ist ein russischer Waffenfrachter unterwegs nach Syrien. Seine Ankunft wird für Samstag im Hafen Tartus erwartet, wie der TV-Sender Al-Arabija am Freitag berichtete. Tartus ist die zweitgrößte Hafenstadt Syriens. Russland unterhält enge Beziehungen zu Syrien. So ist das arabische Land ein wichtiger Käufer russischer Waffen.