Gewalt in Syrien Gnadenloses Dauerfeuer auf Latakia

Assads blutige Rache gegen die Aufständischen: Mit Panzern, Kanonenbooten und Scharfschützen beschießt Syriens Armee das aufmüpfige Latakia von allen Seiten - immer mehr Menschen sterben.

Mit Artillerie und Scharfschützen haben syrische Sicherheitskräfte den dritten Tag in Folge die Mittelmeer-Stadt Latakia angegriffen. Im Brennpunkt der Attacken stand die Oppositionshochburg Al-Ramle, eine südliche Vorstadt. Scharfschützen gingen auf Hausdächern in Stellung, Schüsse waren weithin zu hören, berichteten syrische Exil-Aktivisten, die mit Augenzeugen vor Ort in Verbindung stehen. Mindestens drei Menschen seien getötet worden.

"Die Menschen versuchen zu flüchten, aber sie können Latakia nicht verlassen, weil die Stadt umzingelt ist", sagte ein Bewohner der Nachrichtenagentur Reuters. In mehreren Vierteln gingen einem weiteren Augenzeugen zufolge Maschinengewehrsalven nieder. Die Regierung spiele mit dem Feuer, sagte ein Aktivist. Bald würden die Menschen zu den Waffen greifen, statt sich abschießen oder inhaftieren und demütigen zu lassen. Es gebe aber die Hoffnung, dass der Druck der Straße und der internationalen Gemeinschaft das Regime vorher stürze.

Am Sonntag hatte das Militär erstmals Kanonenboote eingesetzt, um Wohnviertel vom Meer aus zu beschießen. Nach Angaben von Aktivisten waren dabei 29 Menschen getötet worden. Auch in anderen Landesteilen, etwa in Hama und in der Provinz Homs, ging das Militär am Wochenende mit unverminderter Härte gegen Oppositionelle vor. Insgesamt haben die Sicherheitskräfte seit Beginn der Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad nach diesen Informationen rund 1800 Zivilisten im ganzen Land getötet.

Die Proteste gegen Assad, der den Alawiten angehört, werden vor allem von Sunniten getragen. Der autokratische Präsident hat im muslimischen Fastenmonat Ramadan seine Offensive gegen die Regierungskritiker ausgeweitet, die seit fünf Monaten demokratische Reformen fordern. Latakia ist dabei die vorerst letzte einer Reihe von Städten, in die Assad-treue Soldaten einrückten.

Das Regime in Damaskus bezeichnete am Montag die Berichte über den Kanonenboot-Beschuss Latakias als "völlig unwahr". Vielmehr verfolgten die Sicherheitskräfte in Al-Ramle "bewaffnete Männer, die Maschinengewehre, Handgranaten und Sprengsätze benutzen", meldete die staatliche Nachrichtenagentur Sana. Die Berichte aus Syrien können nur schwer überprüft werden, weil die Regierung ausländische Korrespondenten aus dem Land verwiesen hat.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle verurteilte den Einsatz von Kriegsschiffen und Panzern gegen Demonstranten in Syrien scharf. "Diese aktuelle Gewaltanwendung ist weder moralisch noch völkerrechtlich in irgendeiner Weise zu rechtfertigen", sagte ein Sprecher des Bundesaußenministeriums. Deutschland fordere ein sofortiges Ende der Gewalt und setze sich in der EU für eine Verschärfung der Sanktionen gegen Syrien ein. Zudem werde man auf eine erneute Befassung des UN-Sicherheitsrats mit dem Thema noch in dieser Woche drängen.