Jahrelang haben Pharmafirmen in Griechenland von laxen Kontrollen und Korruption profitiert: Sie haben für ihre Produkte erhöhte Preise verlangt. Der griechische Staat hat die Firmen geradezu eingeladen.
Hätte das Land mehr Diener und weniger Herren, mehr Männer wie diesen schmalschultrigen Versicherungsvertreter, vielleicht wäre dann alles gutgegangen in Hellas.
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Ein Defilibrator kostet in Athen 43.000 Euro. Im Nachbarland Zypern nur 11.000 - die Frage ist nur: warum? (© dpa)
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Pantelis Kavvadas stellt ein Glas mit Zuckersirup auf den Tisch, darin schwimmen grüne Pistazien, eine Spezialität seiner Heimatinsel Chios. Neben das bauchige Pistazienglas legt der Mann ein Papierkonvolut, dick wie drei aufeinander gestapelte Fladenbrote. Das Deckblatt ziert der Schriftzug: Elliniki Dimokratia. Das ist die offizielle Bezeichnung Griechenlands.
Pantelis Kavvadas kennt jedes Blatt in dem Papierberg. Er war Beamter. Als 18-Jähriger fing er an, seinem Staat zu dienen. "Ich wollte alles richtig machen", sagt er. Nach 29 Jahren hat er den Dienst quittiert, weil die griechische Republik nicht wissen wollte, was er, der Hartnäckige, herausgefunden hat. Als sein Bericht im August 2006 fertig war, verschwand er, überall wohin er ihn auch brachte, in den Schubladen.
Defilibratoren kosten in Griechenland fast drei Mal mehr als in Frankreich
Jetzt sollten sich eigentlich viele für das Konvolut interessieren, die EU-Kommission zum Beispiel, die ihre Prüfer fast wöchentlich nach Athen schickt, und der Internationale Währungsfonds, oder die Politiker in Berlin. Alle, die Griechenland mit Krediten vor dem Bankrott retten wollen. Wenn sich nämlich nichts ändert an dem, was Kavvadas aufgeschrieben hat, dann werden die vielen Milliarden, die nun nach Athen fließen, in einem schwarzen Loch verschwinden. So viel kann man schon sagen.
Der Beamte hatte damals, in den Jahren 2003 und 2004, einen bösen Verdacht. Er war staatlicher Prüfer für die öffentlichen Krankenhäuser, und er glaubte, dass die Preise für medizinische Produkte - Dialysefilter für Nierenkranke zum Beispiel, oder Stents, die man für kranke Herzen braucht - in Griechenland viel höher sind als im Rest der EU. Die Krankenhäuser verschlingen in Hellas einen riesigen Brocken des staatlichen Budgets. Die Schulden aus den Kliniken haben sich dermaßen aufgehäuft, dass Athen sie vor der EU lieber gleich ganz versteckt hat. Als dies entdeckt wurde, schnellten die offiziellen Defizitzahlen in die Höhe, was letztlich mit zur gegenwärtigen griechischen Krise geführt hat.
Kavvadas recherchierte auf eigene Faust, und er fand heraus: Zum Beispiel Defibrillatoren, Maschinen, die ein flatterndes Herz wieder in Takt bringen: In Zypern kostete ein solches Gerät 11.000 Euro, in Frankreich waren es 15.000. In Griechenland aber wurden dafür 43.000 Euro verlangt.
Das gleiche Muster bei Klinikmaterial: "Bei uns war vieles vier bis fünf Mal, ja bisweilen zehn Mal so teuer", sagt der Ex-Prüfer. Das galt auch für Produkte deutscher Firmen. Er fand Offshore-Unternehmen, registriert in Zypern oder Barbados, die Produkte internationaler Pharmahersteller ein- und wieder ausführten. Bis sie in Hellas ankamen, waren sie wundersamerweise viel wertvoller als vor der langen Reise.
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Liebe Frau Schlötzer,
1) es wäre schön, wenn sich jemand (und warum nicht Sie, oder kennen sie sich nur in Griechenland aus?) mal genauso ernsthaft mit den entsprechenden "Zuständen" in Deutschland befasst. Ist es nicht so, dass z.B. die Medikamentenpreise in Deutschland ebenfalls wesentlich höher sind als in der übrigen EU?
und
2) Ich dachte eigentlich, dass die Milliarden für Griechenland dafür gedacht sind, dass Griechenland seine Verbindlichkeiten bei deutschen und französischen Banken bedienen kann und die überaus "erfolgreichen" Ackermann und Konsorten keine Verluste abschreiben müssen? Das sind doch keine "schwarzen Löcher"! Das sind doch die herausragenden Stützen der EU-Gesellschaft und des EU-Systems!!
(siehe auch Donnerstag in PrintSZ Seite 16 rechts oben "Im Blickpunkt": "Banker des Jahres." Ackermann wird ausgezeichnet)
Außerdem überlegt euch mal bitte genau, wer vom griechischen "über-die-Verhältnisse-leben" wirklich profitiert hat und warum z.B. Herr Ackermann von der Deutschen Bank jetzt "Gewinne" verbuchen kann. Weil der Steuerzahler jetzt gezwungen ist, die Risiken der Deutschen Bank (und anderer) zu übernehmen. Den Griechen wurde jahrelang das Geld dieser "ehrwürdigen Institute" nachgeschmissen und jetzt wundert man sich, dass die nicht zurückzahlen können. Ich bin der Meinung, wer Risiken eingeht, indem er Kreditunwürdigen Kredite bewilligt, muss selbst dafür geradestehen.
(Dann sähe allerdings die Bilanz des Herrn Ackermann anders aus, und ob er dann noch "Banker des Jahres" geworden wäre?)
vergessen Sie bitte nicht zu erwähnen, dass diese 110 Milliarden Euro allenfalls dazu dienen, dass Griechenland europäischen Banken - zum grössten Teil in Deutschland und Frankreich - die leichtsinnig geliehenen Gelder zurückerstatten kann. Eigentlich müsste wiederum von einer Bankenkrise gesprochen werden - die - einmal mehr - vom Steuerzahler finanziert wird.
Die EU hilft somit in erster Linie den Banken.
daß wir Deutsche unsere Medikamente einfach zu teuer einkaufen müssen. Bei manchen Medikamenten bis zu 100 % oder 2500 € höher, als in EU - Nachbarländern.
Den Politikern in Berlin ist diese Gewinnmaximierung bekannt und sie fällt dadurch auf, dass sie in den letzten 30 Jahren nichts dagegen unternommen hat.
Statt dessen haben wir immer noch 250 Krankenkassen und springen von einer Beitragserhöhung auf die Nächste.
So ein Deutsches System kann doch nur funktionieren, wenn ein Teil der Gewinne wieder bei den Verantwortlichen zurück fließt.
@Ankur: Dann hören Sie diesem Gesundheitsröselchen, dem unsäglichen little Brother und deren Quacksalbern von Parteifreunden mal zu wenn die ernstlich anfangen vom bereinigenden Regulativ des freien Wirtschaftens zu faseln und dabei nichts anderes meinen als: "Was denn, was denn, uns Gewinnlern geht's doch supergut damit ...
Natürlich haben wir keinen Markt, im Gesundheitswesen genausowenig wie bei der Bahnbeschaffung, was man derzeit hervorragend beobachten kann, ebensowenig handelt es sich im Bereich "Arbeit" um Marktverhältnisse sondern vielmehr um maf.iöse Kartelle, auch der Wohnungsmarkt ist keiner mehr sondern ein gwohlorganisiertes Erpre.ssungs.system seit sich der Staat aus dem Sozialen Wohnungsbau davongestohlen hat ... dennoch müssen wir uns den neoliberalen Quark nicht nur der spätrömischen Mövenpickpartei sondern auch von den andersfarbigen Betrü.gern jeden verdam.mten Tag über immer und immer wieder aus allen Kanälen servieren lassen ...
weit gefehlt, genau dieses Problem ruiniert uebrigens auch unser Gesundheitssystem, willfaehige Stuepmern, wie unseren Gesundheitsministern sei Dank!!!
Paging