Geschönter Armutsbericht Sozialverband warnt von der Leyen vor Zensur

"Alles andere ist zensurverdächtig": Der Sozialverband fordert eine ungeschönte Fassung des umstrittenen Armutsberichts. Mit ihrem Versuch, die wahre Lage zu verschleiern, tue sich die Bundesregierung keinen Gefallen.

Der Sozialverband Deutschlands hat von Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) einen "unzensierten" Armuts- und Reichtumsbericht gefordert. "Die Ministerin muss den Armutsbericht in seiner ursprünglichen Form ins Netz stellen. Alles andere ist zensurverdächtig", sagte Verbandspräsident, Adolf Bauer der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Ungleiche Verteilung und steigende Armutsrisiken müssten ehrlich bewertet werden, sagte Bauer. "Die Bundesregierung tut sich keinen Gefallen, wenn sie jetzt versucht, die wahre Lage mit viel Schminke zu schönen", sagte er. Der Sozialverband vertritt die Interessen von Rentnern, Pflegebedürftigen und Patienten.

Die Süddeutsche Zeitung hatte zuvor berichtet, dass Passagen im Armuts- und Reichtumsbericht geglättet worden seien. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung in der Koalition über verschiedene Stellen im Bericht. Eine frühere Fassung des Berichts hatte im September für Aufregung gesorgt. Die Opposition reagierte empört und warf der Koalition Vertuschung vor.

Die Bundesregierung wies inzwischen die Kritik an der Überarbeitung des Reports zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert sprach von einem "sehr normalen Vorgang". Der Bericht sei im Übrigen "realistisch" und "problembewusst". Auch eine Sprecherin des Sozialministeriums betonte, es gebe noch gar keine "finale Fassung".

Die Stellungnahmen der Verbände lägen noch nicht vor und müssten erst eingearbeitet werden. Es sei dann geplant, den Armuts- und Reichtumsbericht "Anfang nächsten Jahres" in das Bundeskabinett zu bringen.