Gernot Erler, Ex-Staatsminister im Auswärtigen Amt und SPD-Vizefraktionschef, über die Risiken deutscher Afghanistan-Politik und die Vorhaben von Entwicklungsminister Niebel.
Der SPD-Politiker Gernot Erler gehörte von November 2005 bis Oktober 2009 als Staatsminister im Auswärtigen Amt der Bundesregierung an. Derzeit ist der 65-Jährige Stellvertretender Fraktionsvorsitzender seiner Partei im Bundestag und für die Bereiche Außen-, Sicherheits-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik zuständig.
Gernot Erler (rechts) kritisiert den Kurs von Entwicklungsminister Dirk Niebel - auch bezüglich der Lage in Afghanistan. (© Archiv-Fotos: dpa/AFP/Reuters; Grafik: sueddeutsche.de, K. Helldobler)
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sueddeutsche.de: Herr Erler, Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Auffassung, dass man im Hinblick auf die Lage in Afghanistan "umgangssprachlich von Krieg reden" kann. Sehen Sie das genauso?
Gernot Erler: Der Verteidigungsminister hat das Wort "umgangssprachlich" betont. Denn er weiß genau, dass es juristisch problematisch ist, von Krieg zu sprechen. Dafür gibt es weder eine völkerrechtliche Legitimation noch ein Mandat des Deutschen Bundestages. Insofern kommt zu Guttenberg mit dieser Wortwahl in erster Linie den Soldaten entgegen, die viele Situationen dort als Kriegshandlung erfahren. Ihnen fällt es schwer, Diskussionen um andere Bezeichnungen nachvollziehen zu können.
sueddeutsche.de: Sie haben bisher - als Staatsminister und auch danach - darauf verzichtet, das K-Wort in den Mund zu nehmen. Könnten Sie sich zumindest mit dem Ausdruck "kriegsähnliche Zustände" anfreunden?
Erler: Im herkömmlichen Sprachgebrauch mag diese Bezeichnung üblich sein. Doch muss man auch hier aufpassen, wenn man auf den Auftrag am Hindukusch zu sprechen kommt: Nach der neuen Afghanistan-Strategie besteht dieser ja gerade nicht darin, einen militärischen Sieg über die Aufständischen und die Taliban zu erringen, sondern: Die afghanische Regierung zu befähigen, sich selbst zu verteidigen. Das ist ein großer Unterschied.
sueddeutsche.de: Kritiker werfen Ihnen im Zusammenhang mit der Wortwahl vor, die Lage in Afghanistan in den vergangenen Jahren beschönigt zu haben.
Erler: Ich glaube, es war allen Verantwortlichen klar, dass es sich um einen gefährlichen Einsatz handelt. Aber natürlich muss man aufpassen, dass wegen der erwähnten rechtlichen Aspekte und der daraus resultierenden Wortwahl nicht der Eindruck entsteht, dass man die Situation vor Ort verharmlost.
sueddeutsche.de: Ihr Parteikollege, Altkanzler Helmut Schmidt, scheut sich nicht, von "Krieg" zu reden. Kürzlich sprach er davon, dass wir uns langsam an den Gedanken gewöhnen müssten, diesen "Krieg" abzubrechen. Teilen Sie diese Auffassung?
Erler: Ich habe große Mühe, mich diesem Gedanken zu nähern. Denn er hätte unabsehbare Folgen.
sueddeutsche.de: Welche genau?
Erler: Zum Beispiel, dass Afghanistan in einem enorm blutigen Bürgerkrieg versinken würde. Dass all diejenigen, die sich in den vergangenen Jahren auf den Weg in eine neue Gesellschaft gemacht haben, sich im Stich gelassen fühlen und in ihrem Leben bedroht sind - von den Aufständischen. Diese könnten von den regulären Kräften der afghanischen Regierung noch nicht aufgehalten werden.
Am Ende stünde wahrscheinlich nicht nur eine Kontrolle der Taliban über Afghanistan, sondern ein Angriff auf Pakistan - mit der Option, dass ein Atomstaat unter die Kontrolle von Dschihadisten fällt. Ein Abbruch der Mission wäre deshalb ein Desaster. Stattdessen müssen wir uns intensiv auf die Umsetzung der neuen Afghanistan-Strategie konzentrieren.
sueddeutsche.de: Diese sieht unter anderem vor, den zivilen Aufbau zu forcieren. Hilft da eine "Verzahnung von Bundeswehr und Entwicklungshilfe" weiter, wie sie Entwicklungsminister Dirk Niebel fordert?
Erler: Nein. Er hätte sich lieber vorher bei den wichtigsten deutschen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) in Afghanistan informieren sollen. Die SPD-Fraktion hat das vor kurzem gemacht. Hier ist deutlich geworden, dass die NGOs sehr genau wissen, dass sie auf ein sicheres Umfeld und die Schutzfunktion der Bundeswehr angewiesen sind - einerseits.
Auf der anderen Seite ist es für Ihre Tätigkeit dringend notwendig, ein eigenes Vertrauensverhältnis zur afghanischen Bevölkerung und den afghanischen Institutionen aufzubauen. Zwingende Voraussetzung ist, dass militärischer und ziviler Auftrag klar unterscheidbar sind. Kurzum: Eine Zusammenarbeit mit der Bundeswehr ist bereits der Fall und notwendig - im Gegensatz zu einer Verzahnung oder gar Verschmelzung.
Lesen Sie auf Seite 2, was Gernot Erler von der gemeinsamen Afrika-Reise von Niebel und Außenminister Westerwelle hält - und warum er mit der Außen- und Entwicklungspolitik der FDP-Männer hart ins Gericht geht.
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Ich hatte mich allein auf Ihre Behauptung, per Kriegsrecht seien unmittelbare Hinrichtungen gestattet bezogen. Sie antworteten jetzt
"Meine Kenntnisse des Kriegsrechts mögen überholt sein. Aber ich glaube da waren noch Ausnahmen hinsichtlich des Umgangs mit Banditenund Freischärlern."
Das wundert mich, denn Ihre Verweise auf das Kriegsrecht schienen mir bis auf den kritisierten Punkt irgendwie begründet zu sein.
Es gibt aber kein Recht der unmittelbaren Hinrichtung in Kriegen oder anderen bewaffneten Konflikten oder überhaupt.
Ein Kombattant, der nicht während einer Kampfhandlung unter eigenem Waffeneinsatz oder aufgrund "Gefahr in Verzug" umkommt, ist ein Kriegsgefangener und als solcher zu behandeln. Auch als "Milizionär", "Freischärler", "Partisan" (wer will das beurteilend objektiv einordnen können?) usw.
Meines Wissens u.a. auch in Ergänzungsprotokollen von 1977 zu den Genfer Konventionen spezifiziert.
Grundsätzlich hat einer Verurteilung eine Gerichtsverhandlung nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten vorauszugehen. Dieser Maßstab gilt auch für Kriegsgerichte.
Dass sich die USA u.a. mit Guantanamo darüber hinwegsetzten, ist nicht rechtssetzend.
Mit Ihrer Logik ("aufknüpfen") würden Sie nachträglich die Massenerschießungen von Screbenica, seitens der Kriegsführung im 3.Reich und sonstwo rechtfertigen. Sie müssten sich nur der jeweiligen "Rechts"argumentation der Täter anschließen. Ich weiß, dass Sie das nicht beabsichtigten.
Daher gilt auch bei Kriegshandlungen der Grundsatz "In dubio pro reo". Es gibt kein Kriegsrecht, wehr- oder waffenlose Kombattanten noch als aktive Kriegsgegener zu behandeln oder sich Gefangener einfach durch Tötung zu entledigen.
"Die Rechtmäßigkeit des Einsatzes gehört nicht dazu."
Sie halten also einen auf Lug und Trug basierend ausgerufenen "Bündnisfall" und somit völkerrechtswiedrigen Krieg, für legitim?.
"Sollte in Afghanistan jedoch weiterhin eine Regierung militärisch gestützt werden, die nicht durch allgemeine, freie und faire Wahlen zustande gekommen ist, dann sieht das anders aus."
LOL, reichen Ihnen 9 Jahre dieses Trauerspiels mit sich täglich verschlimmernder Lage nicht aus?. Wieviele Jahre, Milliarden und tote später wollen Sie denn das noch mit ansehen?.
"Die Bundeswehr hat kein Mandat, um Partei in einem innerafghanischen Bürgerkrieg zu sein."
Stimmt, dnenoch kämpft sie an der Seite der "Regierungstruppen".
"Nur eine von der Mehrheit der afghanischen Wahlberechtigten gewählte Regierung hat die Möglichkeit die UN um Aufrechterhaltung der ISAF zu bitten."
Stimmt, nur daran ist USA und ISAF nicht interessiert, denn gäbe es wirklich freie Whgalen würde herauskommen da die Mehrheit der Afghanen will das die Besatzer abziehen und somit wäre es das Ende des Mandats.
Dies wäre ein Alptraum für die Imperialpläne der USA, also wird dies zwar geheuchelt, aber hintenherum sabotiert.
"Und was ist daran falsch? War al Kaida ihrer Ansicht nach nicht für die Anschläge verantwortlich?"
Nach heutigemn Stand der Dinge eher nicht und dafür wurde von den USA bisher kein einziger Bewies vorgelegt.
Wenn man alle heute bekannten Tatsachen, Indizien und Ungereimtheiten um den 9/11 zusammenfügt, dann spricht vieles mehr für einen Inside Job als für einen Anschlag.
"Hat die Terrororganisation dafür nicht selbst die Verantwortung übernommen?"
Nein, dies behaupten einzig die USA denn der angebliche Anführer von Al Quaida (Bin Laden) hat dies sogar in einem Al Jazeera Interview bestritten.
Übrigens, auf die Frage eines Journalisten an den FBI Chef, warum Bin Laden auf deren Seite zwar als Terrorist gesucht wird, aber nicht wegen 9/11, gab es die Antwort:..weil es dafür keine stichhaltigen Beweise gibt...
Auch dafür gibt es keinerlei Belege ausserhalb der Behauptungen der USA
"Und hat Al Kaida nicht unter dem Schutz der Taliban Camps für die Terroristenausbildung betrieben?"
Auch dafür gibt es keinerlei Belege ausserhalb der Behauptungen der USA
"Betreiben Al Kaida und die Taliban nicht auch heute noch solche Camps?"
Auch dafür gibt es keinerlei Belege ausserhalb der Behauptungen der USA
Gleiwitz, Tonkin, Gladio, Northwoods uva. kamen auch erst nach Jahrzehnten ans Licht und die Wahrheit um den 9/11 wird auch eines Tages ans Licht kommen.
Elegant ist auch, von der prinzipiellen Frage abzulenken - WAS WIR DA VERLOREN HABEN ÜBERHAUPT, NÄMLICH REIN GAR NICHTS - und auf der mangelnden Ausbildung und der ach so dürftigen AusRÜSTUNG rumzureiten.
Es gibt sicher vieles was auch ich an diesem Einsatz und wie er durchgeführt wurde (und wird) auszusetzen habe. Die Rechtmäßigkeit des Einsatzes gehört nicht dazu.
Jedenfalls noch nicht. Sollte in Afghanistan jedoch weiterhin eine Regierung militärisch gestützt werden, die nicht durch allgemeine, freie und faire Wahlen zustande gekommen ist, dann sieht das anders aus.
Die Bundeswehr hat kein Mandat, um Partei in einem innerafghanischen Bürgerkrieg zu sein. Nur eine von der Mehrheit der afghanischen Wahlberechtigten gewählte Regierung hat die Möglichkeit die UN um Aufrechterhaltung der ISAF zu bitten.
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