Platzmangel in Moscheen "Muslime zahlen schließlich auch Steuern"

Der Hamburger Kirchenarchitekt Joachim Reinig sieht auch die Stadtplanung in der Verantwortung. Moscheevereine müssen bei der Suche nach Räumen oft mit Investoren für Gewerbe- und Wohnimmobilien konkurrieren. Die Stadt müsse hier eingreifen und Standorte für religiöse Nutzung kennzeichnen, sonst hätten die Gemeinden keine Chance, sagt Reinig. Man müsse den Bedürfnissen aller Bürger gerecht werden. "Muslime zahlen schließlich auch Steuern", sagt Reinig.

2013 untersuchte er die Situation von 42 islamischen Gebetsräumen in der Stadt. Die Studie wurde vom Hamburger Senat finanziert. Das Resultat: Die meisten Muslime beten in Hinterhöfen, Tiefgaragen, Plattenbauten, Gewerbehäusern oder Einfamilienhäusern - und selbst hier reiche oft der Platz nicht. Seitdem habe sich kaum etwas geändert, sagt Reinig. 15 Jahre lang wurde unter seiner Leitung das Hamburger Wahrzeichen, der Michel, saniert. Er findet es wichtig, dass auch Moscheen im Stadtbild erkennbar sind. "Die Menschen wollen gesehen werden. In einem Gotteshaus muss man zur Ruhe kommen." Einmal hätte er beinahe eine neue Moschee gebaut, doch nach dem 11. September scheiterte das Projekt an der Finanzierung. "Keine Bank wollte das Vorhaben mehr finanzieren."

Minarette dürften nicht länger als Herrschaftsanspruch verstanden werden, findet Rechts- und Islamwissenschaftler Mathias Rohe. Städte und Kommunen müssen gegen Stimmungsmache von rechts einstehen, sagt Rohe. "Hier sozialisierte Muslime wollen mit dem Wunsch nach einer repräsentativen Moschee vor allem eins sagen: Wir gehören dazu und das darf man auch sehen."

Die Moscheenkrise und ihre seltsamen Konsequenzen

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Doch auch Muslime müssten für ihre Infrastruktur sorgen, so Rohe. "Die Stadt verstößt gegen das Neutralitätsgebot im Grundgesetz, wenn sie einen einzelnen Moscheeverein finanziell unterstützt", so Rohe. Doch Städte und Kommunen können soziale und kulturelle Aktivitäten der Moscheegemeinde bezuschussen. Im Fall von Potsdam hat die Stadt die Miete übernommen. Die Kosten seien "zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung sowie zum Schutz der Gesundheit der Betenden" nötig gewesen, teilte das Sozialdezernat mit.

Ein Fall machte im vergangenen Jahr deutschlandweit Schlagzeilen: In Monheim in Nordrhein-Westfalen überließ Bürgermeister Daniel Zimmermann den örtlichen Moscheevereinen Grundstücke im Wert von knapp 900 000 Euro, damit sie zwei Moscheen bauen können. Ihm gehe es darum, die Gemeinden "aus den Hinterhöfen rauszuholen".