Gambia Gambia ist im Schwebezustand

Nigerias Präsident Buhari (rechts) vermittelt im Machtkampf zwischen Gambias Noch-Staatschef Yammeh (Mitte) und Wahlsieger Barrow (links).

(Foto: AFP)
  • Gambias Noch-Diktator Yahya Jammeh weigert sich, die Macht an seinen gewählten Nachfolger Adama Barrow abzugeben.
  • Jammeh hat wegen angeblicher Unregelmäßigkeiten bei der Wahl den Obersten Gerichtshof angerufen - der aber kann wegen mangelnder Richter nicht entscheiden.
  • Nun überlegen die Staatschefs umliegender Staaten einzugreifen.
Von Isabel Pfaff

Arm an Skurrilitäten war der Kleinstaat Gambia noch nie, in den vergangenen sechs Wochen aber hat sich das Land selbst übertroffen. Erst holte der Oppositionskandidat Adama Barrow bei den Wahlen am 1. Dezember völlig unerwartet den Sieg - 22 Jahre nach dem letzten Machtwechsel, der eigentlich ein Putsch war. Dann ließ sich der abgewählte Diktator Yahya Jammeh dabei filmen, wie er gut gelaunt seinem Rivalen am Telefon zum Sieg gratulierte.

Wohlgemerkt: Noch Wochen vorher hatte er Oppositionspolitiker einsperren lassen, internationale Wahlbeobachter verboten und schließlich zum Wahltermin das Internet abgestellt. Dann, acht Tage nach dem Gratulationsvideo, die Volte: Jammeh ruderte zurück und kündigte an, das Wahlergebnis anzufechten.

Tausende sind geflohen - auch der Wahlsieger

Seither leben die knapp zwei Millionen Gambier in einem Schwebezustand. Und wohl erst am kommenden Donnerstag, dem Tag der geplanten Amtseinführung des neuen Präsidenten, wird sich entscheiden, wohin es für sie geht: in Richtung Machtwechsel und einer wohl demokratischeren Zukunft oder zurück in die Diktatur und damit wahrscheinlich in eine Phase der Gewalt.

Beide Kandidaten beanspruchen weiterhin den Wahlsieg für sich, obwohl das offizielle Ergebnis eindeutig und Wahlfälschung angesichts der Machtverhältnisse im Land unwahrscheinlich ist: 45,5 Prozent für Herausforderer Barrow, 36,7 Prozent für Amtsinhaber Jammeh. Der spricht nun von Unregelmäßigkeiten und hat vor dem Obersten Gerichtshof Gambias eine Beschwerde eingereicht. Nur: Das Gericht kann eigenen Angaben zufolge wegen fehlender Richter erst in einigen Monaten darüber entscheiden. Mangels eigener Juristen ist Gambia auf Richter aus dem Ausland angewiesen. Deshalb versucht Jammeh nun, die Amtseinführung gerichtlich zu stoppen, bis ein Urteil vorliegt. Angeblich hat sein Anwalt beim Obersten Gericht eine entsprechende einstweilige Verfügung eingereicht.

Gleichzeitig lässt der Präsident jene Muskeln spielen, die er formal noch bis Donnerstag hat: Im Dezember ließ er in den großen Städten zur Einschüchterung Soldaten aufmarschieren, seit Jahresbeginn hat er mehrere kritische Radiosender schließen lassen. Mittlerweile sind Tausende Gambier aus Angst vor Gewalt in die Nachbarländer geflohen, auch ein Minister hat sich ins Ausland abgesetzt - und inzwischen sogar der Wahlsieger. Wie am Sonntag bekannt wurde, hält sich Adama Barrow in Senegal auf. Was die geplante Vereidigung in wenigen Tagen zu einer noch heikleren Angelegenheit macht.