G-7-Gipfel Das Jahrhundertversprechen von Elmau

Das Ende von Kohle, Gas und Strom? Angela Merkel spricht auf dem G-7-Gipfel in Elmau.

(Foto: dpa)
  • Die G-7-Staaten bekennen sich zu einem radikalen Umbau der Energieversorgung. Sie wollen noch in diesem Jahrhundert das Zeitalter der fossilen Energie beenden, heißt es im Abschlussbericht des Gipfels in Elmau.
  • Bis 2050 wollen die Industriestaaten ihre Energieversorgung umbauen. Zeitgleich soll der Ausbau erneuerbarer Energien in Afrika und Entwicklungsländern stärker gefördert werden.
  • Zu den weiteren Zielen der G-7-Staaten gehört der Kampf gegen den Hunger und ein weltweites Freihandelsabkommen.
Von Michael Bauchmüller und Cerstin Gammelin, Schloss Elmau

Die Gruppe der sieben führenden Wirtschaftsmächte will das Zeitalter der fossilen Energie beenden und verlangt erstmals einen radikalen Umbau der Energieversorgung. Um die Erderwärmung zu begrenzen, seien "tiefe Einschnitte bei den Treibhausgasemissionen nötig", heißt es im Schlussdokument des G-7-Gipfels am Montag auf Schloss Elmau. Dazu zähle auch eine "Dekarbonisierung der Weltwirtschaft im Laufe dieses Jahrhunderts". Sie würde den Verzicht auf Kohle, Öl, Gas verlangen - es sei denn, die klimaschädlichen Kohlendioxid-Emissionen lassen sich abscheiden und speichern.

Bis zuletzt hatten die sieben Industriestaaten um das Klimakapitel gerungen, nun enthält es eine ganze Reihe weitreichender Zugeständnisse. So wollen die G-7-Staaten selbst schon bis 2050 ihre Energieversorgung umgebaut haben. Parallel wollen sie den Ausbau erneuerbarer Energien in Afrika und Entwicklungsländern stärker fördern.

"Das Ergebnis harter Verhandlungen"

Das Klimaabkommen, das im Dezember in Paris verabschiedet werden soll, müsse alle Staaten auf einen klimafreundlichen Pfad bringen, mit dem sich die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad begrenzen lässt - gemessen an Zeiten vor der Industrialisierung, als die Verbrennung fossiler Ressourcen begann. "Wir haben uns sehr klar dazu bekannt, dass wir verbindliche Regeln im Kern des Abkommens brauchen", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Gipfel.

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Vor allem Japaner und Kanadier hatten sich gegen verbindliche Formulierungen gesträubt, hieß es aus Verhandlungskreisen. Erst die entschiedene Haltung von US-Präsident Barack Obama habe die Klima-Vereinbarung möglich gemacht. Merkel räumte ein, die Formulierungen seien "das Ergebnis harter Verhandlungen gewesen". Vor allem Deutschland und Frankreich hatten auf starke Worte zum Klimaschutz gedrungen - Frankreich schon wegen seiner Rolle als Gastgeber der Paris-Konferenz. "Von jetzt an geht es um das Ende des fossilen Zeitalters", sagte Christoph Bals, Klimaexperte bei Germanwatch.

Obama mahnt Athen zur Eile

Die Staats- und Regierungschefs berieten auch über Entwicklungspolitik. Sie diskutierten Konsequenzen aus der Ebola-Epidemie, den Umgang mit der Terrormiliz Islamischer Staat und die wachsende Zahl von Flüchtlingen. Sie verpflichteten sich, bis 2030 zusätzlich 500 Millionen Menschen vom Hunger zu befreien. Im September wollen sich die Vereinten Nationen in New York neue Ziele für die nachhaltige Entwicklung setzen. Der Kampf gegen den Hunger gehört dazu.

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Die G 7 strebt ein weltweites Freihandelsabkommen an. Merkel forderte in den Verhandlungen um das transatlantische Abkommen zwischen den USA und der EU "deutliche Fortschritte bis Ende des Jahres". Einig zeigte sich die G 7, die Ukraine bei Reformen zu unterstützen. Der IWF prüft Finanzhilfen. Merkel warnte, dass die Zeit knapp werde, um die griechische Krise zu lösen: "Jeder Tag zählt", sagte sie. Für Mittwoch kündigte sie ein Treffen mit Premier Alexis Tsipras in Brüssel an. Obama mahnte Athen ungewöhnlich offen zur Eile. Die Regierung müsse endlich "harte Entscheidungen" treffen.

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