Französische Soldaten in Westafrika Malis Armee startet Offensive

Kaum hat die Regierung in Mali Unterstützung durch die französische Armee, meldet sie erste Erfolge im Kampf gegen aufständische Islamisten. Armeesprecher teilten mit, dass die wichtige Stadt Konna von Regierungstruppen eingenommen wurde.

Wenige Stunden nachdem Frankreichs Präsident François Hollande bekannt gegeben hat, dass französische Truppen in Mali kämpfen, vermeldet die Armee Malis erste Erfolge. Mit der militärischen Unterstützung Frankreichs haben die Streitkräfte Malis eine strategisch wichtige Stadt im Norden des afrikanischen Landes von islamistischen Rebellen zurückerobert. Regierungssoldaten seien wieder in Konna eingerückt, sagte ein Armeesprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Zurzeit durchkämmten Soldaten die Stadt nach versteckten Islamisten, sagte ein Vertreter des malischen Verteidigungsministeriums, Diarran Koné, der Nachrichtenagentur AFP.

Die Stadt war erst am Vortag von Al-Kaida-nahen Aufständischen besetzt worden. Die Islamisten müssen die Stadt einnehmen, um weiter in den Süden von Mali vordringen zu können.

Französische Soldaten sind seit Freitagnachmittag aktiv an den Kämpfen im westafrikanischen Mali beteiligt. Präsident François Hollande sagte in Paris, Ziel sei es, die Armee des Landes beim Kampf gegen "terroristische Elemente" zu unterstützen. "Dieser Einsatz wird so lange dauern wie nötig", sagte Hollande.

Er sei damit dem Hilfeersuchen des malischen Präsidenten Dioncounda Traoré nachgekommen, der Frankreich um militärische Unterstützung gebeten hatte. Zur Begründung für das französische Eingreifen sagte Hollande, es gehe um die Existenz dieses "befreundeten Staates, um die Sicherheit seiner Bevölkerung und die unserer Landsleute". Mali sei einer "Aggression von terroristischen Elementen aus dem Norden" des Landes ausgesetzt, deren "Brutalität und Fanatismus" bekannt seien.

Mali hatte in einem Brief Frankreich, das von 1893 bis 1960 dort Kolonialmacht war, um Hilfe gebeten. Allerdings hatte Hollande zunächst lediglich eine Ausbildung malischer Soldaten unterstützen wollen, eine direkte Entsendung von Soldaten nach Mali sollte afrikanischen Ländern überlassen bleiben. Frankreich würde nur nach einer internationalen Entscheidung eingreifen, hieß es noch am Freitagmittag aus Paris. Hollande sagte, sein Land handele "streng im Rahmen der Vereinten Nationen". Angesichts des Vormarsches der Islamisten ist die Regierung in Paris aber der Ansicht, dass sich die Lage nun geändert habe.

Frankreich will beim Einsatz seiner Truppen auch zwei im Norden des Landes entführte französische Geiseln befreien. Frankreich werde "alles tun", um die Geiseln zu retten, sagte Außenminister Laurent Fabius. Dieselben terroristischen Gruppen, die aktuell in Richtung Süden vorstießen, hielten seit November 2011 auch die Geiseln gefangen.

In Mali haben nach einem Militärputsch im März Islamisten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht und dort das islamische Recht der Scharia ausgerufen. In den vergangenen Tagen waren die Islamisten weiter Richtung Süden vorgerückt und hatten zuletzt den Ort Konna nahe der Stadt Mopti im Zentrum des Landes eingenommen.

Paris fordert alle Franzosen zum Verlassen des Landes auf

Zur Rückeroberung Konnas startete die malische Armee nach Angaben aus Offizierskreisen am Freitag eine Offensive. Daran seien auch ausländische Flugzeuge "befreundeter Staaten" beteiligt gewesen, sagte ein Angehöriger des Militärs. Nachbarländer und auch westliche Staaten befürchten, dass Mali zu einem Rückzugsgebiet für islamische Terroristen werden könnte.

Der UN-Sicherheitsrat in New York hatte sich am Donnerstag für die schnelle Entsendung einer afrikanisch geführten Militärmission ausgesprochen. In einer Erklärung forderte das Gremium die UN-Mitgliedstaaten auf, "den malischen Sicherheitskräften zu helfen, die von den terroristischen Organisationen ausgehende Bedrohung zu reduzieren".

Die Regierung in Paris hat wegen der Unruhen unterdessen alle französische Staatsbürger zum Verlassen des westafrikanischen Krisenstaates aufgefordert. Alle Franzosen, deren Anwesenheit nicht unabdingbar sei, sollten abreisen, heißt es in einer Warnung des Außenministeriums. Begründet wurde dies mit der "drastischen Verschlechterung der Sicherheitslage". Auch das deutsche Außenministerium hat eine Reisewarung für Mali ausgegeben.

Einen Kampfeinsatz der Bundeswehr schließt die Regierung in Berlin aber derzeit aus. Außenminister Guido Westerwelle rief dazu auf, die politischen Bemühungen für ein Ende der Krise nochmals zu verstärken. "Eine allein militärische Lösung wird es nicht geben." Frankreich habe die Bundesregierung vorab über die Entsendung von Truppen nach Mali informiert. "Die europäischen Planungen über eine mögliche künftige Ausbildungsmission für die malischen Sicherheitskräfte und die Notwendigkeit eines politischen Prozesses bleiben unberührt.", so der deutsche Außenminister.

Die Europäische Union plant etwa 200 Militärberater zu entsenden, die malische Soldaten auf den Kampf gegen Rebellen vorbereiten sollen. Nach Angaben von Diplomaten in Brüssel ist jedoch nicht daran gedacht, diesen Einsatz in irgendeiner Weise auszuweiten. Die Europäische Union will die Militärausbilder allerdings rascher als bisher geplant nach Mali schicken, sagte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton.