Frankreichs Krieg in Mali Hollandes riskante Mission gegen die Islamisten

Ein französischer Konvoi nahe des Militärflughafens in Bamako.

(Foto: AFP)

Aus dem Erste-Hilfe-Einsatz in Mali ist eine massive politisch-militärische Mission geworden. Kaum scheint der Vorstoß der Islamisten gestoppt, will Präsident Hollande das ganze Land befreien. Doch so groß die Ziele sind, so groß sind die Risiken: Mit der Intervention wird Frankreich zum Hassobjekt von Islamisten.

Ein Kommentar von Stefan Ulrich, Paris

Wer, wie François Hollande, in den Krieg zieht, muss seine Ziele genau festlegen, um irgendwann aus dem Krieg auch wieder herauszufinden. Als die Franzosen begannen, Terroristen und Rebellen in Mali zu beschießen, erklärten sie, den Vormarsch der Dschihadisten stoppen zu wollen. Kaum scheint das gelungen zu sein, weiten sich die Kriegsziele aus. Hollande bestimmt jetzt als Präsidenten-General, er wolle ganz Mali befreien, die Einheit des Landes schützen und erst abziehen, wenn es eine legitime Regierung und einen Wahlprozess gibt. Aus dem Erste-Hilfe-Einsatz ist eine massive politisch-militärische Mission geworden.

So groß die Ziele sind, so groß sind die Risiken. Die französischen Soldaten werden womöglich lange bleiben müssen. Falls die angekündigte afrikanische Eingreiftruppe zu langsam oder schwach agiert, werden die Franzosen weiter kämpfen. Ihre Gegner - Islamisten, versprengte Söldner, Drogenhändler und Tuareg - dürften bald die direkte Konfrontation meiden, sich in kleine Kampfgruppen aufspalten und in den Weiten des Landes abtauchen. Einige werden in Nachbarländer eindringen, dort Terror stiften und - wie am Mittwoch in Algerien - Ausländer als Geiseln nehmen. Durch seine Intervention wird Frankreich Hassobjekt von Islamisten in aller Welt.

Es wäre scheinbar bequemer für Hollande gewesen, Mali seinem Schicksal zu überlassen. Doch auch Nichtstun hat Folgen. Ohne die Intervention würden Islamisten wahrscheinlich ganz Mali in ein Fundamentalistan verwandeln. Von Mali aus würden sie darangehen, Nachbarländer zu destabilisieren. Da in Frankreich Millionen Menschen mit Wurzeln in Nord- und Westafrika leben, würde das Land am Ende doch in den Konflikt hineingezogen.

Deutschland hilft gerade soviel wie ausreichend

Hollande hat sich daher entschieden, den Anfängen zu wehren. Dabei fällt er nicht in die Muster des französischen-afrikanischen Machtklüngels früherer Zeiten zurück. Der Gendarm aus Paris will diesmal keine befreundeten Potentaten stützen, sondern das Vordringen von Terrorgruppen stoppen. Damit dient Hollande Europa, das größte Probleme bekäme, wenn Teile Afrikas in die Fänge fanatisierter Kampftrupps gerieten.

Bislang bekommt Hollande für diesen Krieg viel Zuspruch in Frankreich. Das geschieht nicht aus Kriegslust, sondern aus dem Gefühl heraus, als ehemalige Kolonialmacht im frankophonen Afrika bei existenziellen Krisen in der Pflicht zu stehen. Zudem tröstet sich Frankreich in Zeiten der Wirtschaftskrise damit, weiter eine Militärmacht zu sein, die etwas bewegen kann.

Auch das Ausland reagiert wohlwollend auf Hollande. Dabei sind die Worte beherzter als die Taten. Das gilt besonders für die Bundesregierung. Sie hilft gerade so viel, wie sie für ausreichend hält, um als engster Freund Frankreichs halbwegs das Gesicht zu wahren. Die Franzosen akzeptieren das nach außen hin generös - sie haben wohl nicht mehr erwartet. Hollande aber hätte bei seinem Einsatz in Mali mehr verdient als etwas Logistik und ein bemühtes: "Bonne chance!"