Frankreich Macron und Le Pen in der Stichwahl ums Präsidentenamt

Hofft auf das Präsidentenamt: der 39 Jahre alte Emmanuel Macron am Abend mit seiner Frau Brigitte Trogneux.

(Foto: AFP)
  • Der Mitte-links-Politiker Macron liegt Hochrechnungen zufolge mit 23,9 Prozent der Stimmen bei der Präsidentschaftswahl vorn.
  • An zweiter Stelle folgte die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 21,4 Prozent.
  • Sozialisten und Konservativen müssen sich nach der Niederlage ihrer Kandidaten rasch neu aufstellen: Am 18. Juni wählt Frankreich ein neues Parlement.
Von Leo Klimm und Christian Wernicke, Paris

Im Kampf um die Macht in Frankreich hat sich am Sonntagabend bei der Präsidentenwahl ein Sieg von Emmanuel Macron abgezeichnet. Laut Hochrechnungen lag der Mitte-links-Politiker mit 23,9 Prozent der Stimmen vor Mitternacht vorn. An zweiter Stelle folgte die Rechtspopulistin Marine Le Pen mit 21,4 Prozent. Die Stichwahl findet am 7. Mai statt.

Der konservative Kandidat François Fillon und der linksextreme Jean-Luc Mélenchon lagen bei 19,9 und 19,5 Prozent der Stimmen. Beide hatten vor der Wahl zu den vier Favoriten unter den elf Bewerbern gezählt. Fillon räumte noch am Abend die Niederlage seiner Republikaner ein und rief zur Wahl Macrons auf. Die regierenden Sozialisten kamen mit ihrem Kandidat Benoît Hamon auf 6,3 Prozent der Stimmen. Hamon sprach von einem "Desaster", für das er die volle Verantwortung übernehme. Auch er forderte dazu auf, in der Stichwahl für Macron zu stimmen. Macron selbst bezeichnete seinen Erfolg als Zeichen für den "Wunsch der Franzosen nach Erneuerung".

Le Pen nannte ihren Einzug in die Stichwahl ein "historisches Ergebnis". Es sei "Zeit, das französische Volk von den arroganten Eliten zu befreien, die ihm sein Verhalten vorschreiben wollen". Der Front National sei die Alternative zur "wilden Globalisierung", die die Zivilisation gefährde.

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Das Ergebnis vom Sonntag erschüttert die politische Ordnung der Fünften Republik. Nie zuvor war der Front National bei einer Präsidentenwahl mit mehr als 20 Prozent der Stimmen so stark. Und noch nie waren Frankreichs traditionelle Regierungsparteien - Republikaner und Sozialisten - mit einem Anteil von gerade einmal gut 25 Prozent so schwach.

In Reihen der Sozialisten (PS) wird ein Machtkampf um die künftige Führung der Partei erwartet. Hamon, ein Linkssozialist und innerparteilicher Gegner des sozialdemokratischen Reformkurses von Amtsinhaber François Hollande, hatte sich bereits während des Wahlkampfes scharfer Kritik des rechten Flügels ausgesetzt gesehen. So hatte der frühere Premier Manuel Valls zur Wahl von Macron aufgerufen. Die Sozialisten müssen sich schnell neu formieren. Am 18. Juni wählen die Franzosen eine neue Nationalversammlung.

57 000 Polizisten und Soldaten sicherten die Wahl

Ähnliche interne Unruhe drohte auch den Republikanern, nachdem ihr Spitzenkandidat Fillon es nicht in die Stichwahl geschafft hatte. Viele Konservative hoffen jedoch, ihre Partei könne im Juni stärkste Kraft in der Nationalversammlung werden und die Regierung anführen. Das neue Staatsoberhaupt müsste sich dann mit der Situation arrangieren, dass Präsident und Premierminister aus unterschiedlichen Lagern stammen.

50 000 Polizisten und Gendarmen sowie 7000 Soldaten sicherten den Urnengang. Wähler mussten sich vor Betreten ihrer Wahllokale Personenkontrollen mit Scannern und Detektoren gefallen lassen. Im Laufe des Abends zeichnete sich eine Wahlbeteiligung wie vor fünf Jahren von knapp 80 Prozent ab. Befürchtungen, dass bis zu einem Drittel der Franzosen die Stimmabgabe verweigern, bewahrheiteten sich nicht.

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