Forum "Offenes Russland" Chodorkowski liebäugelt mit der Politik

Der Kreml-Kritiker Michail Chodorkowski wenige Tage nach seiner Haftentlassung im Jahr 2013.

(Foto: Bloomberg)

Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski will im Rahmen der Bewegung "Offenes Russland" proeuropäische Russen zusammenbringen. Noch gibt er sich zurückhaltend, doch der Kritiker von Präsident Putin kann sich offenbar vorstellen, unter Umständen dessen Amt zu übernehmen.

  • Michail Chodorkowski hat eine proeuropäische Oppositionsbewegung ins Leben gerufen.
  • Der einst reichste Mann Russlands hat dabei die Präsidentschaftswahlen 2016 im Blick.

Chodorkowski: Würde unter Umständen Russlands Präsident werden

Der frühere russische Ölmagnat Michail Chodorkowski hat die proeuropäische Bewegung "Offenes Russland" gegründet. Sie soll über eine Online-Plattform ein Forum für Gleichgesinnte bieten - ist laut Chodorkowski aber keine politische Partei. Der ehemals reichste Mann Russlands war im vergangenen Dezember von Putin begnadigt worden. Im Gegenzug für seine Haftfreilassung soll er angeblich versprochen haben, sich aus der russischen Politik herauszuhalten.

In einem Interview mit Le Monde klingt an, dass Chodorkowski sich daran nicht unbedingt halten will. Danach gefragt, ob er Russlands Präsident werden wolle, antwortete der 51-Jährige, er wäre nicht daran interessiert, Kreml-Chef zu werden, wenn Russland sich "normal" entwickelt. Sollte es jedoch notwendig erscheinen, die Krise zu überwinden und eine Verfassungsreform einzuleiten, "dann wäre ich bereit, diesen Teil der Arbeit zu übernehmen", fügte er hinzu.

Russen wählen in zwei Jahren

Die Gründungszeremonie von "Offenes Russland" in Paris wurde im Internet übertragen. Chodorkowski rief seine Landsleute auf, sich vor den Parlamentswahlen 2016 für einen politischen Kurswechsel und Rechtsstaatlichkeit einzusetzen. Dass Russland nicht zu Europa gehöre, sei "eine Lüge derjenigen, die das Land ein Leben lang beherrschen wollen, die auf Gesetz und Justiz spucken", sagte er, in Wirklichkeit sei Russland "sowohl geografisch als auch kulturell" ein Teil Europas, sagte Chodorkowski.

Als Chef des inzwischen zerschlagenen Ölkonzerns Yukos war Chodorkowski 2003 festgenommen und später wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu jahrelanger Lagerhaft verurteilt worden. Inzwischen lebt er in der Schweiz. Die Prozesse gegen Chodorkowski wurden vom Westen als politisch motiviert kritisiert. Eine offizielle Reaktion des Kreml auf die Gründung von "Offenes Russland" gab es zunächst nicht. Das mögliche Comeback des Putin-Rivalen Chodorkowski spielte in den russischen Staatsmedien bisher praktisch keine Rolle.