Fortsetzung im NSU-Prozess Ein Mann mit Baseballkappe schiebt die Bombe

Am ersten Verhandlungstag nach der Sommerpause wird im NSU-Prozess der Nagelbombenanschlag von Köln gezeigt. In dem Video ist zu erkennen, wie die Täter den Sprengsatz platzieren. Beate Zschäpe schaut genau hin - sie sieht die Männer, mit denen sie jahrelang zusammengelebt hat.

Aus dem Gericht von Annette Ramelsberger

Am Oberlandesgericht München ist am Donnerstag nach vierwöchiger Pause der Prozess gegen Beate Zschäpe und vier Unterstützer der terroristischen Vereinigung Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) weitergegangen. Gezeigt wurden die Überwachungsvideos aus der Kölner Keupstraße, wo der NSU im Jahr 2004 eine Nagelbombe deponierte. Die Bombe wurde auf einem Fahrrad vor einem Friseurladen abgestellt. Bei der Explosion verletzten Hunderte Zimmermannsnägel mehr als 200 Menschen. Auf den Videos, die nahe der Keupstraße aufgenommen wurden, sieht man fröhliche Menschen. Sie sitzen in der Sonne, rauchen, quatschen. Aus dem Hintergrund taucht ein Mann mit einer Baseballkappe auf, er schiebt zwei Fahrräder. Dann kommt ein anderer Mann ins Bild, auch er trägt eine Schirmmütze, er schiebt ein Rad mit einem Hartschalenkoffer auf dem Gepäckträger. Sehr vorsichtig. Er schiebt es in Armlänge an den Menschen vorbei, die auf der Straße stehen. Er schiebt die Bombe. Und die jungen Leute stecken sich eine Zigarette an, bemerken ihn nicht. Die Bombe ist 80 Zentimeter von ihnen entfernt. Sie explodiert nur ein paar Minuten später.

Beate Zschäpe hat sich ihre Brille aufgesetzt, sie schaut genau auf die Videos, die ohne jeden Ton laufen. Sie sieht die Männer, mit denen sie 13 Jahre zusammengelebt hat.