Flüchtlingsdrama vor Lampedusa Martin Schulz verlangt von Deutschland mehr Hilfe

Mehr als 190 Menschen kamen vor Lampedusa ums Leben: Nach dem Flüchtlingsdrama in der vergangenen Woche werden Forderungen nach einer Änderung der europäischen Politik lauter. EU-Parlamentspräsident Schulz richtet harte Worte an die Länder und spricht von einer Schande. EU-Kommissionspräsident Barroso wird die Insel besuchen.

Nach der Bootskatastrophe vor Lampedusa hat Europaparlamentspräsident Martin Schulz die Bundesregierung zur Aufnahme zusätzlicher Flüchtlinge aufgefordert. "Es ist eine Schande, dass die EU Italien mit dem Flüchtlingsstrom aus Afrika so lange alleingelassen hat", kritisierte der SPD-Politiker in der Bild-Zeitung.

Die Flüchtlinge müssten in Zukunft gerechter auf die EU-Mitgliedsstaaten verteilt werden. "Das heißt auch, dass Deutschland zusätzliche Menschen aufnehmen muss", verlangte Schulz. Über das Thema müssten die EU-Staaten auf ihrem Gipfel in Oktober in Brüssel beraten, wird er zitiert.

An diesem Mittwoch wird EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso auf der Insel erwartet, "um meine Solidarität nach der Tragödie zum Ausdruck zu bringen", wie er twitterte. Die EU-Innenminister werden am morgigen Dienstag bei ihrem Treffen in Luxemburg über Konsequenzen für die europäische Flüchtlingspolitik beraten.

Bundesentwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) sagte dem Bericht zufolge, "dass wir eine gemeinsame europäische Migrations- und Flüchtlingspolitik brauchen". Der Unions-Außenexperte Philipp Mißfelder forderte in der Zeitung mehr Unterstützung für Afrika.

Am Donnerstag war ein Boot mit 500 Flüchtlingen aus Eritrea und Somalia vor der italienischen Insel Lampedusa gesunken. Rettungskräfte hatten der Nachrichtenagentur Ansa zufolge am Sonntag 83 weitere Leichen geborgen. Damit stieg die Zahl der Opfer auf 194, die Behörden rechnen mit weiteren Toten. Gegen die 155 Überlebenden soll wegen illegaler Einwanderung ermittelt werden. Ihnen drohen Geldstrafen von bis zu 5000 Euro. Das Wrack liegt in etwa 40 Meter Tiefe.