Flüchtlinge Schwäbisch Gmünd will Zeichen gegen Menschenfeindlichkeit setzen

  • Nach einem Brandanschlag auf eine Flüchtlingsunterkunft in Schwäbisch Gmünd will die Stadt klar Stellung beziehen.
  • 300 Menschen haben sich zu einer Mahnwache versammelt.
  • Der Bürgermeister der Stadt machte durch seine Aktionen immer wieder von sich reden.

Einstehen für Toleranz und Menschlichkeit

Nach einem Brandanschlag auf eine noch nicht fertige Flüchtlingsunterkunft will die Stadt Schwäbisch Gmünd ein Signal gegen Fremdenfeindlichkeit setzen. Am Freitagabend kamen Bürger zu einer Mahnwache zusammen. Mehr als 300 Menschen haben sich nach Angaben der Stadt vor dem Rohbau des Gebäudes versammelt, um für Toleranz und Menschlichkeit einzustehen.

Bei dem Brand am frühen Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags wurde niemand verletzt. Die Schäden an dem noch nicht fertigen Gebäude hielten sich in Grenzen, weil die Flammen schnell entdeckt wurden. "Wir können da relativ flott weiterbauen", sagte ein Sprecher der Stadt Schwäbisch Gmünd. Die Unterkunft soll vom Frühjahr an bis zu 120 Flüchtlingen eine Bleibe bieten.

Ermittler: "Müssen von Brandstiftung ausgehen"

Der Brand in Schwäbisch Gmünd habe sich nicht selbst entzündet, da sind sich die Ermittler nahezu sicher. "Es gibt entsprechende Spuren, die im Moment den Schluss zulassen, dass wir von Brandstiftung ausgehen müssen", sagte der Leiter der Kriminalpolizei Aalen. Details nannte er nicht. Ob es sich um eine politisch motivierte Tat handelt, sei noch unklar. Hunde sollten nach Spuren suchen.

Eine zufällig vorbeikommende Streife der Bosch-Werksfeuerwehr hatte das Feuer am Freitag gegen 3.30 Uhr gesehen und sofort mit dem Löschen begonnen, wie Möller weiter sagte. Den Schaden schätzt die Polizei auf rund 20 000 Euro. Wäre der Brand nur 15 bis 30 Minuten später entdeckt worden, wäre von dem aus Holz errichteten Gebäude vermutlich nicht mehr viel übrig gewesen, sagte Möller.

"Ganz feige Tat"

Politiker reagierten parteiübergreifend mit Entsetzen. Der Oberbürgermeister von Schwäbisch Gmünd, Richard Arnold (CDU), sprach von einer "ganz feigen Tat". Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) verurteilte die "widerwärtige Tat" aufs Schärfste: "Ein Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim ist immer auch ein Angriff auf unsere Gesellschaft." Innenminister Reinhold Gall (SPD): "Dass selbst an Weihnachten eine solche Tat verübt wird, ist erbärmlich."

Oberbürgermeister Arnold machte in der Integrations- und Flüchtlingspolitik immer wieder von sich reden. Auf sein Betreiben hin hatten im vergangenen Jahr mehr als 70 Flüchtlinge bei der Landesgartenschau mitgeholfen. Im November hatte der CDU-Politiker den Ruf von Parteifreunden nach einem nur begrenzten Familiennachzug für syrische Flüchtlinge als unchristlich zurückgewiesen.

Polizei fährt verstärkt Streife

Im Sommer hatte es vermehrt in Unterkünften für Asylbewerber im Südwesten gebrannt, meist bevor diese bezogen wurden. In einigen Fällen handelte es sich um gezielte Anschläge.

Sicherheitsmaßnahmen rund um Asylbewerberunterkünfte und Gebäude, die als solche geplant seien, müssten weiter erhöht werden, forderte der CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf. Die Polizei fährt seit der Brandstiftung bereits verstärkt Steife.