Guido Westerwelle ist als FDP-Parteivorsitzender wiedergewählt und hat eine gute Rede gehalten. Doch gesagt hat er zu den wichtigen Fragen nichts.
Gemessen an Angela Merkel, Frank-Walter Steinmeier oder Renate Künast ist der Redner Guido Westerwelle eine Wohltat. Der FDP-Chef hat Gefühl für Dramaturgie, spricht prägnant und formuliert bisweilen sogar originell. Besonders faszinierend an der Rede Westerwelles auf dem Parteitag in Hannover war allerdings, wie er ausführlich über die beiden wichtigsten Fragen räsonierte, ohne sie wirklich zu beantworten.
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(© Foto: Reuters)
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Erstens: In der Steuerpolitik gefällt sich Westerwelle in der Rolle des Solitärs, der auch aus gähnend leeren Kassen noch Geld für Entlastungen holen will. Nur wann, das lässt Westerwelle wortreich offen. Stattdessen dokumentierte er in Hannover die ganze Ungerechtigkeit des Systems in einem Vergleich: 1961, in seinem Geburtsjahr, habe man mit dem 14-Fachen des Durchschnittsverdienstes den Spitzensteuersatz bezahlen müssen - heute reiche das 1,4fache, um im höchsten Tarif zu landen.
Dass keine andere Partei in diesen 48 Jahren länger an der Regierung war als die FDP, sagte Westerwelle nicht. Ein halbes Jahrhundert lang hat auch die Liberalen die Progression kalt gelassen, die sie nun entschärfen wollen.
Zweitens: Genauso unbeantwortet blieb die Koalitionsfrage. Natürlich will Westerwelle gerne mit Merkel regieren. Aber nur weil er die Ampel-Koalition in Hannover nicht erwähnte, hat er sie als Option wohl nicht gestrichen. Was bleibt ihm auch übrig? Ein wenig zu liebedienerisch kamen zuletzt all die Äußerungen prominenter Liberaler daher, die Westerwelle auch für weitere vier Jahre Opposition Unterstützung zusagten. Einige von ihnen werden die Ersten sein, die im Zweifel fordern, mit der Ampel noch Schlimmeres zu verhindern.
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(SZ vom 16.5.2009/vw)
Nur die Zahlen sind noch viel dramatische wenn man sie auf den Zeitpunkt der Einführung des progressiven Steuertarifs bezieht: Bei Einführung der Steuerprogression im Jahre 1958 griff der Spitzensteuersatz 1958 beim 20-fachen Durchschnittsverdienst, heute bereits beim 1,2-fachen!
Da sieht man ganz klar, wem die letzten Jahrzehnte am tiefsten in die Tasche gegriffen wurde!
der Mittelstand zahlt zu viel Lohn-und Einkommenssteuer, hauptsächlich verursacht durch die kalte (infationsbedingte) Progression. Da hat er recht, aber dann ist schon Schluss mit richtig.
Heute trägt die Lohn/EK-Steuer 38% des gesamten Staatshaushaltes, aber die Reichensteuern auf Gewinn und Vermögen sind in den vergangenen 30 Jahren von 28 % auf unter 13 % zurückgegangen. Und dafür war nicht zuletzt die FDP hauptverantwortlich und ist bis heute stolz darauf.
In der Realität sieht es so aus: Die FDP unter Westerwelle kämpft bei der Gesetzgebung erfogreich dafür, dass die Superreichen steuerlich immer mehr entlastet und reicher werden, in den Medien aber wirbt sie um den Mittelstand, für dessen Niedergang sie mit verantwortlich ist.
Denn ohne eine angemessene Beteiligung der Superreichen am Steueraufkommen kann der Staat den Mittelstand nicht entlasten. Das haben neben Linken und Grünen mittlerweile auch Teile der SPD und Union eingesehen.
Diese demagogische Schreierei nennen Sie eine gute Rede? Mit Formulierungen a la 'Deutsche, wehrt euch...' Eine solche Rede ist eine Schande! Herr Fried nennt im zweiten Teil seines Kommentars denn auch wesentliche Punkte, die sich die Wähler gut merken sollten: Keine Partei war in der Geschichte der Bundesrepublik länger mit am Ruder. Diese Partei ist in hohem Maße für einige der durchaus beklagenswerten Zustände im Lande verantwortlich. Inhaltsleeres Bla bla mit bedeutungsschwangeren Formulierungen durchsetzt war dieses Ersprochene aus Westerwelles Mund, weiter nichts!