Facebook-Investor Peter Thiel Auf der Suche nach der Zukunft

Online-Netzwerke hält er für beschränkt, dennoch ist der Deutsche Peter Thiel der große Gewinner des Facebook-Börsengangs. Während Mark Zuckerberg als Geldvernichter gilt, hat Thiel aus 500.000 Dollar mehr als eine Milliarde gemacht. Ein neues Investitions-Projekt hat er auch schon.

Von Moritz Koch, New York

Peter Thiel treibt eine Frage um, sie ist sein Antrieb und sein Kompass. Er will wissen, was aus der Zukunft geworden ist. Denn die Ära, in der alles möglich zu sein schien - Städte am Meeresgrund, Raumstationen auf dem Mars - diese Ära sei Vergangenheit. Thiel hat seinen Frust in einem Manifest festgehalten, der Untertitel: "Wir wollten fliegende Autos, stattdessen haben wir 140 Buchstaben bekommen." Thiel will die Zukunft in eine Utopie zurückverwandeln. Die Welt der Online-Netzwerke, in der Kurznachrichten von Twitter das Denken bestimmen, hält er für beschränkt.

Was nicht heißt, dass Thiel nicht wüsste, wie man den Hype um Social Media zu Geld machen kann. Er kann das besser als jeder andere. Thiel zählt zu den erfolgreichsten Investoren im Silicon Valley. Im Sommer 2004 gab er einem 20-jährigen Studienabbrecher 500.000 Dollar und sicherte sich dafür Anteile an dessen Internetfirma. Es sollte eines der besten Investments des Informationszeitalters werden.

Der Studienabbrecher hieß Mark Zuckerberg und seine Firma Facebook. Heute wird Facebook an der Börse als multimilliardenschweres Unternehmen gehandelt, und Thiel macht jetzt Kasse. Er nutzte den Ablauf einer Haltefrist, und stieß 20 Millionen Facebook-Aktien ab. Sein Erlös: 400 Millionen Dollar. Schon im Mai hatte er mehr als 600 Millionen Dollar mit Facebook-Aktien gemacht.

Aus Thiels Sicht ist der Börsengang also ziemlich gut gelaufen. Ein Gewinn von mehr als einer Milliarde auf ein Investment von 500.000 Dollar. Aus der Sicht Zuckerbergs und etlicher Kleinanleger lässt sich das nicht behaupten. Innerhalb von drei Monaten hat sich der Firmenwert von Facebook halbiert.

Facebook war für ihn immer nur ein Mittel zum Zweck

Zuckerberg, eben noch als Genie gefeiert, steht plötzlich als Kapitalvernichter da. 5,6 Millionen Facebook-Aktien hält Thiel noch. Doch das Auf und Ab an der Börse dürfte er ziemlich leidenschaftslos verfolgen. Facebook war für ihn immer nur ein Mittel zum Zweck. Nie die Zukunft, nur eine Geldanlage, um die Zukunft möglich zu machen.

Thiel stammt aus Deutschland. 1967 wurde er in Frankfurt geboren, Wurzeln schlug er in San Francisco. Den Grundstein für seine Karriere legte Thiel Ende der Neunzigerjahre, als er Paypal aufbaute, einen Dienst für Onlinezahlungen. In der Weltanschauung des Investors mischt sich Fortschrittsgläubigkeit mit einem libertären Staatsverständnis.

Kürzlich spendete Thiel 900 000 Dollar an eine Wahlkampforganisation des Republikaners Ron Paul, der die Regierung aus der Wirtschaft vertreiben will. Mit seinen politischen Investments hat Thiel offenbar weniger Glück: Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur musste sich Paul dem gemäßigteren Mitt Romney geschlagen geben.

Bleibt noch das Projekt, die Zukunft wiederzubeleben. Thiel hat folgende Idee: Er bietet Firmengründern 100.000 Dollar, wenn sie ihr Studium hinwerfen. Für den Aufbruch in die Utopie braucht er Träumer, keine Theoretiker.

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