Expo in Shanghai Nazi-Rufe und Pöbeleien - wegen zu langer Wartezeit

Weil sie teilweise stundenlang vor dem deutschen Pavillon Schlange stehen müssen, reagieren die Besucher der Expo in Shanghai mit Randale.

Von Henrik Bork

Mit "Nazi"-Rufen vor dem deutschen Pavillon, Gerangel und Schlägereien vor den Ausstellungsräumen mehrerer Länder hat die Expo in Shanghai einen recht stürmischen Auftakt erlebt. Wiederholt versuchten chinesische Besucher, die zuvor stundenlang Schlange stehen mussten, sich gewaltsam Zugang zu den Ausstellungen zu verschaffen. In einem Protestbrief an die chinesische Expo-Leitung haben die Betreiber des deutschen Pavillons nun den Einsatz zusätzlicher Sicherheitskräfte gefordert.

"Ich habe persönlich beobachtet, dass die Mitarbeiter unseres Pavillons unerträgliches Verhalten seitens der Besucher ertragen mussten, einschließlich empörender persönlicher Beleidigungen und körperlicher Angriffe", schrieb der Generalkommissar des Deutschen Pavillons, Dietmar Schmitz, an die chinesischen Expo-Verantwortlichen.

Pavillon mit Blumen beworfen

Zu dem Zwischenfall war es bereits an einem der ersten Expo-Tage gekommen. Unter den Menschen, die lange auf Einlass warten mussten, befanden sich auch Rollstuhlfahrer. Die erboste Menge begann daraufhin, Blumen auszureißen und den deutschen Pavillon damit zu bewerfen.

Dann skandierten einige Chinesen "na cui, na cui", Chinesisch für Nazis. Mit dem Wort "Beleidigungen" habe er dabei die "Nazi"-Rufe gemeint, bestätigte Schmitz am Montag telefonisch der Süddeutschen Zeitung. "Ich muss Sie auffordern, die Sicherheitsvorkehrungen der Expo-Organisation zu verbessern", schrieb er weiter in seinem Brief an den chinesischen Expo-Generalkommissar, Hua Junduo. Die Probleme mit aggressiven Expo-Besuchern sind nicht auf den deutschen Pavillon beschränkt. Der englische Pavillon musste einmal kurzfristig geschlossen werden, weil die Massen außer Kontrolle zu geraten drohten. Auch beim Schweizer Pavillon ist von "einzelnen Zwischenfällen" die Rede. Augenzeugen berichteten von Schlägereien innerhalb der Schlangen und Beleidigungen des chinesischen Personals der Schweizer.

Die Mitarbeiter des deutschen Pavillons hätten schon mehrfach "110" wählen müssen, den Notruf der chinesischen Polizei, sagt Pressesprecherin Marion Conrady. Die Uniformierten rückten dann immer an und brächten die Lage "innerhalb weniger Minuten" wieder unter Kontrolle, berichtet Conrady. Seit einigen Tagen patrouilliert zudem chinesische Militärpolizei auf dem Gelände, zusätzlich zu den Expo-Ordnern und Zivilpolizisten.

"Die Chinesen wissen gar nicht genau, was sie da rufen"

50 Millionen Euro kostet allein der stolze deutsche Expo-Auftritt in Shanghai. Deutschland wollte sich in China von seiner besten Seite zeigen. Sprechchöre von Chinesen, die "Nazis! Nazis!" schreien, sind daher wohl als herber Rückschlag zu bezeichnen. "Ich glaube, die Chinesen wissen gar nicht genau, was sie da rufen", vermutet Schmitz.

Für die Rollstuhlfahrer habe man inzwischen ein "Ticket-System" eingeführt, sagt der deutsche Beamte. Auf seinen Brief, der vom 2. Mai datiert, hat er bisher allerdings keine Antwort der Chinesen erhalten. Aus den Sitzungsprotokollen der Expo-Macher sei jedoch erkenntlich, dass sie nach Lösungen für die vielen "ernsten administrativen Probleme" suchen, sagte Schmitz, im Hauptberuf Ministerialrat im deutschen Wirtschaftsministerium.

Viele ausländische Expo-Mitarbeiter haben zudem Probleme, ihre Visa verlängert zu bekommen und müssen auch immer wieder darum kämpfen, auf das Gelände gelassen zu werden. Sowohl die deutschen als auch die schweizerischen Expo-Sprecher betonten, dass sich die große Mehrzahl der chinesischen Besucher aber friedlich verhalte.

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