Ex-Verfassungsschützer Roewer stellt Buch vor Roewers Nähe zu rechtsextremen Kreisen

In dem Buch geht es irgendwie um alles, aber wenig um die NSU. Die hätten erst nach seinem Ausscheiden aus dem Amt angefangen zu morden, rechtfertigt Roewer sich. Er schreibt lieber über die Entstehung der neuen Bundesländer, die sozialen Verwerfungen, die Massenentlassungen, die - natürlich - korrupte politische Klasse. Ja, auch über seine Arbeit natürlich, den Extremismus im Land und ein bisschen auch den Rechtsextremismus. Ein Wort, das in seinem 279-Seiten-Werk auf mageren neun Seiten erwähnt wird.

Roewer wird heute mitverantwortlich gemacht dafür, dass seine Behörde zwar mit dem Terror-Trio zu seiner Zeit durchaus Kontakt hatte, aber deren mörderisches Potenzial nicht erkannt habe. Da widerspricht Roewer vehement. Alle entscheidenden Informationen seien weitergeben worden. Wenn Fehler gemacht worden seien, dann auf Seiten der Polizei.

Manche mögen es vielleicht als Fehler Roewers sehen, den Ares-Verlag gewählt zu haben, wenn sie sich bestimmte Zitate des Verlagschefs Dvorak-Stocker vor Augen führen. Der hat mal gesagt: "Gemessen an ihren Verbrechen waren Hitler und Stalin auf gleicher Augenhöhe, nur dass der eine den Krieg gewonnen hat." Oder: "Das NS-Regime ist nicht an seinen Verbrechen, sondern an seiner Dummheit gescheitert." Die Mörder von der NSU nennt er allen Ernstes "Polit-Gangster".

Wer Dvorak-Stocker sieht, der kommt um das Adjektiv "windig" nicht herum: Der dunkelblaue Anzug und die rote Krawatte lenken nur ungenügend vom ungebügelten Einstecktuch und dem faltigen Hemdkragen ab.

Der Ares-Verlag gelte als Plattform für Rechtsextreme, Antisemiten und krude Geschichtsrevisionisten, wird Roewer vorgehalten. Warum er sich nicht einen seriösen Verlag gesucht habe? Das sei ganz einfach, gibt Roewer zurück. Er habe auf Hinweis seines "Literaturagenten" die Autorenliste durchgesehen und seinen ersten Staatsrechtslehrer dort entdeckt. Und da habe er sich gesagt, wenn der da veröffentliche, dann sei das ein guter Verlag für ihn. Er meint Ingo von Münch, der bei Ares etwa das Buch "Frau, komm! Die Massenvergewaltigungen deutscher Frauen und Mädchen 1944/45" veröffentlichen konnte.

Dvorak-Stocker hat genug. Vielleicht hat er Sorge, dass ihm diese Pressekonferenz entgleitet. Jedenfalls will er weitere Fragen nicht mehr zulassen und beendet die Pressekonferenz. Kurz danach gehen Roewer und ein junger Mann im Atrium der Bundespressekonferenz zusammen einen Kaffee trinken. In der Pressekonferenz hatte sich der Mann als Schreiber der Zeitung Junge Freiheit zu erkennen gegeben. Auch so ein Blatt, das Rechtsextremen gerne eine Plattform bietet. Das Gespräch dauert länger. Roewer scheint sich wohl zu fühlen.

Vielleicht war nicht sein Umgang mit dem Zwickauer Trio skandalös. Vielleicht ist einfach nur der ganze Mann Roewer ein einziger großer Skandal.