Entwicklungshilfe in privater Hand Staaten gehen, Bill Gates kommt

Bill Gates steht für Entwicklungshilfe, wie sie Dirk Niebel sich vorstellt: Private Stiftungen und die Wirtschaft arbeiten Hand in Hand mit der Politik, die im Idealfall vor allem Vermittler ist.

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Auf Risiko: Private Stiftungen und Unternehmen mischen verstärkt in der internationalen Entwicklungsarbeit mit - und übernehmen damit Aufgaben der Staaten. Doch wie erfolgreich sind die Projekte von Bill Gates und Co.? Und wer profitiert davon?

Von Martin Mühlfenzl, Antonie Rietzschel und Thorsten Denkler, Berlin

Der Mann mit der Gelfrisur und dem Maßanzug kann es offenbar kaum ertragen. Es sei "absolut unakzeptabel", das viele Kinder auf der Erde ihre Potentiale wegen mangelnder Ernährung nicht ausschöpfen könnten.

Der Mann, der da neben Multimilliardär Bill Gates und Deutschlands Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel steht, heißt Liam Condon und ist Chef der Bayer CropScience AG. Man könnte ihn vielleicht, dem Anlass entsprechend, euphemistisch als "Pflanzenschützer" bezeichnen. In der Realität ist er der Leiter eines milliardenschweren Pestizid-Herstellers.

Gates und Condon stehen für Entwicklungshilfe, wie sie Dirk Niebel sich vorstellt: Private Stiftungen und die Wirtschaft arbeiten Hand in Hand mit der Politik, die im Idealfall vor allem Vermittler ist. An diesem Vormittag hatte der Minister den Microsoft-Gründer zum "CEO Roundtable " mit Vorstandvorsitzenden deutscher Unternehmen eingeladen. Vertreter der Zivilgesellschaft sollen auch dabei gewesen sein, haben an der Pressekonferenz aber - von Bill Gates mal abgesehen - nicht teilgenommen.

"German Food Partnership" nennt sich Niebels Leuchtturmprojekt, bei dem deutsche Konzerne wie Bayer CropScience ihr Engagement im Kampf gegen Hunger beweisen wollen - und nebenbei ihr Image aufpolieren. Bill Gates ist mit seiner Stiftung auch an Bord, seit Jahren versucht er, mit seinem Vermögen Gutes zu tun.

Geld rettet die Welt

Mit 36 Milliarden US-Dollar ist die Bill- und Melinda-Gates-Stiftung die größte private Stiftung der Welt. Allein 2011 investierte die Organisation umgerechnet 2,5 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Der gesamte Etat des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) sieht für 2013 etwa 6,3 Milliarden Euro vor.

Private Geldgeber und Unternehmen sind in den vergangenen Jahren verstärkt als Akteure in der Entwicklungszusammenarbeit aufgetreten. Der amerikanische Ökonom Jeffrey Sachs propagiert schon länger die These, dass durch die finanzielle Unterstützung seitens der Superreichen und Konzerne viel Gutes getan werden könne. Nach dem Motto: Geld rettet die Welt.

Benjamin Luig, agrarpolitischer Sprecher des Hilfswerks Misereor, findet das auch grundsätzlich gut. Allerdings müsse man die Frage stellen, ob das Geld sinnvoll eingesetzt würde. Im Fall der Agrarpolitik lautet seine Antwort klar: "Nein".

"Problematisch ist die enge Verknüpfung privater Stiftungen mit Unternehmen, wie im Falle der Gates-Stiftung die enge Zusammenarbeit mit Monsanto", sagt er. Das umstrittene Unternehmen wolle mit genmanipuliertem Saatgut Hunger und Mangelernährung bekämpfen - und damit auch geschäftlich profitieren. Für Bill Gates scheint das kein Problem zu sein. "Wir fördern Forschungsprojekte im Bereich der grünen Gentechnik", sagte er während der Pressekonferenz. Ob die dann eingesetzt werde, sei Sache der Regierungen vor Ort.

Hoffnung auf die Privatwirtschaft

Bayer CropScience ist auch in diesem Feld aktiv. Das Unternehmen forscht auf dem Gebiet der grünen Gentechnik, um Pflanzen resistent gegen Schädlinge oder Witterungseinflüsse zu machen. Gates unterstützt das. Die private Wirtschaft habe viel einzubringen, erklärt er. Wenn sie sich darauf einlasse, auch in armen Ländern zu investieren, dort Forschung voranzutreiben "und die Ergebnisse für alle verfügbar zu machen".

Benjamin Luig war in verschiedenen Ländern Afrikas, dort wo Hybrid-Samen und Pestizide nach Meinung von Bill Gates helfen sollen. Sein Fazit ist eindeutig: "Besonders den armen Bauern hilft diese Strategie überhaupt nicht", sagt er. Was sie bräuchten seien Lehrgänge zur richtigen Bewirtschaftung, sowie Saatgut-Netzwerke, in denen sich die Bauern untereinander austauschen könnten. Doch dafür müsse die Gates-Stiftung ihre Strategie ändern.