Mehr als 15.000 Menschen haben an die Opfer der Zerstörung Dresdens gedacht - und gegen den Aufmarsch der Neonazis demonstriert. Die Bilanz der Polizei: 27 Verletzte, Dutzende in Gewahrsam.
Die Dresdner haben ein Zeichen gesetzt. Zu Tausenden waren sie zum 65. Jahrestag der Bombardierung der Elbestadt am Samstag zum Rathaus geströmt. "Machen wir Dresden zu einer friedlichen, weltoffenen Festung gegen Intoleranz und Dummheit", rief Oberbürgermeisterin Helma Orosz dort ihren Mitbürgern entgegen.
Gegen Gewalt und Fremdenfeindlichkeit: In Dresden haben sich 10.000 Menschen versammelt, um an den 65. Jahrestag zu erinnern. (© Foto: ddp)
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Dann forderte die CDU-Politikerin alle auf, sich die Hände zu reichen. Wenig später läuteten die Glocken der Dresdner Innenstadtkirchen und weit über 15.000 Menschen standen dicht an dicht in einer etwa zwei Kilometer langen Menschenkette beisammen, als Erkennungszeichen trugen sie zumeist weiße Rosen am Revers.
Die Kette, die wegen der vielen Menschen teils doppelreihig gebildet wurde, schloss sich entlang der alten Festungswälle Dresdens um die neue Synagoge, das Rathaus und den Altmarkt - sie sollte als symbolischer Schutzwall dienen gegen jene Ewiggestrigen, die sich zur gleichen Zeit vorm Neustädter Bahnhof versammelt hatten.
Die Polizei hat unterdessen eine weitgehend positive Bilanz des Gedenktags an die Zerstörung Dresdens gezogen. Fast alle Veranstaltungen und Versammlungen hätten dem Anlass des Tages "gebührend Rechnung" getragen, erklärte Polizeipräsident Dieter Hanitsch in der Nacht zum Sonntag.
Allerdings sei es auch immer wieder zu "Auseinandersetzungen zwischen Extremisten" von links und rechts gekommen, bei denen Unbeteiligte und Polizisten angegriffen worden seien. Die Polizei zählte mindestens 27 Leichtverletzte, darunter 15 Beamte. 29 Anhänger der linken und rechten Szene kamen demnach in Gewahrsam. Sie müssen sich unter anderem wegen Körperverletzung und Sachbeschädigung verantworten.
Im thüringischen Gera sind am Samstagabend darüber hinaus 183 Neonazis vorübergehend wegen Landfriedensbruchs festgenommen worden. Im Stadtzentrum hätten die Demonstranten gegen 21.45 Uhr einen spontanen Fußmarsch gestartet und dabei auch Polizisten überrannt, sagte ein Einsatzleiter der Polizei. Ein Polizist wurde dabei leicht verletzt. Die Gruppe war aus Dresden zurückgereist.
An die 5000 Rechtsextreme aus dem gesamten Bundesgebiet waren in Dresden im Laufe des Nachmittags zusammengekommen - weit weniger, als die erwarteten 8000. Leute mit Glatzen und schwarzen Ballonjacken, Männer in Lodenmänteln und sogar eine Dame im Nerzmantel hörten da den einpeitschenden Worten der Redner aus dem rechten Lager zu.
"Dresden Nazifrei"
Anfangs waren die Demonstranten immer nur schubweise eingetröpfelt, die Polizei hatte durch geschickte Kontrollen der Dresdner Zufahrtsstraßen und eine zeitweise Sperrung des Bahnverkehrs dafür gesorgt, dass die Anreisenden nur durch erhebliche Verzögerungen und zum Teil nach stundenlangen Fußmärschen den Ort der Kundgebung erreichen konnten. Endlich im Neustädter Bahnhof angekommen, strömten viele dann erst Mal den Toiletten zu.
Unterdessen erschallte aus der Umgebung Trommelwirbel und Rockmusik. Organisiert von dem Aktionsbündnis "Dresden Nazifrei" wurden rund um den Neustädter Bahnhof kleine Kundgebungen gegen die Nazi-Demonstration abgehalten. In eisiger Kälte saßen junge Leute auf den Gleisen und riefen Parolen wie "No pasaran" - keiner darf durch.
Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Taktik die Polizei hatte.
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Ich möchte noch Ergänzen
...Wenn ich dafür Beifall von rechts bekomme (obwohl ich eigentlich auf der anderen Seite stehe) ....
und Schelte von links bekomme (selbstverständlich gibt es auch auf der Seite der Linken ideologische Verbohrte)
...dann habe ich damit kein Problem
"Wer das ausspricht, wird heute aber sofort ins rechte Eck gedrängt."
Was soll die Opferhaltung ? Ich bin auch der Meinung, dass man das Thema anprechen sollte - einfach deshalb weil es ein grausames Verbrechen war. Wenn ich dafür Beifall von rechts bekomme (obwohl ich eigentlich auf der anderen Seite stehe),
habe ich damit kein Problem. Es gibt nicht nur Schwarz oder Weiß im Rechts-Links-Schema.
"In die Ecke gedrängt" - ach Gottchen - ich bin auch schon in Ecken gedrängt die mindestens genauso negativ besetzt sind wie die "rechte Ecke".
Wie wäre es denn gewesen wenn 5000 strenggläubige Moslems marschieren - unter folgenden Randbedingungen :
Es wären z.T. auch Hassprediger darunter - (denen man aber nie was Nachweisen konnte) - aber die große Mehrheit würde Extremismus ablehnen
Wenn dies dann blockiert würden, hätten sicher viele auch nichts dagegen, die jetzt das hohe Lied der Versammlungsfreiheit singen.
An raspel:@, das was sie da ansprechen verstehen die linken und die rechten Demonstranten nicht,dass ist fuer sie zu hoch. Die Diskussion ueber die Flaechenbombadements hat zum Beispiel in England eine grosse Debatte ausgeloesst. So haben man bei der geschmackloen Einweihung des beruechtigten Harris Denkmal, viele Englaender ihren Protest freien lauf gelassen.Man denke nur an Hamburg,da gab es ca. 35000 Tote zu beklagen. Nun Dresden war vollgestopft mit Fluechtlingen aus dem Osten und da sollen es nur 25000 sein,die Zahl wird jedes Jahr kleiner,warum weiss ich nicht. Auch ist es so das bei der Hitze viele Menschen verbrannt sind bis nichts mehr uebrig war und regestriert werden koennten nur die,die in der Stadt wohnten. Auch ist es traurig das die Trauerfeier von der Politik missbraucht wird,egal von welcher Seite. Das das Englische Volk eine Sammlung fuer die Frauenkirche durchfuehrte und die Kuppel gespendete,ist das Gute an der Sache,die Toten soll man ruhen lassen und die Politik sollte das auch tun.
Es scheint, als ob die Demonstrationen in Dresden primär eine Demonstration gegen den stärker werdenen Neonazismus seien. Man sollte aber nicht aus den Augen verlieren, dass die Flächenbombardements deutscher Städte genauso ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellen, wie die Bombem auf Hiroschima und Nagasaki. Wer das ausspricht, wird heute aber sofort ins rechte Eck gedrängt. Damit sollte nach 60 Jahren endlisch Schluß sein. Man muß auch über die Verbrechen der "Strategischen Bomberoffensive" objektiv urteilen und dies auch vertreten können, sonst wird dieser Teil der Geschichte auf immer ein Zerrbild bleiben.
Auf der rechten Elbseite hatte die Bürgermeisterin (CDU) zu einer Friedenskette aufgerufen. Ca. 15 000 Bürger fogten diesem Aufruf. Unter den Gästen auch Ministerpräsident Tillich (CDU). Ein wichtiges Zeichen. Aber aufgehalten haben die Nazis andere.
Auf der linken Elbseite standen alle Unterstützer des Bündnisses Dresden-nazifrei. 15 000 Bundesbürger aus allen Teilen Deutschlands waren gekommen. Aufgerufen zu der Blockadeaktion hatten die Antifa, No Parasan, die Linken, die Grünen, die SPD, die Jusos, solid, die Gewerkschaften und viele mehr. Bitte verzeiht, wenn ich nicht alle aufzählen kann. Im Vorfeld durch die Staatsanwaltschaft kriminalisiert, standen und saßen sie den ganzen Tag bei Minustemperaturen und blockierten die Naziroute. Die Bedrohung durch Schlagstöcke, Wasserwerfer und Pfefferspray konnte sie nicht schrecken. Diese Blockierer, das Bündnis Dresden-nazifrei, haben in Dresden die freiheitlich-demokratische Grundordnung verteidigt. Sie stellten sich auch der Gefahr von Nazi-Horden angegriffen zu werden, die teilweise zu Fuß und in größeren Gruppen zum Versammlungsort marschierten. Viele Landes- und Bundespolitiker hatten sich unter diese Gruppe gemischt, um Polizeiübergriffe zu verhindern. Die Linken aus dem Saarland, Thüringen und Hessen hielten z.B. eine öffentliche Fraktionssitzung auf den Straßen ab.
Insgesamt hat die Polizei besonnen gehandelt, den sie konnten die Straßen nicht räumen - es waren zu viele meist junge Menschen. Dank an die Polizei für die Sicherung der Raststätten. So konnten diesmal Übergriffe der Nazis auf Gegendemonstranten verhindert werden.
An alle Blockierer meinen herzlichen Glückwunsch. Ihr könnt stolz auf diesen Erfolg sein.
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