Großbritannien Ex-Doppelagent Skripal aus Klinik entlassen

Skripal und seine Tochter wurden im März bewusstlos in einem Park gefunden.

(Foto: AP)
  • Der ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal ist nach knapp zweieinhalb Monaten Klinikaufenthalt entlassen worden.
  • Skripal und seine Tochter waren Anfang März im englischen Salisbury mit dem Nervengift Nowitschok vergiftet worden.
  • Trotz neuer Erkenntnisse über die Verbreitung von Nowitschok sieht die Bundesregierung die Verantwortung für den Fall Skripal weiterhin in Moskau - der russische Botschafter in London weist das zurück.

Der vergiftete ehemalige russische Doppelagent Sergej Skripal ist aus dem Krankenhaus in Salisbury entlassen worden. Das teilte die Klinik mit. Es gehe ihm inzwischen so gut, dass er nicht mehr im Krankenhaus behandelt werden müsse.

Skripal und seine Tochter Julia waren am 4. März in der südenglischen Kleinstadt bewusstlos auf einer Parkbank entdeckt worden. Sie wurden Untersuchungen zufolge mit einer geringen Menge des Nervengifts Nowitschok vergiftet. Spuren davon wurden an Orten entdeckt, die sie besucht hatten. Die höchste Konzentration stellten Experten an einer Türklinke am Wohnhaus des Ex-Spions fest. Julia Skripal wurde schon am 10. April aus dem Krankenhaus entlassen und befindet sich nach Angaben der britischen Behörden an einem sicheren Ort.

Lügen, Gift und Überläufer

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Skripal hatte früher für den russischen Militärgeheimdienst GRU gearbeitet und dem britischen MI6 Informationen weitergeleitet. 2004 flog er auf. Er wurde in Russland zu 13 Jahren Lagerhaft verurteilt. Bei einem Gefangenenaustausch kam er 2010 nach Großbritannien.

Internationale diplomatische Krise nach Attentat auf Skripal

London bezichtigt Moskau, hinter der Tat zu stecken. Der Kreml weist das zurück. Das Attentat löste eine schwere diplomatische Krise aus. Zahlreiche Diplomaten wurden auf beiden Seiten ausgewiesen. Großbritannien lässt nun mehr als ein Dutzend Todesfälle von Kreml-Kritikern und Ex-Spionen im Land erneut untersuchen.

Nowitschok war einst in der Sowjetunion produziert worden. Der Stoff war aber auch im Westen bekannt. Wie gemeinsame Recherchen von Süddeutscher Zeitung, WDR, NDR und Zeit kürzlich ergeben haben, hatte sich der Bundesnachrichtendienst (BND) Mitte der 90er Jahren eine Probe des gefährlichen Kampfstoffes verschafft. Verschiedene Politiker sehen deshalb die Theorie erschüttert, wonach nur Russland einen derartigen Anschlag hätte verüben können.

Trotz der neuen Erkenntnisse über die Verbreitung des Nervengifts sieht die Bundesregierung die Verantwortung für den Fall Skripal weiterhin in Moskau. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte am Freitag in Berlin, der Wirkstoff sei in der Indizienkette stets nur "ein Element von mehreren" gewesen. Es gebe eine ganze Reihe anderer Spuren, die in der Summe nach Russland führten.

Russlands Präsident Wladimir Putin sagte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, er freue sich, dass Skripal nach langer Krankheit aus dem Krankenhaus entlassen worden sei. "Gott sei Dank! Er ist aus der Klinik heraus, und ich hoffe, dass er lebendig, gesund und unversehrt ist", sagte der Kremlchef. "Wir wünschen ihm natürlich gute Besserung." Er wies erneut die Verantwortung für den Anschlag zurück und bezweifelte die bisherigen Ergebnisse der Ermittler: "Wenn es ein Kampfmittel gewesen wäre, wäre er sofort gestorben, an Ort und Stelle."

Der russische Botschafter in London Alexander Jakowenko betonte am Freitag, dass weiterhin keinerlei Beweise dafür vorliegen würden - und dass man nicht mehr länger Russland beschuldigen könne, da das Nervengift auch in anderen Ländern produziert wurde. Man wolle außerdem von Skripal persönlich hören, dass es ihm gut gehe und dass er keinerleich Kontakt zu Russland wünsche. Das sei aber bisher nicht passiert, kritisert Jakowenko.

Mit der Aufklärung des Mordversuchs an den Skripals beschäftigte sich auch die Organisation für ein Verbot der Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag. Sie ließ Blutproben der Opfer nehmen und das verwendete Gift in unabhängigen Labors analysieren und bestätigte in einem Report die Ergebnisse britischer Experten. Die OPCW äußerte sich aber nicht dazu, woher das Gift kam und wer für den Anschlag verantwortlich ist. Nowitschok ist ein extrem gefährliches Nervengift. Toxikologen halten chronische Folgen und erst später auftretende Schäden für möglich.

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