Deutsche Söldner für Somalia Private Krieger

"Hoffnung auf Sicherheit und Frieden": Das Geschäft mit Privatarmeen bringt Milliarden. Eine deutsche Firma will nun Ex-Bundeswehrsoldaten als Söldner nach Somalia schicken.

Von Peter Blechschmidt

Die Nachricht der Tagesschau zu Pfingsten enthielt gleich mehrere Reizwörter: Eine deutsche Sicherheitsfirma wolle Ex-Bundeswehrsoldaten als Söldner nach Somalia schicken. Da klingeln die Alarmglocken, auch in höchsten Regierungsämtern in Berlin. Bilder von marodierenden Privatarmeen erstehen vor dem geistigen Auge.

Ein junger somalischer Soldat in Mogadischu: Eine deutsche Sicherheitsfirma will Ex-Bundeswehrsoldaten als Söldner in das afrikanische Land schicken, in dem seit Anfang der neunziger Jahre ein Bürgerkrieg tobt.

(Foto: AP)

Am Ende eines verlängerten und innenpolitisch nachrichtenarmen Wochenendes stellt sich die Geschichte aber wesentlich weniger dramatisch dar. Gleichwohl wirft sie ein Schlaglicht auf ein reales Problem.

Üppiges Betätigungsfeld

Mit der Zunahme bewaffneter Konflikte überall in der Welt geht eine Privatisierung des Krieges einher. Offiziell erklärte Kriege gibt es kaum noch. Stattdessen geht die Gewalt von islamistischen Terroristen, südamerikanischen Drogenbanden oder somalischen Piraten aus. Regionale Kriegsherren machen sich die in vielen Ländern herrschende Gesetzlosigkeit zunutze.

Andererseits versuchen Firmen und Prominente, sich vor Attentaten oder Entführungen zu schützen. All dies bietet privaten Sicherheitsanbietern ein üppiges Betätigungsfeld. Auf 250 Milliarden Euro schätzen Fachleute den Jahresumsatz solcher Firmen weltweit.

Seit 2004 ist auch die Firma Asgaard - German Security Group mit Sitz im westfälischen Telgte auf diesem Gebiet tätig, wie Geschäftsführer Thomas Kaltegärtner bestätigt. Sie bietet Personen- und Objektschutz sowie Sicherheitsberatung aller Art.

Im Dezember 2009 verkündeten Asgaard und der somalische Clanchef Abdinur Darman, der sich selbst als gewählten Präsidenten der Republik Somalia bezeichnet, den Abschluss eines "exklusiven Vertrages" über strategische Beratung und die "Durchführung aller Maßnahmen, die notwendig sind, um Sicherheit und Frieden wiederherzustellen". Die Mitteilung begann vollmundig mit dem Satz: "Für Somalia gibt es neue Hoffnung auf Sicherheit und Frieden."

100 Söldner für Somalia

Am 20. Mai legte Kaltegärtner nach: "Schon bald könnten Schiffe unter dem Schutz von Asgaard durch die Gewässer vor der Küste Somalias laufen." Dem Norddeutschen Rundfunk und tagesschau.de bestätigte Kaltegärtner, dass seine Firma mit Hilfe ehemaliger Bundeswehrsoldaten auch den Personenschutz für Clanchef Darman übernehmen wolle. Beim dafür nötigen Personal "wäre man sehr schnell im dreistelligen Bereich", sagte der Sicherheitsexperte. So gelangte die Zahl von mehr als 100 Söldnern für Somalia in die Welt.

Nach aufgeregten Anfragen stellte Kaltegärtner am Montag klar, dass er noch keine deutschen Staatsbürger nach Somalia geschickt habe. Das werde er erst tun, sobald Darman mit Billigung der Vereinten Nationen "die Staatsgeschäfte wieder aufgenommen hat".

Das aber kann noch dauern. Laut Auswärtigem Amt erkennt die internationale Gemeinschaft nur den amtierenden Staatschef Scharif Scheich Ahmed als rechtmäßiges Staatsoberhaupt an. Dessen ungeachtet wollen Auswärtiges Amt und Verteidigungsministerium nun prüfen, was genau Asgaard in Somalia vorhat.

Rein rechtlich ist es ehemaligen Soldaten nicht verwehrt, für private Sicherheitsdienste zu arbeiten. Strafbar macht sich allerdings nach Paragraph 109h des Strafgesetzbuches, "wer zugunsten einer ausländischen Macht einen Deutschen zum Wehrdienst in einer militärischen oder militärähnlichen Einrichtung anwirbt".